Dieser Zwickauer will sich im E-Sport einen Namen machen

Irgendwann als Computerspieler sein Geld verdienen - diesen Traum hat Sascha Hendel. Wie das klappen kann, darüber hat sich der 20-Jährige schon viele Gedanken gemacht.

Zwickau.

E-Sport ist kein Sport - dieses Vorurteil hört Sascha Hendel immer wieder. Doch der Zwickauer weiß genau, was er auf die Kritik erwidert. "Ich muss mental topfit sein, um ähnlich wie auf dem Fußballplatz in jedem Spiel schnelle Entscheidungen zu treffen. Ändert der Gegner seine Taktik, muss ich hoch konzentriert sein und gleich einen Plan B in der Hinterhand haben", sagt der 20-Jährige. Zudem sitze er ja nicht nur vor der Konsole, körperliche Fitness sei genauso wichtig. Schließlich dauerten die Turniere teilweise mehrere Stunden, erzählt der junge Mann, der in der Kindheit und Jugend beim Ebersbrunner SV dem Ball nachgejagt ist.

Nebenbei hat er wie viele seiner Generation Computer gespielt. Dass er nun den Traum hegt, damit später sein Geld zu verdienen, kam eher überraschend. Im vergangenen Januar meldete sich Sascha Hendel mehr aus Spaß für das Fifa-Turnier auf der Leipziger Dreamhack an, einem Festival, bei dem zahlreiche E-Sports-Turniere stattfinden. Ohne große Vorbereitung schaffte es der Zwickauer bis ins Halbfinale. Seitdem beschäftigt er sich intensiv mit dem Spiel. "Man sucht sich zunächst ein Fußballteam aus. Das kann eine Klub- oder eine Nationalmannschaft sein. Dann legt man fest, mit welchem Kader und welcher Taktik man spielt. Also zum Beispiel, ob viel Ballbesitz wichtig ist oder Pressing. Die einzelnen Spieler steuere ich an der Playstation selbst", erzählt der 20-Jährige.

Seit dem ersten Erfolg in Leipzig versucht Hendel, vor allem an Turnieren in der Region teilzunehmen und Erfahrungen zu sammeln. Im Dezember qualifizierte er sich als Zweiter eines Ausscheidungsturnieres in Leipzig für die Dreamhack 2020. Nach drei Erfolgen in der Gruppenphase unterlag er erst im Finale einem deutlich erfahreneren Spieler. Was jetzt bei der Finalrunde Ende Januar auf ihn zukommt, das weiß Sascha Hendel noch gar nicht genau: "Ich bin mal gespannt, wie das von der Aufregung her wird. Da sind ja schließlich auch eine Menge Zuschauer. Ich will vor allem weiter Eindrücke sammeln und schauen wo es für mich hingehen kann." Am besten natürlich in Richtung eines Profivertrages in einem namhaften Team. Zahlreiche Fußball-Bundesligaklubs wie Wolfsburg, Schalke, Stuttgart oder Leipzig verfügen mittlerweile über eigene E-Sport-Abteilungen. Aber auch Spieler wie Mesut Özil und Bernd Leno haben eigene Teams gegründet.

Sascha Hendel weiß, dass es ein langer Weg werden könnte, bis sein Traum in Erfüllung geht. Und er geht die Umsetzung realistisch an. So steht aktuell seine Ausbildung bei VW in Mosel an erster Stelle. Ist die erfolgreich absolviert, will er weiter schauen. "Es muss irgendwann den Sprung geben, wo ich mich für ein Jahr komplett auf den E-Sport konzentrieren kann", sagt der 20-Jährige. Unterstützung bei seinem Plänen bekommt er von Familie und Freundin. Ihnen hat er auch erklärt, dass die Szene rasant wächst und nicht nur für Spieler Zukunftsperspektiven bietet: "Ich habe viel gelesen und mich bei Profispielern informiert. Als Trainer oder Experte kann man auch nach seiner aktiven Zeit noch Geld verdienen. Die Szene wird ja aktuell erst richtig groß. Ich glaube nicht, dass E-Sport wieder komplett verschwindet."


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