Ein Trainerwechsel der anderen Art

Die Handball-Karriere von Stefan Henning als Übungsleiter hat erst im Sommer begonnen. Am Samstag steigt er in Abwesenheit von Patrick Küttner beim HC Glauchau/Meerane II zum Chefcoach auf. Denn der steht selbst noch auf dem Parkett - nur nicht für seine eigene Mannschaft.

Glauchau/Meerane.

Dass sie sich ab Sommer einen neuen Trainer für ihre zweite Handball-Männermannschaft suchen mussten, hatten sie beim HC Glauchau/Meerane schon seit dem Frühjahr gewusst. Im April verkündete der Verein die Beförderung von Mario Schuldes vom Übungsleiter des Verbandsliga-Teams zur Sachsenliga-Mannschaft. Dass Nachfolger Patrick Küttner in dieser Spielzeit für drei Partien aber ebenso ersetzt werden muss, kam für den ein oder anderen etwas überraschend. Allen voran für Stefan Henning, der den 32-Jährigen am Samstag beim Auswärtsspiel gegen den SC DHfK Leipzig III erstmals an der Seitenlinie vertreten wird.

"Logischerweise bin ich aufgeregt" sagt Henning. Der 55-Jährige war bis dato weder als Trainer noch als Spieler in offiziellen Wettkämpfen aktiv. Im Handball ist er zwar schon lange engagiert, gespielt hat er aber nur in Freizeit-Teams oder bei den Alten Herren des HC. Sein Einstieg als Torwarttrainer der zweiten Mannschaft kam daher über Umwege zustande - und über den persönlichen Kontakt. "Ich kenne Patrick ja schon seit seiner Einschulung. Er ist mit meiner Tochter in eine Klasse gegangen", sagt Henning.

In die Rolle als Torwarttrainer musste der Neuling erst reinwachsen. "Da ist viel Learning by Doing. Und das Internet ist ein großer Freund und Helfer. Da gibt es viele Videos", sagt Henning. Er versuche, das Niveau der Torhüter zu erhöhen und gleichzeitig den Spaß zu erhalten - den er selbst bei seiner Arbeit mit dem Team schon entdeckt hat.

Doch wie kommt es, dass der Novize nach zehn Spieltagen auf einmal den Cheftrainer ersetzt? Das hat mit Küttners Doppelrolle zu tun. Bis zum Sommer spielte der Kreisläufer noch selbst in der zweiten Mannschaft des HC. Mit dem Antritt der Nachfolge von Schuldes auf der Trainerbank wollte Küttner seine Spielerkarriere noch nicht an den Nagel hängen. "Sowohl Trainer als auch Spieler hat beides etwas für sich", sagt Küttner, der bereits auf eine dreijährige Erfahrung als Trainer der dritten Mannschaft des HC zurückblickt. Doch im selben Team funktioniere die Doppelrolle nicht. "Da verliert man an Glaubwürdigkeit, wenn man Dinge einfordert, die man dann selbst auf dem Feld nicht umsetzt", erklärt Küttner. Deshalb wechselte er im Sommer als Spieler zum LSV Ziegelheim in die Thüringenliga, der derzeit mit 2:16 Punkten Vorletzter ist. Unter der Woche leitet Küttner beim HC II die beiden Übungseinheiten, zudem ist er einmal beim Training in Ziegelheim. Im Liga-Spielplan gibt es für den "Doppelagenten" sechs Überschneidungen. "Da entscheide ich mich immer für die Partie mit der kürzeren Anreise", sagt Küttner, der in Glauchau wohnt. Am Samstag ist dies erstmals ein Spiel der Ziegelheimer, die zu Hause auf den Tabellenführer Sonneberger HV treffen.

Von seinem Glück, nach nur ein paar Monaten im Vereinshandball gleich zum Ersatz-Cheftrainer aufzusteigen, erfuhr Henning erst während der Saison. Gänzlich allein ist er nicht, die erfahrenen Spieler werden ihm zur Seite stehen. "Ich habe dann einfach gesagt: 'Was solls - okay, ich mache es", sagt Henning, der zwar keine Trainerlizenz besitzt, diese in der Verbandsliga aber auch nicht benötigt.


Ineffizienz kostet Heimsieg

Den Kurs Richtung Heimsieg hatten sie am Samstag schon eingeschlagen, die Verbandsliga-Handballer des HC Glauchau/Meerane II. Zur Pause führten sie in der Karl-Heinz-Freiberger-Halle gegen die SG Leipziger Verkehrsbetriebe mit 14:10. Auch der erste Treffer nach dem Seitenwechsel ging auf das Konto der Gastgeber. Doch danach verlor der HC den Faden. In der 45. Minute stand es 18:18.

Den Rückschlag steckten die Hausherren zunächst gut weg und holten sich die Führung mehrmals zurück, ohne selbst ins Hintertreffen zu geraten. Bis zur 54. Minute: Ein Doppelschlag von Martin Schnitzler brachte Leipzig mit 24:22 in Front. Den Vorsprung gaben die Gäste bis zum Spielende nicht mehr her und gewannen schließlich mit 26:24.

Die Gründe waren aufseiten des HC schnell ausgemacht. "Wir waren zu ineffizient vor dem Tor", sagt Trainer Patrick Küttner. In Hälfte 1 hatte er sich acht Fehlwürfe seines Teams notiert, in Hälfte 2 waren es 14. "Und wenn man vorne nicht trifft, kann der Gegner besser kontern und zu Toren kommen", so Küttner.

Das Abwehrbollwerk aus dem ersten Durchgang habe zudem nicht mehr so sicher gestanden. Die Gastgeber mussten verletzungsbedingt auf ihr Torwart-Duo Maximilian Richter/Moritz Papmahl sowie auf ihren erkrankten Top-Werfer Tim Esche (54Saisontreffer) verzichten.

Statistik: Der HC Glauchau/Meerane II spielte mit Buchhold, Voigt; Held (2), Elschker (2), Huber (7), Tran Van, Singer, Berkmann (1), L. Rülke (4), J. Rülke (1), Möckel (3/1)

In der Verbandsliga-Tabelle steht der HC Glauchau/Meerane II nach zehn Spieltagen mit 7:13 Punkten auf Rang 10 unter 12 Teams. Zum letzten Spiel der Hinrunde und des Kalenderjahres tritt das Team am Samstag

um 16 Uhr beim SC DHfK Leipzig III (4. Platz/14:6 Punkte) an. (ewer)

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