Ex-Referee schaut bis heute genau hin

Fußball: Friedhold Pestel feiert 80. Geburtstag und hält nichts vom Videobeweis

Vielau.

Nur einen Tag nach dem 85. Geburtstag des Zwickauer Fußball-Idols Alois Glaubitz kann am heutigen Dienstag Alt-Schiedsrichter Friedhold Pestel in Vielau auf 80 Lebensjahre anstoßen. Beide sind einst auch auf dem Rasen aufeinander getroffen. Friedhold Pestel besitzt noch den Berichtsbogen des Spieles von Empor Friedrichsgrün gegen Motor Zwickau mit Datum vom 19. Mai 1962. Für die Zwickauer, die am Ende mit 5:0 siegten, lief auch Glaubitz auf.

Für seinen Einsatz als Schiedsrichter bekam der Jubilar seinerzeit schlappe sechs Ost-Mark. "Schon damals gehörte viel Enthusiasmus dazu, um als Schiedsrichter tätig zu sein. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich zwar ein begeisterter Fußballanhänger war, es bei mir aber am richtigen Ballgeschick haperte. Also folgte ich dem Rat einiger Leute meines damaligen Sportvereins, Einheit Vielau, und wurde Schiedsrichter", erinnerte sich der 80-Jährige. Nach sechs Lehrgangstagen legte er die Prüfung ab, leitete drei Spiele unter Beobachtung, wurde schließlich eingestuft und bekam den ersehnten Ausweis.

Er begann in der 2. Kreisklasse und schaffte es bis in die Bezirksklasse und -liga. 1985 hängte er die Trillerpfeife nach etwa 1000 geleiteten Spielen an den Nagel. Seine Verdienste wurden vom Sächsischen Fußballverband mit der der Ehrennadel in Silber gewürdigt. Die Auszeichnung überreichte kein Geringerer als die DDR-Schiedsrichter-Legende Rudi Glöckner. "Von ihm habe ich auch eine erstklassige Pfeife erhalten, die ich in Ehren halte."

Dem Fußball ist Friedhold Pestel bis heute treu geblieben. "Die Beine wollen im Alter nicht mehr so recht. Deshalb bin bei einem Abstecher auf den Platz in Vielau darauf angewiesen, dass mich jemand mit dem Auto mitnimmt. Und wenn im Fernsehen ein gutes Spiel läuft, schaue ich mir das natürlich auch an", verriet er. Nach wie vor achtet er viel auf das Verhalten und die Entscheidungen des Schiedsrichterteams. Dem Videobeweis kann er dabei nicht viel abgewinnen. "Wenn nur noch Technik zum Einsatz kommt und Tatsachenentscheidungen ständig in Frage gestellt werden, braucht man auch keine Schiedsrichter mehr", sagt Friedhold Pestel. (awo)

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