Gersdorfer verstärkt den Schachverband

Über mangelnde Arbeit kann sich Thomas Knoof vom SC Sachsenring nicht beklagen. Das stillgelegte Vereinsleben fehlt ihm dennoch - war es doch stets ein wichtiger Teil seiner sportlichen Aktivität.

Oberlungwitz.

Das Arbeitszimmer in den heimischen vier Wänden war wegen der Corona-Krise sowieso schon eingerichtet. Als der Schachverband Sachsen nach Unterstützung für die Buchungsabteilung seiner Geschäftsstelle in Dresden suchte, war der Mini-Job für Thomas Knoof aus Gersdorf wie geschaffen. Nicht nur, weil er sich als Hausverwalter in seinem Hauptberuf in organisatorischen und finanziellen Angelegenheiten gut auskennt. "90 Prozent der Arbeit kann ich von zu Hause aus machen. Das kommt mir mit zwei kleinen Kindern sehr entgegen. Mit Schach hat der Job aber weniger zu tun", sagt der passionierte Denksportler, der beim SC Sachsenring Stellvertreter von Vereinspräsident Uwe Olek ist.

In seine neue Stelle hat sich Thomas Knoof schon gut eingearbeitet. Knapp 200 Buchungen sind es, die der 51-Jährige seit September monatlich für den Verband abrechnet. Recht kurz kommt dagegen aktuell das Schachspielen als solches. Durch die coronabedingten Einschränkungen ruht der Betrieb beim SC Sachsenring. "Eigentlich haben wir im Schach ja den Vorteil, dass wir auch gut im Internet spielen können. Aber für die Online-Liga bekommen wir im Verein nicht genügend Spieler zusammen", sagt Knoof. Er selbst spielt im Internet meist Blitzschachvarianten. "Die Partien können sonst bis zu vier Stunden dauern. Wenn man da abgelenkt wird oder die Kinder mal reinkommen und man dadurch einen Fehler macht, dann ärgert man sich", so Knoof. Doch auch die Blitzvarianten haben ihre Tücken. Die Kontrahenten kommen dabei aus der ganzen Welt. "Wenn ich einen Gegner zum Beispiel aus Brasilien habe, dann kann sich die Signalverzögerung schon bemerkbar machen. Da man nur eine Minute Bedenkzeit hat, kann man dadurch verlieren", so Knoof.

Beim SC Sachsenring kommen die Gegner aus dem eigenen Umfeld. Zwölf Mitglieder hat der SC aktuell, wie Präsident Olek erklärt. Bei der Gründung im Jahr 1999, einem Zusammenschluss aus dem SC Hohenstein-Ernstthal und den Schachspielern des Oberlungwitzer SV, waren es 33. Doch die Nachwuchsarbeit ist zeitaufwendig. "Wir konnten zuletzt einige Zeit Schachunterricht an der Schule in Callenberg anbieten. Das lief über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die Mitarbeiterin hat aber eine Vollzeitstelle gefunden, seitdem gibt es das Angebot nicht mehr", sagt Olek. "Falls sich da jemand findet für Schachunterricht in den Schulen - unabhängig von unserem Verein - wäre das toll", sagt Knoof. In der Vergangenheit feierte der SC-Nachwuchs schon einige Erfolge. "Einmal wurde unsere U 25 sächsischer Vizemeister, obwohl alle Spieler noch unter 18 Jahre alt waren. ", erinnert sich Olek. Die erste Männermannschaft des Vereins spielt aktuell in der 1. Bezirksklasse.

Für den aus Oberlungwitz stammenden Knoof war die Teilnahme an einer Bezirkseinzelmeisterschaft ein großer Erfolg. Begonnen hat er mit dem Denksport als kleiner Junge im Hort der POS in Oberlungwitz. Alle zwei Wochen gab es dort Schach-Unterricht. Später trat er dem Oberlungwitzer SV bei. "Es ist am Anfang auch gar nicht so schwer. Man braucht nur Mitspieler auf ähnlichem Niveau, dann feiert man immer wieder Erfolgserlebnisse und wird nicht unzufrieden", so Knoof. Ab und an sei das Schachspielen aber auch nur ein Vorwand gewesen, um sich zum Computerspielen zu treffen, verrät er. "Das Spiel war für mich nie so entscheidend. Es waren vor allem die sozialen Kontakte", erzählt Knoof. Auf diese muss er im Vereinssport derzeit verzichten. Besonders fehlen dabei die jährlichen Treffen mit den Schachspielern aus Hohenstein-Ernstthals Partnerstädten Hockenheim und Rheinberg, bei denen neben Turnieren auch Kulturprogramme stattfindet.

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