Hoch motiviert zum Klassenerhalt

Rollstuhlbasketball: Marianne Buso über die Play-downs, Dijon und den Luxus ihrer eigenen Kabine.

Zwickau.

Aufgrund angeborener Knieprobleme dachte Marianne Buso im Alter von acht Jahren, dass sie keinen Leistungssport mehr ausüben könne. Doch dann entdeckte sie den Rollstuhlbasketball. Dort ging es für die Französin stetig nach oben. Ab Sonntag kämpft sie mit Bundesligist BSC Rollers Zwickau in den Abstiegsrunden um den Klassenerhalt. Alexander Bertram hat sich mit der 26-Jährigen unterhalten.

Freie Presse: Hallo Frau Buso, am Sonntag geht es in das erste Play-down-Spiel gegen die Roller Bulls Ostbelgien aus Sankt Vith. Wie ist die aktuelle Stimmung im Team?

Marianne Buso: Hallo. Ja, das ist richtig. Momentan sind wir alle hoch motiviert. Da wir unser Ziel, in die Play-offs zu kommen, dieses Jahr nicht erreicht haben, wollen wir alles daran setzen, die Liga zu halten. Ostbelgien dürfen wir in keinem Fall unterschätzen. Mit dem eigenen Publikum im Rücken spielen sie sehr aggressiv. Da müssen wir höllisch aufpassen.

Sie kommen ursprünglich aus der Bourgogne. Genauer gesagt aus Dijon. Wie kommt man von dort ins westsächsische Zwickau?

Ich fing mit 20 Jahren mit Rollstuhlbasketball an. In Dijon trainierte ich bis zu vier Mal pro Woche und machte dadurch in relativ kurzer Zeit große Fortschritte. Ich wurde dann sogar zur Nationalmannschaft berufen. Doch das war mir nicht genug. Ich suchte eine neue Herausforderung. Ich wollte in eine neue Stadt und eine neue Kultur kennenlernen. Ich schrieb Vereine aus ganz Deutschland an und bot ihnen an, für sie zu spielen.

Und ihr Trainer Marco Förster meldete sich. Wie lief dann das erste Kennenlernen?

Genau. Marco antwortete mir auf meine Mail und fragte, ob ich ihm Videos von mir schicken könne, um meine Fähigkeiten am Ball zu analysieren. Nach mehreren Skype-Gesprächen hat er mir dann gesagt, dass er mich gerne in seinem Team haben möchte. Ich habe mich wahnsinnig gefreut und ihm sofort zugesagt. Jetzt bin ich hier.

Sie sind die einzige Frau bei den Rollers. Wie sind Sie im Team empfangen worden?

Ja, das stimmt. Die Jungs waren total nett zu mir. Ich hatte dennoch das Gefühl, mich erst einmal beweisen zu müssen. Durch mein Handicap steht mir normalerweise eine Klassifizierung von 4,5 Punkten zu. Als Frau bekommt man aber zusätzlich noch einen Punkt abgezogen. Das hat mich am Anfang schon geärgert. Als ich dann aber in den Kraftraum kam und gesehen habe, wie viel Kraft die 16-jährigen Jungs schon haben, habe ich es verstanden. Als einzige Frau habe ich meine eigene Umkleide. Eine riesengroße sogar. Nur für mich. Das ist schon Luxus.

Gibt es irgendetwas, dass Sie aus Dijon vermissen? Den berühmten Senf vielleicht?

Den Senf nicht unbedingt (lacht). Aber das weiche Brot, den Käse und den guten Wein vermisse ich schon manchmal. Und natürlich meine Familie und Freunde.

Was sind Ihre weiteren sportlichen Ziele?

Die Paralympics 2020 in Tokio wären ein absoluter Traum. Zusammen mit der französischen Nationalmannschaft durfte ich schon bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen. So etwas möchte ich unbedingt noch einmal erleben.


Klassifizierung

Jeder Rollstuhlbasketballer wird anhand seines Behinderungsgrades eingestuft - von schwerbehindert, 1Punkt, bis minimalbehindert, 4,5Punkte. Bei einer Partie dürfen die Spieler eines Teams auf dem Feld auf maximal 14 Punkte kommen.


Die Play-downs

Zum ersten Mal in der Rollstuhlbasketball-Geschichte werden die Absteiger der 1. Bundesliga in den Play-downs ermittelt. Die Plätze 7 bis 10 spielen in einem Hin- und Rückspiel zwei Absteiger aus. Außerdem werden die Punkte der vier Teilnehmer aus der Hauptrunde untereinander übernommen. Die Zwickauer starten vor dem ersten Spiel gegen die Roller Bulls Ostbelgien am Sonntag aus der Spitzenposition in die Abstiegsrunden.

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