Jan Gans spielt immer auf Sieg

Mit ihrem Neuzugang aus Texas haben die Zwickauer Bundesliga-Rollstuhlbasketballer einen wirklich guten Griff getan. Er war der überragende Mann beim Turnier um den Oettinger Cup in Elxleben.

Zwickau.

Sein graues Trikot verrät, wo Jan Gans in den vergangenen Jahren spielte: bei den Movin Mavs der University of Texas in Arlington, zwischen Dallas und Fort Worth gelegen, Heimstatt der Texas Rangers (Baseball) und der Dallas Cowboys (Football). Der gebürtige Gießener erreichte mit den Movin Mavs zweimal das Endspiel der US-amerikanischen College-Liga. In der Saison 2016/17 will der 29-Jährige versuchen, mit dem BSC Rollers in die Bundesliga-Playoffs einzuziehen.

Trainer Marco Förster hatte im Fachmagazin "Rollt." einen Bericht über Jan Gans gelesen und ihn kurzentschlossen angeschrieben. "Er ist ein großer Kämpfer, sehr geradlinig und fokussiert", charakterisiert Förster den 1,95-Meter-Hünen. "Er ist ein gutes Pendant zu Vytautas Skucas, beide ergänzen einander prima."

Jan Gans hatte Angebote von verschiedenen Vereinen. Er entschied sich für Zwickau, weil ihm das Gesamtpaket zusagte und er im kleinen Kader garantiert viel Einsatzzeit bekommen wird. Seit Ende August lebt er in der Muldestadt - in einer Erdgeschosswohnung am Weitblick, in der wegen Bauarbeiten an der Wasserleitung derzeit die Handwerker ein- und ausgehen. Der Verein hat den Neuen gut aufgenommen. Zwischen Routinier Rostislav Pohlmann und Youngster Denny Lindner hat er sich rasch integriert. Das Turnier-Wochenende in Elxleben war für alle sehr aufschlussreich. "Um einfach mal zu gucken, wie wir als Team funktionieren. Im Training sind wir ja nur acht Leute. Da kann man kein Spiel Fünf gegen Fünf simulieren", erklärt Jan Gans. Den Ergebnissen nach zu urteilen, hat es recht ordentlich geklappt. "Es war ganz gut", meint der 29-Jährige bescheiden. Mehr als das. Der Neu-Zwickauer, der mit seiner Leistung einen beeindruckenden Einstand feierte, wurde zum MVP (wertvollster Spieler) gewählt. Wie kann es sein, dass ein Mann mit solchen Fähigkeiten nicht in Rio dabei war? fragten sich viele Beobachter. Offenbar war er unterm Radar von Bundestrainer Nicolai Zeltinger geblieben, der mit dem deutschen Nationalteam erneut im Viertelfinale der Paralympics gescheitert ist.

Jan Gans stammt aus Oppenrod, einem kleinen Ort östlich von Gießen. Er spielte Basketball beim MTV Gießen und der TSG Reiskirchen. Nach einem schweren Autounfall im September 2007 ging er auf Empfehlung seiner Mutter nach Wetzlar und heuerte in der zweiten Mannschaft des RSV Lahn-Dill an. Für ihn eine enorme Umstellung. "Was man als Fußgänger mit den Füßen macht, muss man im Rollstuhl mit den Armen oder dem ganzen Körper machen", betont der Sportler. Im Januar 2011 begann er in Gießen ein Maschinenbaustudium, das er in den USA fortsetzte und nun an der Westsächsischen Hochschule Zwickau weiterführt. "Ich will noch den Master in Elektrotechnik machen."

Abergläubisch ist der BSC-Neuzugang nicht. Sonst würde er nicht die Nummer 13 tragen. Sind die Zwickauer für den Saisonstart morgen, 16 Uhr beim ASV Bonn gut gerüstet? "Ich denke schon", glaubt Gans, obwohl er den Auftaktgegner schlecht einzuschätzen vermag. "Wir sind nicht ganz oben an unserem Level. Das braucht noch ein paar Wochen." Er hofft auf einen erfolgreichen Beginn. "Ich spiele immer auf Sieg. Natürlich ist es in der Bundesliga ein bisschen schwieriger. Aber bei mir geht es stets darum zu gewinnen."

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