Kapitänin bleibt nur ihre Stimme

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Eine Knieverletzung bremst BSV-Handballerin Isa-Sophia Rösike derzeit aus. Trotzdem gibt es für sie gute Gründe, die Fahrt zum Auswärtsspiel in Freiburg mit anzutreten.

Zwickau.

Mit der Geduld ist es so eine Sache. Das weiß Isa-Sophia Rösike ganz genau. Nicht zum ersten Mal muss die Kapitänin des BSV Sachsen Zwickau aufgrund einer Verletzung viele Wochen pausieren. Ein Mittelfußbruch, Operationen an Schulter und Ellenbogen - in ihrer Karriere hat die 25-jährige Handballerin schon einiges mitgemacht. "Ich kenne mich mit den Zwangspausen gut aus. Meine Geduld hat aber trotzdem nichts dazu gelernt", erzählt die Rückraumspielerin. Anfang Januar zog sich Rösike einen Innenbandriss im rechten Knie zu und fällt wahrscheinlich bis April aus. Sie selbst sagt, dass sie noch Glück im Unglück hatte: "Ich wollte im Training lossprinten und dabei ist mir jemand seitlich ins Knie gefallen. Da hätte durchaus viel mehr passieren können."

Bis sie wieder auf dem Parkett stehen kann, versucht Isa-Sophia Rösike ihrem Team von der Seitenlinie aus zu helfen. Neben lautstarken Anfeuerungsrufen wird in der Halbzeit der ein oder andere Tipp in der Kabine ausgetauscht. Auch auf die Auswärtsfahrten wie am Samstag nach Freiburg will die Kapitänin nicht verzichten. "Ich habe einfach Hummeln im Arsch und könnte nicht entspannt zu Hause vor dem Livestream sitzen", erzählt die gebürtige Dessauerin, deren Begeisterung für den Handballsport früh entfacht wurde. Schon in der Babyschale habe sie auf der Tribüne neben den Trommlern geschlafen und sei gemeinsam mit ihrer Schwester Tessa Antonia ein richtiges Hallenkind gewesen. Kein Wunder, denn Vater Marco spielte selbst aktiv Handball in der 1. und 2. Bundesliga. Im sportlichen Lebenslauf des ehemaligen Torhüters stehen unter anderem ein DDR-Meistertitel und 20 Nachwuchsländerspiele für die DDR. "Mein Papa wollte eigentlich nicht, dass der Handball für uns ein Muss wird. Wir haben als Kinder alle möglichen Sportarten ausprobiert, aber sind am Ende beide trotzdem dort gelandet", erinnert sich Isa-Sophia Rösike.

Dass es mit dem Sport so weit wie möglich gehen soll, stand für die Immobilienkauffrau früh fest. Mit zwölf Jahren überredete sie ihre Eltern, endlich auf die Sportschule nach Halle gehen zu können. Vier Jahre später folgte der Wechsel nach Leipzig und Anfang 2018 kam die Rückraumspielerin nach Stationen beim HC Rödertal und Erstligist Bad Wildungen nach Zwickau. Beim BSV ist sie zu einer wichtigen Stütze im Team geworden, die immer auch da hingeht, wo es weh tut. Im Oktober im Heimspiel gegen Herrenberg etwa spielte die Kapitänin nach einer Platzwunde an der Stirn einfach mit Kopfverband weiter. "Die robuste Spielweise habe ich schon seit der Jugend, keine Ahnung warum. Ich nehme einfach keine Rücksicht auf Verluste und habe scheinbar keine Hemmungen. Das ist auch nach den Verletzungen nicht anders geworden", sagt Isa-Sophia Rösike. Gerade seit Schulter und Ellenbogen in Mitleidenschaft gezogen wurden, geht sie sogar noch mehr in die Eins-zu-Eins-Situationen: "Ich spüre da im Arm Einschränkungen und kann vielleicht nicht mit so viel Wucht wie einige andere im Team werfen. Das ist aber okay, weil bei uns jeder seine Stärken hat."

Wenn es auf dem Parkett mal nicht rund läuft, dann bekommt Isa-Sophia Rösike das auch klar von ihrem Vater gesagt. Regelmäßig tauschen sich die beiden aus. "Er redet nix schön und ist durchaus sehr kritisch. In der Familie ist Handball aber sonst kein großes Thema", erzählt die 25-Jährige, die ihren Papa zweimal in der Saison ganz bewusst ausblenden muss. Als Torwarttrainer beim HC Rödertal steht er dann auf der gegnerischen Seite.


Zwickauerinnen erleben ihre Premiere im Breisgau

Die Zweitliga-Handballerinnen des BSV Sachsen Zwickau erleben am Samstag ab 20 Uhr eine Premiere: Zum ersten Mal bestreitet die Mannschaft in der Gerhard-Graf-Sporthalle in Freiburg ein Punktspiel. Die Partie im Vorjahr bei der seit 2019 in der 2. Bundesliga spielenden HSG fiel durch den Saisonabbruch aus.

Auf die leichte Schulter nimmt BSV-Trainer Norman Rentsch das Duell mit dem Tabellenletzten nicht: "Es wird eine interessante Aufgabe. Freiburg hat bei der knappen 26:28-Niederlage in Herrenberg mit einer ungewohnten 3:3-Abwehr überrascht. Das Ergebnis zeigt auch, dass keine Mannschaft in der Liga zu unterschätzen ist."

Die Zwickauerinnen können auch aus Erfahrung sprechen. Im Hinspiel im September tat sich der BSV lange schwer und lag zur Halbzeit 7:8 hinten. Erst danach wurde der klare 21:13-Heimsieg herausgeworfen. (aheb)

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