Lehren und lernen in Australien

Nach einem Jahr Pause läuft Bianca Kruck ab November wieder für den FV Glauchau-Rothenbach auf. Ihre Abwesenheit war gut entschuldigt - denn immerhin stieg sie zur Nationaltrainerin auf.

Glauchau.

Wer im Sport erfolgreich sein will, darf nicht allzu zögerlich sein - erst recht, wenn es um das Amt des Nationaltrainers geht. Und so packte Bianca Kruck ihre Chance beim Schopfe, als der australische Faustball-Verband mit einer internationalen Ausschreibung nach geeigneten Kandidaten für seine Auswahlteams suchte. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass es klappt. Doch ein bisschen Hoffnung schwang natürlich mit", sagt die Spielerin des FV 1925 Glauchau-Rothenbach.

Mit etwas Überzeugungskraft sicherte sie sich schließlich das Ticket nach Australien. "Sie hatten viele Bewerber, die mehr Erfahrung aufweisen konnten. Für das Männerteam stimmte das auch, aber nicht für die Frauen", sagt die mittlerweile 25-Jährige. Das Argument traf ins Schwarze, und so kümmerte sie sich zusammen mit dem Baden-Württemberger Thomas Helber ab September 2018 darum, die Sportart in Australien voranzubringen. Da Helber mit Mitte 50 immer nur befristete Visa bekam und im Drei-Monats-Rhythmus zwischen Deutschland und Australien hin- und herreiste, blieb Bianca Kruck für volle zehn Monate.

Während der Verband die Kosten für Reisen und Teamkleidung übernahm, musste die Faustballerin ihren weiteren Lebensunterhalt selbst finanzieren. Dafür arbeitete sie als Au-Pair beim Verbandschef der Australier in Geelong, das circa eine Stunde von Melbourne entfernt liegt. In ihre Lebensplanung ließ sich das große Abenteuer gut integrieren. "Ich habe Englisch studiert und möchte Lehrerin werden. Im Studium haben wir aber nur wenig Englisch gesprochen, deshalb wollte ich vor dem Referendariat sowieso gerne mal ins englischsprachige Ausland. Das war dann eigentlich ein fließender Übergang", sagt Bianca Kruck.

Doch sie schulte nicht nur die australischen Faustballspielerinnen und -spieler. So stand beispielsweise auch ein Abstecher nach Neuseeland auf dem Programm, bei dem sie Schiedsrichter ausbildete. Besonders gern denkt Bianca Kruck an die Kontinental-Meisterschaften im November 2018 zurück. Vor der Partie Samoa gegen Neuseeland führten beide Teams den vom Rugby bekannten Haka auf, einen rituellen Tanz der Maori. Bei der Ehrfurcht gebietenden Aufführung "war es so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können", sagt Kruck.

Einen besonderen Höhepunkt gab es noch nach ihrer Rückkehr Ende Juli. Denn das australische Männerteam hatte sich für die diesjährige Weltmeisterschaft in der Schweiz qualifiziert. Und so ging es im August auch für Bianca Kruck nach Winterthur. Am Ende sprang Rang16 unter 18 Mannschaften heraus. "Wir waren das älteste Team im Feld und viele gute Spieler haben gefehlt, weil ihnen die Zeit oder das Geld für die Reise gefehlt hat. Unter den Umständen bin ich mit der Platzierung zufrieden", sagt Kruck.

Nach der Beendigung ihres Engagements als Nationaltrainerin tritt die 25-Jährige nun auch wieder für die Glauchauer Faustballer an. Nach dem Abstieg aus der 2. Liga in der Halle starten die Glauchauerinnen am 3. November in der Sachsenlandhalle mit einem Heimspieltag in die Oberliga. Trotz ihrer Erfahrungen bleibt Bianca Kruck aber Spielerin, wie sie erklärt: "Ich wohne in Jena und reise nur zu den Spieltagen an, das würde sowieso nicht klappen."

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