Marathon folgt Wüstentour

Auf Fuerteventura hat Daniel Meyer einen ganz besonderen Wettkampf gemeistert. Seine eigenen Erwartungen konnte der Extremsportler dabei übertreffen. Er wurde bester Deutscher.

Mülsen.

Eigentlich sei es mehr aus Gaudi passiert denn aus wirklichem sportlichem Ehrgeiz, sagt Daniel Meyer: "Ich war 2017 und 2018 beruflich in Barcelona. Dort habe ich mitbekommen, dass ein Platz für den Wettkampf verlost wird und einfach mal mitgemacht. Anfang dieses Jahres kam die Info, dass ich dabei bin." Was der gebürtige Mülsener relativ nüchtern erzählt, ist für Außenstehende schon ein wenig verrückt. Denn besagter Wettkampf nennt sich Ultra-Trail "Half Marathon des Sables". Innerhalb von nur vier Tagen liefen die Teilnehmer in der Wüste der Kanareninsel Fuerteventura 110 Kilometer. Und fast alles, was sie in der Zeit brauchten, mussten sie auf dem Rücken selbst mitschleppen.

Vergleichbare Rennen hatte der 37-jährige Meyer zuvor nie absolviert. Erst vor rund zehn Jahren kam er während eines Auslandsaufenthalts in Südafrika zum Laufen, absolvierte seitdem unter anderem mehrere Marathons. Nach der Zusage für Fuerteventura - Daniel Meyer hatte einen Platz im Team von WAA Ultra, einem Hersteller von Sportbekleidung, bekommen - war er sich zunächst nicht ganz sicher, ob er das Abenteuer wirklich wagen soll. "Das Training lief im Frühjahr nicht optimal. Außerdem bin ich im Februar Vater geworden. Aber da meine Freundin auch läuft, hatte sie Verständnis für die viele Trainingszeit. Und so eine Chance bekommt man nicht so schnell wieder", erzählt Meyer, der in Berlin lebt. In der Vorbereitung auf das Rennen kam er immer mal wieder in die Heimat. Denn Berge und Steigungen sucht man in der Hauptstadt vergeblich: "Ich bin zum Beispiel auch mal von Mülsen zum Fichtelberg gelaufen."

An einem Samstag Mitte September begann das Abenteuer Fuerteventura. Über Barcelona flog Daniel Meyer auf die Insel. Beim technischen Check-Up vor dem Start mussten die Teilnehmer ihr ganzes Equipment überprüfen lassen. Dazu zählten Dinge wie Stirnlampe und Pflaster, aber auch Essen mit mindestens 2000 Kalorien für jeden der vier Renntage. Alles in allem wog der Rucksack von Meyer rund zehn Kilogramm. Einzig die Zelte für die Übernachtung und die Wasservorräte für die gesamte Zeit transportieren die Sportler nicht selbst. "Ich muss ehrlich sagen, dass ich extrem viel Respekt vor dem Rennen hatte. Vor Ort habe ich ja mitbekommen, dass viele der Starter deutlich mehr Erfahrung in dem Bereich haben und auch perfekter ausgerüstet waren", erzählt der 37-Jährige.

Die erste Etappe über 30 Kilometer beendete Meyer nach etwas mehr als vier Stunden als 30. von 230 Männern. Am zweiten Tag, als es 55 Kilometer zu bewältigen galt, landete er auf Rang 24. Und aus dem anfänglichen Ziel, einfach nur anzukommen, wurde mehr: "Ich habe mit der Zeit immer mehr an mich geglaubt und mich wirklich gut gefühlt. Nur der dritte Tag war schwierig, weil da Ruhetag war. Das war wirklich langweilig, so mitten in der Wüste." Auf der letzten Etappe über noch einmal rund 25 Kilometer schließlich lief Daniel Meyer als 22. ins Ziel. Am Ende bedeutet seine Gesamtzeit von 14:04:11 Stunden Platz 24 in der Gesamtwertung. Damit war er zugleich bester deutscher Starter. "Ich bin mehr als stolz auf dieses Ergebnis. Das ist viel besser als alles, was ich erwartet habe", betont Meyer, der die körperlichen Strapazen nicht einmal als das größte Problem während des Wettkampfes beschreibt. Je weiter vorn man sei, umso einsamer werde es, weil sich das Feld auseinanderziehe: "Und da musst du deinen Kopf beschäftigen." Der muss schließlich hellwach sein, um die Strecke zu finden. Nur alle zehn Kilometer gibt es bei dem Rennen auf Fuerteventura einen Check-Point, dazwischen markieren kleine Fähnchen die Strecke.

Das erfolgreiche Abschneiden auf der Kanareninsel war für Daniel Meyer kein Grund, die Beine erst einmal hochzulegen und vielleicht sogar noch ein paar Tage Urlaub dranzuhängen. Ganz im Gegenteil. Der 37-Jährige flog sogar einen Tag eher zurück in die Heimat - nur um zum dritten Mal beim Berlin-Marathon zu starten: "Ich habe da eigentlich nix erwartet und bin ganz entspannt gelaufen. Im Vergleich zu Fuerteventura war es vor allem einfach nur angenehm kühl." Diese Lockerheit machte sich auch in der Zeit bemerkbar. Mit 3:16 Stunden lief Meyer die 42,195 Kilometer so schnell wie nie zuvor. Für die Zukunft hat der gebürtige Mülsener vorerst keine konkreten Wettkampfpläne. Aber Träume: "Der Mauerweglauf hier in Berlin wäre zum Beispiel was. Das ist ja aber noch mal eine ganz andere Nummer." Damit hat Daniel Meyer auf jeden Fall recht, denn das sind schließlich 160 Kilometer - am Stück.

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