Mit 13 Treffern am 13. Spieltag: Die unverhoffte Matchwinnerin

Die Zwickauer Handballerinnen haben am Samstag mit einem 35:26-Heimsieg gegen Bremen ihren Platz in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga behauptet. Dabei ragte mit Rebeka Ertl eine bisher eher unauffällige Spielerin heraus.

Zwickau.

Rebeka Ertl kann dem BSV Sachsen Zwickau auf dem Weg zu einer Spitzenplatzierung in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen nicht nur mit Toren von der Rechtsaußenposition oder bei Kontern helfen. Das hat die 25-Jährige Ungarin am Samstag vor 630 begeisterten Zuschauern eindrucksvoll in der Sporthalle Neuplanitz unter Beweis gestellt. Denn beim 35:26-Heimsieg gegen den Vorletzten SV Werder Bremen glänzte die Linkshänderin vor allem auch als sichere Siebenmeterschützin. Sieben Mal trat sie zum Strafwurf an, sieben Mal zappelte der Ball im Netz.

Und genau das war im ersten Spiel des neuen Jahres für Zwickau zunächst keine Selbstverständlichkeit. Denn dass der BSV in der Startphase überraschend erst 2:7 und später 4:9 in Rückstand lag, hatte neben fehlendem Zugriff in der Abwehr und zu überhasteten Angriffen auch mit der schlechten Siebenmeterquote zu tun. Nachdem erst Stammwerferin Jenny Choinowski und danach auch die beiden Stellvertreterinnen Katarina Pavlovic und Nadja Bolze den Ball nicht an der Bremer Torhüterin Marie Andresen vorbeigebracht hatten, schnappte sich beim vierten Strafwurf für den BSV nach 22 Minuten Rebeka Ertl den Ball und verwandelte sicher.

"Ich habe mir das zugetraut und bin froh, dass es so gut aufgegangen ist", sagte die Matchwinnerin nach dem Abpfiff, die es mit ihren sechs Treffern aus dem Spiel heraus insgesamt auf 13 Tore gegen Bremen brachte. "So eine Quote hatte ich das letzte Mal in der Jugend", erzählte sie strahlend. Zum Vergleich: In den zwölf Saisonspielen zuvor waren ihr insgesamt 23 Tore gelungen. Auch vom Bremer Wechsel auf der Torhüterposition ließ sich Rebeka Ertl bei ihren Siebenmetern nicht irritieren. Als die Gäste nach etwa 40 Minuten ihre zweite starke Phase im Spiel hatten, verwandelte sie innerhalb von vier Minuten dreimal. "Ich habe immer geguckt, was die Torhüterin macht, angetäuscht und mir dann die Lücke gesucht", erklärte sie.

Die Wahl der Nummer 55 zur Spielerin des Tages war für den Zwickauer Trainer Norman Rentsch die logische Folge. Er freute sich über den Sahnetag von Rebeka Ertl ganz besonders. "Im alten Jahr war noch Potenzial da. Wir haben vor Weihnachten mit ihr darüber gesprochen und sie ist sehr motiviert und sehr konzentriert wieder zurückgekommen aus Ungarn. Mit der Sicherheit von der Siebenmeterlinie hat sie auch der Mannschaft Sicherheit gegeben", sagte er. Nicht zuletzt deshalb stand sie als einzige Feldspielerin des BSV am Samstag die kompletten 60 Minuten auf der Platte.

Rebeka Ertl genoss die Anerkennung still und bescheiden. Sie rückte die Leistung der gesamten Mannschaft in den Mittelpunkt. "Wir hatten die ganze Woche über gut trainiert und haben nach dem klaren Rückstand Stärke gezeigt", sagte die Handballerin, die Germanistik studiert hat und momentan hospitiert, um später als Deutschlehrerin zum Beispiel für Flüchtlinge zu arbeiten. In Zwickau fühlt sie sich mit ihrem Freund sehr wohl: "Ich habe noch nie in so einem tollen Team gespielt. Und dass bei unseren Heimspielen immer die Halle voll ist, finde ich einfach fantastisch."

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