Mit Power, Paraden und Plan B: So gewann Zwickau das Topspiel

Die Zweitliga-Handballerinnen des BSV Sachsen haben beim 34:26 gegen Tabellenführer Halle einen Sahnetag erwischt. Dabei kam vor einer tollen Kulisse vieles zusammen.

Zwickau.

Der Höhenflug des BSV Sachsen Zwickau in der 2. Bundes- liga hat am Samstagabend in der rappelvollen Sporthalle Neuplanitz seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Die 800 Zuschauer erlebten beim klaren 34:26-Sieg des Tabellendritten gegen den bis dahin unbesiegten Spitzenreiter SV Union Halle-Neustadt ein kleines Handballfest. Die "Freie Presse" nennt fünf Gründe für den Erfolg:

Der Matchplan des Trainers: Die spezielle Vorbereitung auf die Fünf-zu-Eins-Abwehr des Gegners zahlte sich aus. Der Zwickauer Trainer Norman Rentsch strich unter der Woche extra den Athletiktag, um mit der Mannschaft Lösungen für die ungewohnte Deckungsvariante zu erarbeiten. Dafür rückten die Zwickauer sogar ein Stück weit vom sonst angestrebten Tempo-Handball ab. Der Plan war, mit viel Bewegung und Geduld die Lücken in der Gäste-Abwehr zu finden, um aus dem Nahwurf-Bereich zu Toren zu kommen. Dass das Vorhaben genau so auch letztlich aufging, war Verdienst der gesamten Mannschaft. "Die Mädels haben es super intelligent gemacht", lobte der Trainer. Halle stellte daher schon vor der Pause auf die normale Sechs-zu-Null-Deckung um.

Die Körpersprache des Teams: Als Lisa Felsberger in der 19. Minute mit einem Rückhand-Zuspiel an den Kreis auf Nadja Bolze die 10:7-Führung vorbereitete, staunten die Fans nicht schlecht. Die mutige Aktion der Österreicherin, die im Spielaufbau wohl ihre bisher beste Leistung im Zwickauer Trikot ablieferte, war ein tolles Beispiel dafür, mit wie viel Power und Überzeugung der BSV ins Spiel gegangen war. Im Gegensatz zu den Heimspielen zuvor brauchte das Team keine Anlaufzeit, geriet nie in Rückstand und baute den Vorsprung zwischenzeitlich sogar auf zehn Tore (30:20) aus. "Mit so einem klaren Ausgang haben wir alle nicht gerechnet", sagte Lisa Felsberger, die als Spielerin des Tages bei Zwickau ausgezeichnet wurde.

Die Nervenstärke der Kapitänin: Wenn es an der bisher starken Saison der Zwickauer Mannschaft etwas zu bemängeln gab, dann war es die Siebenmeterquote. Gegen Halle übernahm Jenny Choinowski die Verantwortung, ließ sich auch von einem Fehlversuch (10.) nicht aus der Ruhe bringen und schwang sich mit sechs verwandelten Strafwürfen und sechs Toren aus dem Spiel heraus zur erfolgreichsten Werferin auf. Auffällig: Während die bisher beste Torschützin Katarina Pavlovic nur zu Kurzeinsätzen kam und ohne Treffer blieb, ließ es neben Nadja Bolze (7) vor allem Fabienne Kracht (6) krachen, die in dieser Saison bisher viel auf der Bank saß. "Es ist megageil, wenn man in so einem wichtigen Spiel reinkommt und es so gut läuft", sagte die Linkshänderin.

Die Paraden der Torhüterin: Ela Szott brachte den Spitzenreiter beinahe zum Verzweifeln. Die wohl wichtigste ihrer allein acht Paraden in der ersten Halbzeit gelang der Zwickauer Torhüterin wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff, als sie dem BSV den Drei-Tore-Vorsprung rettete. "Wir haben im Abwehrverbund insgesamt sehr gut zueinander gefunden. Da kommt dann auch mal so eine Leistung heraus", freute sich die Studentin, für die der Sieg im Spitzenspiel zugleich ein vorzeitiges Geschenk zum 22. Geburtstag am heutigen Montag war. Mit zwei gehaltenen Würfen beim Stand von 3:3 hatte Ela Szott auch großen Anteil am guten Start. "Das war wichtig, um mit viel Vertrauen nach vorne zu spielen", sagte sie.

Die Unterstützung der Fans: Die erste La-ola-Welle schwappte bereits zehn Minuten vor Schluss beim Stand von 25:19 durch die Sporthalle Neuplanitz. Die offiziell 788 Zuschauer hatten ihr Kommen nicht bereut. "Wir wussten, dass uns die Fans tragen würden", sagte Trainer Norman Rentsch, der sich bei der Pressekonferenz nach dem Spiel im Namen der Mannschaft für die tolle Stimmung bedankte. Der BSV Sachsen untermauerte mit seiner bisher größten Heimkulisse in der laufenden Saison die Tabellenführung im Zuschauer-Ranking der Liga. Bereits am Samstag kann der Verein daheim gegen Lintfort nachlegen. Und fürs Sachsenderby am 2. Februar in Leipzig ist ein Fanbus vorgesehen.

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