Mit schnellen Kufen auf Kurs

Der Zwickauer Rennrodler Pascal Kunze und sein Trainingskamerad stehen vor ihrer bislang größten sportlichen Herausforderung. Am Mittwoch reisen sie zu den Olympischen Spielen der Jugend.

Zwickau.

Pascal Kunze vom ESV Lok Zwickau und Timon Grancagnolo von Lok Chemnitz gehören zweifelsohne zu den großen RodelTalenten in Deutschland. Auf ihren Rennschlitten duellieren sie sich seit Jahren, trainieren gemeinsam am Bundesstützpunkt in Oberwiesenthal, gehen in die gleiche Klasse, wohnen Tür an Tür im Internat und sagen, dass sie Freunde sind. Doch in wenigen Tagen werden sie zu Konkurrenten - einmal mehr. Denn jeder der Nachwuchsrodler will der Schnellste sein - und das möglichst in der weltbekannten Natureisbahn von St. Moritz, in der die Youth Olympic Games (YOG) entschieden werden.

Für die beiden Spitzensportler, die im A-Jugend-Weltcup fast immer auf einem Podestplatz einkamen, fiel die Trainingspause über die Feiertage daher kurz aus. Kein Wunder, bezeichnen doch beide die Olympischen Jugendspiele als den bisher bedeutendsten Wettkampf ihres Lebens. "Und da wollen sie bestens vorbereitet sein", betont ihr Trainer Uwe Günther. So richtig ernst wird es für die Sportler in der Schweiz am 18. und 20. Januar. Zunächst steht das Einzel an, zwei Tage später folgt die Teamstaffel.

Wer letztlich die besten Zeiten abliefert, lässt sich nicht sagen. "Mal gewinne ich, mal gewinnt Pascal", sagt Timon Grancagnolo. Trotzdem hatte sich der Chemnitzer als bester Deutscher sauber qualifiziert. In den Weltcups der Jugend A schnitt er ebenso gut ab wie schon bei den ersten Nominierungswettkämpfen im Herbst. In den jeweils zwei Wettbewerben in Innsbruck und auf der Bahn am Königssee kam er einmal als Sieger und dreimal als Zweiter ins Ziel. Auch Pascal Kunze durfte einmal ganz nach oben aufs Podest, dazu gab es zwei dritte Plätze. Das Duo vom Fichtelberg ist unaufhaltsam nach oben gestiegen, denn je nach Altersklasse geht es von verschiedenen Starthöhen los. "Das sind Unterschiede bis annähernd 300 Meter", erklärt der langaufgeschossene Chemnitzer.

Mehr als 1,90 Meter misst Grancagnolo, Kunze steht ihm nicht nach. "Je größer, desto besser für unseren Sport", sagt der 16-Jährige, der aus Cainsdorf bei Zwickau stammt. Dort hat er 2010 auf der Kunststoffbahn begonnen - bei einem Wok-Rennen, quasi als Gaudi. "Ein Verwandter hat mich mitgenommen, mir hat das dann Spaß gemacht", erzählt der Westsachse, der mittlerweile bereits dreimal deutscher Jugendmeister geworden ist. Vor viereinhalb Jahren ist er an die Sportschule nach Oberwiesenthal gewechselt und hat sich seither prächtig entwickelt.

Dennoch ist er "nur" über einen Quotenplatz ins deutsche Aufgebot für die YOG gerutscht, da einige Nationen ihr Kontingent nicht ausnutzen. Doch angesichts dessen, dass er sich vor acht Wochen einen Brustwirbel gebrochen hatte, grenzt dies trotzdem an ein kleines Wunder. Denn der Oberkörper ist speziell am Start enormen Belastungen ausgesetzt. "Ausgerechnet auf der Trainingsbahn in Altenberg habe ich einen Fehler im Kreisel gemacht. Die Bahn war viel schneller als kurz vorher, das hatte ich unterschätzt und bin gestürzt. Letztlich ist alles glimpflich abgelaufen und die Fraktur schnell geheilt", so der 16-Jährige, der seine Freizeit gern mit Freunden und mit Spielen verbringt.

Ähnlich gestrickt ist sein Kollege, der die bislang höchste Geschwindigkeit übrigens in St. Moritz erzielt hat. "Im dortigen Eiskanal bin ich auf 138 Sachen gekommen", erzählte Timon Grancagnolo. Seit 2014 lernt er in Oberwiesenthal im Sportgymnasium. "In unserer Klasse haben sich von 23 Schülern nur wir zwei dem Rodeln verschrieben", erzählt er. Wie für die Athleten anderer Disziplinen ist Leistungssport ein Vollzeitprogramm. "Der Unterricht beginnt kurz nach sieben Uhr und umfasst sieben bis zehn Stunden. Ab 14Uhr ist Training angesagt", so der Chemnitzer. Da bleibt nicht viel Freizeit, zumal es in Oberwiesenthal keine Rodelbahn gibt und meist in Altenberg geübt wird.


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