Mit Übersteuern zum Erfolg

Eigentlich ist der Lichtensteiner René Scherübl inmitten von Rennmotorrädern aufgewachsen. Inzwischen hat der 37-Jährige aber das Driften für sich entdeckt - und wurde unlängst Vizemeister einer tschechischen Serie.

Lichtenstein.

Aufgewachsen mit dem einstigen kleinen Privatmuseum "Die schnellsten Zweitakter der Welt" seines Vaters Gunter in der Lichtensteiner Kreuzleithe, war der Schritt zum Motorradsport für René Scherübl ein eher kleiner. Auch er begann mit dem Mini-Bike-Sport und wurde 1998 in der Schüler-Klasse Deutscher Meister.

Mit nur 21 Jahren machte er sich mit seiner Firma RS-Design selbstständig und lässt seitdem Motorräder und Autos per Folierung in einem nach Kundenwunsch individuellen Gewand erscheinen. "Dem Motorradsport bin ich bis 2013 bei Hobby-Rennen verbunden geblieben", erklärt er. Nicht nur von Berufs wegen habe er sich aber immer für Autos interessiert. Sein Favorit ist ein Toyota Supra. "Irgendwann kaufte ich mir einen und begann ihn zu verschönern. Mit ihm habe ich zum Beispiel 2014 die komplette DTM-Classic bestritten", sagt Scherübl.

Vom klassischen Motorsport wechselte er dann zum Driften. Bei dieser Fahrtechnik wird das Auto bewusst zum Übersteuern gebracht. Die Hinterräder geraten ins Rutschen, das Fahrzeugheck bricht aus - und der Fahrer muss trotzdem die Kontrolle behalten. "Als ich einmal bei einer Driftveranstaltung war, habe ich daran sofort Gefallen gefunden. Es ist spektakulär und die Szene ist im Kommen. Ich habe dann am Sachsenring an Drift-Trainings teilgenommen und mir alles Weitere im 'learning by doing' selbst beigebracht", sagt Scherübl.

Da in Deutschland eine Jury das Driften ähnlich dem Eiskunstlauf auch nach dem Fahrstil bewertet, suchte Scherübl den klaren sportlichen Wettstreit und wurde in Tschechien fündig. "Dort, wie überhaupt in Osteuropa, ist die Szene viel weiter als bei uns. Es gibt eine populäre Meisterschaft mit sechs Veranstaltungen, bei denen es um die gefahrene Zeit geht. Das lässt keinen Spielraum für Interpretationen", sagt er.

Auf Parkplätzen vor Einkaufszentren, auf Flugplätzen oder auf Rennstrecken werden Kurse errichtet und die gefahrenen Zeiten gestoppt. Strafen gibt es für nichtdriften oder das Berühren der Fahrbahnbegrenzung. Neben dem Einzelkampf gegen die Uhr, gibt es auch Parallelkurse, wie sie vom alpinen Skisport bekannt sind.

2017 bestritt René Scherübl sein erstes Rennen in Tschechien. Im vorigen Jahr stieg er in die mittlere Kategorie "Semi-Pro" ein und wurde Dritter. Daraufhin ging es für ihn in diesem Jahr in der Top-Klasse "Pro" weiter, in der er einmal gewann und bei den anderen Läufen zumindest auf dem Podest stand. Damit wurde er punktgleich mit dem Krösus der tschechischen Szene Vizemeister. "Ich habe schon im Vorjahr die Zeiten verglichen und wollte unter die Top 3. Aber dass ich punktgleich, und zudem im leistungsmäßig unterlegenen Auto, Gesamtzweiter werden konnte, erfüllt mich mit Stolz", sagt Scherübl. Auf seinen Lorbeeren will er sich aber nicht ausruhen, wie er erklärt: "Im nächsten Jahr wird wieder angegriffen."

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