Nachbau ist Reverenz an tödlich verunglückten Sportler

Günter Herbst hält als Letzter der Region die Fahne des traditionsreichen Motorbootrennsports hoch. Allerdings startet der Marienthaler nur noch bei Classic-Rennen.

Zwickau.

Günter Herbst befindet sich in der komfortablen Situation, dass er sein sportliches Hobby im Liegen ausüben kann. Er ist dabei auch noch ziemlich flott unterwegs. Der 60-jährige Marienthaler ist der einzige noch aktiv fahrende Motorbootrennpilot aus der Region.

"Das mit den Rennen muss man natürlich relativ sehen. Wir gehen mit mindestens 20 Jahre alten Booten an den Start von Einladungsrennen der Classic-Szene. Bei denen stehen - genau wie bei Oldtimerrennen auf der Straße - ganz klar der Showeffekt und der Spaß an der Sache im Vordergrund", macht er deutlich. Seine "scharfe" Rennfahrerzeit währte nicht allzu lange. Ihren Anfang nahm sie 1986 bei der Abteilung Motorbootrennsport von Lok Zwickau und endete 1992 mit der Auflösung der Sektion. "So einfach einen Schlussstrich haben wir natürlich nicht gezogen, denn es ist schon ein faszinierender Sport. Du liegst in dem Boot und jagst auf der Geraden schon mal mit 180 Sachen über die Wasseroberfläche. Bei Rundrennen kommt man auch noch auf gut 130 Stundenkilometer", schwärmt Günter Herbst. Und das ohne festgegurtet zu sein. Halt bieten lediglich das Lenkrad und der Gashebel. Kommt dabei Angst auf? "Nein. Angst darf man nicht haben, die führt zu Unsicherheit. Aber eine gehörige Portion Respekt vor der Geschwindigkeit ist ganz wichtig."

Nach einer mehr als 20-jährigen Rennpause zog es den Marienthaler vor etwa drei Jahren wieder aufs Wasser. "Ein ehemaliger Rennfahrer hat mich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, wieder anzufangen und bei den Classic-Booten zu starten. Dabei gilt die Festlegung, dass der Bootskörper oder der Motor mindestens 20 Jahre alt sein müssen", erklärt er. Ein Motor war für ihn kein Problem, der lagerte noch in seiner Garage. Die 96 PS der 500-Kubikmaschine musste lediglich wieder flott gemacht werden. Bei dem Boot handelt es ich um einen originalgetreuen Nachbau, mit dem der 1994 tödlich verunglückte Gerhard Neubacher aus Österreich einst übers Wasser düste. Ihm zu Ehren hat Günter Herbst das Boot wieder hergerichtet. Der noch vorhandene Bootskörper musste allerdings aufgearbeitet und in diesem Jahr in einer Berliner Werft auf den neuesten Stand gebracht werden. "Ich hoffe, es hält noch fünf Jahre durch. So lange möchte ich diese schöne Sportart noch betreiben. Aber man steckt eben nicht in so einem alten Boot drin. Da kann sich schnell mal eine Verbindung lösen oder das nun doch schon etwas betagte Material dem Zahn der Zeit Tribut zollen."

Pro Jahr nimmt Günter Herbst an sieben bis acht Classic-Veranstaltungen teil. Sein großer Vorteil: Der Bootsmotor ist mit Schalldämpfern ausgerüstet. Das ermöglicht dem Marienthaler auch Rennen zu fahren, bei denen es Lärmschutzauflagen gibt. "Der Motorenlärm ist unser größtes Problem. Dadurch gibt es in Deutschland nur noch wenige Veranstaltungsorte, wo wir unseren Sport ausüben können. Und der ist durchaus publikumswirksam. Zu einem Classic-Rennen kommen schon mal zwischen acht- und zehntausend Zuschauern", sagt er. Freuen würde sich Günter Herbst, wenn sich auch ein paar mehr Zwickauer so ein Oldtimer-Bootsrennen anschauen würden. Beispielsweise am 15./16. September auf der Talsperre Kriebstein, nur gut eine Fahrstunde von der Muldestadt entfernt.

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