Nico Grünneker hat noch eine Rechnung in Winterberg offen

Ein Sturz beendete 2011 die Karriere des Zwickauer Rennrodlers. Sein damaliger Doppelpartner ist jetzt erfolgreicher Bobpilot, doch auch der vierfache Junioren-Weltmeister ist dem Sport treu geblieben - auf mehrfache Art.

Zwickau.

Gedanklich ist Nico Grünneker immer noch auf den Rennschlitten- und Bobbahnen von Nagano, Lake Placid über Innsbruck, Winterberg, Königssee bis Sigulda und natürlich auf dem heimischen Eisoval in Altenberg zuhause, obwohl er schon vor einigen Jahren seine Laufbahn als Leistungssportler auf bittere Art und Weise beenden musste.

So fiebert der 28-Jährige heute zum Beispiel besonders mit seiner ehemaligen Vereinskameradin vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal, Rennrodlerin Julia Taubitz (Annaberg-Buchholz), und natürlich den anderen Deutschen mit. Doch das besondere Interesse gilt seinem damaligen Doppelpartner Nico Walther, der eine international erfolgreiche Karriere als Bobpilot im Zweier und Vierer eingeschlagen hat.

Mit dem gebürtigen Freitaler Walther holte der Westsachse im Junioren-Bereich inklusive Teamstaffel viermal WM-Gold (Nagano 2009, Innsbruck 2010) und gewann zweimal den Gesamt-Weltcup. Der damalige "Rucksack" sagt: "Wenn Nico mit dem Bobsport aufhören und mich fragen würde, wäre ich sofort wieder dabei. Schließlich haben wir beide noch eine Rechnung mit dem Doppelsitzer offen. So sollte und darf man eigentlich nicht abtreten."

Gemeint ist damit das endgültige Ende im Rennrodeln nach einem folgenschweren Trainingssturz auf der Bahn in Winterberg 2011. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte das Duo um den Anschluss an die Weltspitze im Männerbereich. "Bei unserem Abgang in Kurve 13/14 habe ich mir die Hand gebrochen. Es war eine komplizierte Fraktur, die Heilung hat ewig gedauert", erinnert sich Grünneker. Sechs Wochen lang musste er Gips tragen, die Nominierungsrennen fielen damit aus. "Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass unsere Startleistungen irgendwie stagniert waren."

Natürlich war die Enttäuschung groß, als dem Sachsen-Duo vom nationalen Verband dann der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde. "Es war plötzlich vorbei", meint Nico Grünneker, der sich fortan im Skeleton ausprobierte, während sein Namensvetter im Bobsport durchstartete. Allerdings erreichte er bäuchlings auf dem Schlitten nicht das notwendige internationale Niveau, kam mit neuem Sportgerät und dem Eis nicht wie erhofft zurecht.

Also hieß es, sich beruflich neu zu orientieren. Er konnte aber bei der Bundespolizei in Bad Endorf (Oberbayern) bleiben. "Es war für mich quasi ein Auffangbecken. Es war ideal und fühlte sich an wie ein Sechser im Lotto." Nach mehreren Lehrgängen und Praktika während einer Übergangszeit wurde Nico Grünneker Polizeivollzugsbeamter. Vor fast fünf Jahren fand er mit seiner Freundin Virginia aus Hammerunterwiesenthal im Leipziger Stadtteil Gohlis einen neuen Lebensmittelpunkt. Gemeinsam wollen sie von dort aus die Welt entdecken.

Dem Sport ist Nico Grünneker in doppelter Hinsicht treu geblieben. Wann immer es geht, ist er auf dem Fahrrad unterwegs. Wie zum Beispiel bei der Vier-Hübel-Tour mit Start und Ziel am langjährigen Trainingsort Oberwiesenthal oder auch dem Weg zur Arbeit. Auch rein beruflich muss er topfit sein. Denn da begleitet Nico Grünneker als Bundespolizist zum Beispiel Fußballfans vom FSV aus seiner Heimatstadt Zwickau, von RB, Lok oder Sachsen Leipzig. "Im Grunde genommen sind es alle Ostvereine, vor allem aber aus der Regional- oder der dritten Liga." Körperlich ist Nico Grünneker also in bester Verfassung. Nun fehlt nur noch ein Anruf von seinem ehemaligen Doppelpartner Nico Walther. Denn wie gesagt, noch haben beide eine Rechnung mit dem Rennrodeln offen.

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