Ohne Furcht zum Tabellenführer

Der FSV Zwickau spürt die Nachwirkungen der 0:2-Niederlage gegen Lotte noch immer. Die Abstiegsränge sind nah und der Kapitän fällt aus - die Blicke sind dennoch nur nach vorn gerichtet.

Zwickau.

Nach der 0:2-Heimniederlage gegen die Sportfreunde Lotte verspricht die Konstellation in der 3. Fußball-Bundesliga weiterhin große, aber ungewollte Spannung für den FSVZwickau. Der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz beträgt nur drei Punkte, als zusätzlichen Puffer haben die Westsachsen die Tordifferenz auf ihrer Seite. Mit 29:29 Treffern ist diese beim FSV ausgeglichen, während die vier Mannschaften auf den Abstiegsplätzen minus 12 (Cottbus und Aalen) beziehungsweise minus 13 (Braunschweig und Jena) aufweisen.

"Die Situation ist für uns unverändert. Durch die Niederlage ist es noch etwas enger geworden, aber wir haben uns schon zuvor nicht im sicheren Fahrwasser bewegt", sagt FSV-Kapitän Toni Wachsmuth. Auch deshalb hofft der Abwehrchef auf einen Zähler im kommenden Duell am Samstag beim Spitzenreiter VfL Osnabrück. Wachsmuth selbst wird dem Team dabei nicht helfen können. Für das Foul, dass zum Freistoß vor dem 0:2 gegen Lotte führte, sah der Kapitän die fünfte gelbe Karte im Saisonverlauf. "Wenn man als Abwehrspieler wochenlang auf vier Gelben sitzt, musste die fünfte irgendwann kommen. Mir blieb in dieser Situation gar nichts anderes übrig, als ein Foul zu machen. Der Ball musste schon vorher geklärt werden", so Wachsmuth.

Aber nicht nur in der Defensive müssen durch den Ausfall Antworten gefunden werden. Auch die Frage, wie viel Offensivpersonal eine Elf verträgt, stellt sich mit Blick auf das 3-4-3-System von FSV-Trainer Joe Enochs. Mit Tarsis Bonga, Ronny König und Lion Lauberbach liefen zuletzt drei nominelle Spitzen auf. Bonga und Lauberbach standen sich gegen Lotte zweimal direkt im Weg. Die Abstimmung habe in der einen oder anderen Situation gefehlt, räumte Bonga ein, "aber wir haben alles gegeben und versucht, den Ball ins Tor zu bringen". Das letzte Quäntchen Glück sei nicht vorhanden gewesen. "Die Chancen waren da. Wenn ich mit dem Kopf das 1:0 mache, nimmt das Spiel einen anderen Verlauf", so Bonga, der sich mit seinen beiden Sturmpartnern an der engmaschigen Lotte-Abwehr die Zähne ausbiss.

Die Gäste standen eng am Mann, bekämpften den Ballführenden mit Haken und Ösen und nutzten dabei die großzügige Spielleitung von Schiedsrichter Patrick Hanslbauer (Altenberg/Bayern) aus. Speziell König wurde 94 Minuten lang gehalten, gezerrt und gedrückt. "Da hätte der Schiedsrichter schon manchmal pfeifen können", so Bonga.

Ein falscher Pfiff leitete schließlich das 0:1 ein. Was die Zuschauer vor Ort im Stadion kaum sehen konnten, belegten später die Fernsehbilder. Dem Freistoß, der die Gäste in Führung brachte, war kein Foul von Julius Reinhardt vorausgegangen. Lotte-Wirbelwind Toni Jovic hatte eine leichte Berührung Reinhardts dankend angenommen und war spektakulär gefallen. Die Westfalen verstanden ihr Handwerk bei Standards bestens und stellten den Spielverlauf auf den Kopf, als ausgerechnet der vom FC Erzgebirge Aue ausgeliehene Sascha Härtel per Freistoß die Zwickauer Pleite einleitete.

Bonga hatte nach dem 0:2 den Blick aber sofort nach vorn gerichtet: "Wir müssen immer weitermachen, jeden Tag hart arbeiten und in den Spielen richtig Gas geben." Vor dem VfLOsnabrück, dem Ex-Klub seines Trainers, hat der 1,96 Meter große Sturmhüne keine Angst: "In dieser engen Liga gibt es keine großen Unterschiede. Wir fahren mit Respekt zum Ersten, fürchten uns aber nicht. An einem guten Tag können wir auch Osnabrück schlagen."

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