Rollers beißen Zähne zusammen

Die Situation für Zwickaus Rollstuhlbasketballer ist derzeit nicht einfach. Ein Aufbäumen am Samstag fand auf dem Parkett ein jähes Ende. Abseits des Feldes stehen wichtige Entscheidungen bevor.

Zwickau.

Sie hatten gewarnt vor den großen Spielern der Rhine River Rhinos aus Wiesbaden. Und vor allem Matthias Güntner (21 Punkte) und André Hopp (28) waren von den Rollstuhlbasketballern der BSC Rollers Zwickau beim Erstligaspiel am Samstag kaum zu bändigen. Doch den stärksten Wirkungstreffer landeten die Gäste bei ihrem 78:42-Sieg in der Sporthalle Mosel vor 100 Zuschauern von der Dreierlinie. "Das sind genau diese Momente im Basketball, die Spiele entscheiden", sagt BSC-Trainer Marco Förster.

Zuvor verkürzte Benjamin Kenyon 30 Sekunden vor der Halbzeit mit einem schönen Korb bei auslaufender Wurfuhr auf 22:31 - und brachte den Zwickauern damit neuen Mut. Zu Beginn des dritten Viertel zeigten die Gastgeber ihre beste Phase und schnupperten am Ausgleich. Doch der verwandelte Dreier von Maurice Amacher Mitte des Durchgangs stoppte die Aufholjagd abrupt. Nach einem Ballverlust der Zwickauer legten die Wiesbadener zwei einfache Punkte zur 40:30-Führung nach und zogen dem BSC damit endgültig den Zahn. Bei den Rollers klappte danach nur wenig, während bei den Rhinos fast alles funktionierte.

Und so entwickelte sich die Partie zu einem traurigen Abschiedsspiel für Mazvydas Butkevicius. Der zu Saisonbeginn verpflichtete Litauer muss die Rollers wieder verlassen. "Es tut richtig weh, dass die Situation so entstanden ist. Das hat niemand gewollt", sagt Förster. Sportlich hätte er Butkevicius gern im Kader behalten. "Das hat rein finanzielle Gründe", so der Coach, der hofft, dass der Litauer schnell ein neues Team findet. Mees Hessels, dessen Abgang vergangene Woche vermeldet wurde, hat sich dem Ligarivalen München Iguanas angeschlossen.

Damit stehen Förster nach dem im November gestellten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nur noch acht Spieler zur Verfügung. Dazu gehört der 15-jährige Maximilian Chagger aus der zweiten Mannschaft. "Er ist aber noch Schüler und kann daher vor allem auswärts nicht jedes Spiel mitmachen", erklärt Förster. Auch am Samstag war das Talent genauso wie André Weiland nicht mit an Bord.

Dem Trainer sind somit taktisch vermehrt die Hände gebunden. Auch konditionell wird sein Team in der Schlussphase der Spiele Nachteile haben. Beklagen will sich Förster allerdings nicht, sondern das Beste aus den Umständen herausholen: "Mit 'was wäre wenn' beschäftige ich mich nicht. Wir nehmen die Situation so, wie sie ist." Wenn der Verein im nächsten Spieljahr in der 2. Liga starten will, muss er auf dem Feld die Zähne zusammenbeißen und die Erstligasaison durchziehen. In der Tabelle sind die Rollers Vorletzter. Doch auch beim sportlichen Klassenerhalt würde sich der Verein aus der 1. Liga zurückziehen. "Respekt, wie die Mannschaft mit der Situation umgeht und weiter kämpft", sagt Förster, der mit dem BSC am Sonntag bei den Roller Bulls Ostbelgien in St. Vith antritt.

Der Wille des Teams war am Samstag ebenso wie beim nimmermüden Publikum der Zwickauer spürbar. Positive Nachrichten gab es abseits des Feldes. "Wir haben Zusagen von Sponsoren. Den Spielbetrieb bis Saisonende können wir aufrecht erhalten", sagt Vereinspräsident Jürgen Wicka. Das Insolvenzverfahren als solches ist noch nicht eröffnet. Derzeit liegt der Antrag der Rollers bei einem vom Gericht bestellten Gutachter. Die Zusammenarbeit mit dem Gutachter Matthias Lechleitner funktioniere sehr gut, berichtet der Trainer: "Jetzt fehlt nur noch eine finale Entscheidung, dann kann das Verfahren starten."

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