Schäkern mit der Schiedsrichterin?

In der abgelaufenen Saison erhielt sie die Bestnoten aller Unparteiischen in der 2. Liga. Trotzdem hat man ihr die Berufung in die Bundesliga verwehrt.

Zwickau.

Was mag er da wohl gerade Lustiges erzählen? werden sich aufmerksame Beobachter am Donnerstagabend im Stadion gefragt haben. Zehn Minuten vor Beginn des Drittliga-Ostderbys zwischen dem FSV Zwickau und dem 1. FC Magdeburg sah man den Mannschaftsleiter des Gastgebers auf dem Rasen mit der Schiedsrichterin schäkern.

"Das stimmt", versuchte der Ertappte gar nicht erst zu leugnen. Wollte er Bibiana Steinhaus zur Sandmännchen-Zeit etwa ein wenig verbalen Sand in die Augen streuen? Nein. Das Thema der Unterhaltung war profaner Natur. "Ich hab bloß gefragt, wann wir in der Mixed-Zone sein müssen", verrät Mario Kallisch. "Es gibt ja festgelegte Zeitpläne. Und da musste halt pünktlich dastehen. Die pfeifen ja nicht mehr, wie das früher war." Ob fünf vor um reicht, wollte er wissen. Schmunzelnd entgegnete die 37-Jährige, sie hätte das Team lieber schon 18.54 Uhr da. "Die ist ganz in Ordnung", stellte Kallisch nach dem kurzen Plausch fest.

Es war nicht ihr erster Besuch in der Muldestadt. Erst im Frühjahr weilte Steinhaus als Gastrednerin zum Jubiläum der Firma Siebenwurst in Zwickau. Während der hart umkämpften 90 Minuten vorgestern Abend zeigte die Fifa-Schiedsrichterin, die bei der Frauen-WM in Deutschland 2011 das Endspiel zwischen Japan und den USA geleitet hat, eine souveräne Leistung. Auch wenn manche Entscheidungen logischerweise nicht nach dem Geschmack der FSV-Fans waren. Die Kommissarin der niedersächsischen Polizei, die dem MTV Engelbostel- Schulenburg angehört, pfiff konsequent. So gab es auch Gelb, als ein Magdeburger einen Freistoß für die Hausherren um ein paar Meter zurückverlegen wollte. Nett anzuschauen war, wie Steinhaus in der 61. Minute erst dem am Boden hockenden René Lange aufhalf, bevor sie ihn verwarnte. "Ich fand das richtig gut, auch von der Regelauslegung her - mit Laufenlassen im Vorteilsfall oder später zurückpfeifen", meinte Mario Kallisch, der nach dem Spiel gleich auf Schicht zu VW nach Mosel eilte. Und der Elfmeter? "Ich denke, man kann ihn geben."

Im morgigen Sachsenpokalspiel beim Reichenbacher FC (15 Uhr) bekommt es der FSV wieder mit männlichen Referees zu tun. Es pfeift Jens Klemm vom FV Gröditz.

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