Sportgymnasiast entscheidet sich für Doppelstart

Das hat schon Tradition: Mehr als 200 Judoka von 27 Vereinen aus fünf Bundesländern haben im Koberbachcentrum um den Lok-Pokal und zum 27. Mal um den Sparkassen-Cup des JSV Werdau gekämpft.

Richard Eisel vom JSV Werdau (rechts) kämpfte sowohl bei den Männern als auch in seiner Altersklasse U 18, wo er im Finale auf seinen Kumpel Bernhard Berg vom Chemnitzer PSV traf.
Sportgymnasiast entscheidet sich für Doppelstart

Von Thomas Michel

Am Ende fehlte Richard Eisel vom gastgebenden JSV Werdau sichtlich die nötige Kraft. Immerhin startete der 17-Jährige zum Traditionsturnier seines Vereins im Langenhessener Koberbachcentrum in zwei Altersklassen, sodass er am Ende des Tages statt vier die doppelte Anzahl Kämpfe in sein Wettkampfbuch schreiben konnte.

"Mein Trainer in Leipzig hat mir den Doppelstart nahegelegt, und ich habe sowohl für die Männer als auch für die U-18-Kategorie gemeldet", sagte Richard Eisel, der am Sportgymnasium in Leipzig lernt und trainiert. Für die Werdauer war er ein heißer Kandidat auf mindestens einen Einzelsieg. "Ich habe mir im dritten Kampf des Tages das Knie verdreht und musste etwas vorsichtiger zur Sache gehen", sagte Eisel, für den die beiden 2. Plätze nicht das erwünschte Ergebnis waren.

Zumal der Werdauer im Finale der Altersklasse U 18 seinem Kumpel Bernhard Berg vom Chemnitzer PSV gegenüberstand. Die Zuschauer sahen zunächst einen spannenden Kampf, der allerdings vorzeitig entschieden sein sollte. Richard Eisel setzte einen "Ura Nake" an, konnte die Technik aber nicht vollenden. Das nutzte sein Gegner aus Chemnitz konsequent aus und gewann das Duell. "Gegen einen Freund und Trainingskollegen zu kämpfen, ist immer schwierig. Dieses Mal konnte ich von einem Fehler Richards profitieren", sagte Bernhard Berg, der sich inzwischen aus dem Leipziger Sportgymnasium verabschiedet hat und Judo nur noch als Freizeitbeschäftigung sehen will.

Die Gastgeber aus Werdau waren beim Turnier insgesamt mit 14 Judoka am Start und mussten sich am Ende in den Mannschaftswertungen mit Platz 10 im Lok-Pokal beziehungsweise Rang 7 im Sparkassen-Cup zufrieden geben. Die Siegerpokale nahm in beiden Wertungen die Mannschaft des JC Ippon Rodewisch mit nach Hause. "Es war trotzdem insgesamt ein gutes Turnier", meinte Heiko Köcher vom JSV. Unter den 202 Sportlern von 27 Vereinen aus fünf Bundesländern waren übrigens so viele Bayern wie noch nie.

Jeweils Dritter wurden die Judoka des JC Crimmitschau. Die Pleißestädter schickten in Langenhessen insgesamt 18 Aktive auf die Tatami und holten vier Einzelsiege. Mohammed Zarifi (U 11/29 kg), Armir Achari Nazari (U 13/28 kg), Paul Kiessling (U 18/55 kg) und Ibragim Zupraev (U 18/60 kg) konnten sich die Goldmedaillen umhängen lassen. "Für unsere Jungs war die Veranstaltung in Langenhessen eine gute Vorbereitung auf unseren eigenen Wettkampf am kommenden Wochenende", meinte Anett Reifert vom Crimmitschauer Verein, der bei den Männern durch Routinier Manfred Stürz in der Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm einen 2. Platz holte.

"Das Turnier war für mich ein ordentlicher Abschied als Vereinsvorsitzender"

Rolf Müller erlebte das Judoturnier des JSV Werdau zum letzten Mal als Vereinsvorsitzender. Thomas Michel hat sich mit dem 77-Jährigen unterhalten.

Freie Presse: Für die Werdauer Judoka gab es in der Gesamtwertung nichts zu holen. Wie fällt das Fazit aus Ihrer Sicht aus?

Rolf Müller: "Es war auf jeden Fall ein sehr gutes Turnier, das unser Verein von der Organisation her bestens über die Bühne gebracht hat. In vielen der Kämpfe gab es Ippon-Wertungen, sodass das Programm trotz der über 200 Teilnehmer relativ zügig vonstatten ging. Auch wenn unsere Aktiven unter dem Strich keine Siege landen konnten, war es für mich ein ordentlicher Abschied als Vereinsvorsitzender."

Zur anstehenden Vorstandswahl am 28. September wollen Sie also nicht noch einmal antreten?

"Ich denke, 37 Jahre an der Spitze des Vereins sind genug. Mit 77 Jahren will ich für die jungen Leute Platz machen. Das gilt im Vereinsvorstand allerdings nicht nur für mich allein."

Gibt es denn schon einen potenziellen Nachfolger für Sie?

"Ja, wir haben in den letzten Monaten einen engagierten jungen Mann für diesen Posten mehr oder weniger aufgebaut. Er hat durch seine Kinder schon viele Jahre Verbindung zu unserem Verein und hat sich auch bereiterklärt, meinen Posten zu übernehmen. Den Namen meines Nachfolgers will ich aber vor der Wahl noch nicht verraten."

Werden Sie sich nach der Vorstandswahl komplett vom JSV Werdau zurückziehen?

"Nein, auf keinen Fall. Ich werde im Verein noch ein bisschen mitmachen. Zunächst will ich meinen Posten ordentlich an meinen Nachfolger übergeben und - wenn es gewünscht wird - auch noch einige Zeit parallel zu ihm arbeiten. Wenn man für einen sehr gut funktionierenden Verein so lange gearbeitet hat, kann man nicht von heute auf morgen loslassen."

Mit anderen Worten: Sie bereuen die Zeit als Vereinschef nicht?

"Nein. Wenn es anders gewesen wäre und beispielsweise mein Vorstand nicht an einem Strang gezogen hätte, wäre ich vielleicht schon lange weg."

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