Thurmer Kreativität lockt auch WM-Teilnehmer an

Mit einem Novum untermauerte der MSC am Wochenende seinen ausgezeichneten Ruf in der deutschen Motocross-Landschaft. Ein Lokalmatador rang der aktuellen Situation auch etwas Positives ab.

Thurm/Waldsachsen.

Viel geht wegen der Corona-Krise auch in Sachen Motocross derzeit nicht. Um den Aktiven vom Hobby-Fahrer bis hin zum Profi einen Anreiz zu schaffen, auf der Motocross-Arena "An der Lindenallee" unter Wettkampfbedingungen zu trainieren, wurde Jörg Fiedler vor wenigen Wochen kreativ. Der 1. Vorsitzende des MSC Thurm erfand kurzerhand das "Traicing". Hierbei handelte es sich um eine rennähnliche Veranstaltung mit der frei erfundenen Wortkombination von Training und Racing. Nur "Traicing" deshalb, weil richtige Rennen derzeit kaum realisierbar sind.

"Das Ganze war im Prinzip meine Idee. Die Zeit dafür war jetzt günstig, dieses Format einmal auszuprobieren", erklärt Jörg Fiedler. Und weiter: "Um keinen Ärger zu bekommen, sind wir mit dieser Veranstaltungsform bewusst im lizenzfreien Bereich geblieben. Wir wollten ein Training für alle Klassen unter vergleichbaren Bedingungen machen und trotzdem der Sache einen gewissen Renncharakter verleihen. Den Teilnehmern, und nicht zuletzt unseren vielen Clubfahrern, wollten wir einen sportlichen Anreiz bieten. Wir haben das Konzept dann noch ein bisschen ausgefeilt, denn es sollte kein stupides Training sein. Jeder hat bisher irgendwo für sich trainiert und keiner wusste, wie schnell er wirklich ist."

Schlussendlich organisierte der MSC Thurm am Wochenende zwei fast vollwertige Renntage mit einer bestens präparierten Strecke, Zeitnahme, Qualifyings, Starttrainings und sogar zwei Test-Massenstarts pro Klasse. Einzig auf richtige Rennen verzichteten die Thurmer. Stattdessen schickten sie die Starter gruppenweise zum Einzelzeitfahren über mehrere zusammenhängende Runden auf die Strecke. Anhand der Gesamtfahrzeiten ermittelte der MSC anschließend sogar eine Wertung.

In der Top-Klasse MX1/MX2 Pro mischte unter anderen Tom Koch mit, der sonst im ADAC MX Masters sowie in der Motocross-Weltmeisterschaft unterwegs ist. Der 22-jährige Thüringer gewann das Rennen, welches keines war, und fand danach ausschließlich lobende Worte für den Veranstalter.

In ähnliche sportliche Sphären wie Tom Koch würde gern auch Lukas Fiedler, der Sohn des Clubchefs, einmal aufsteigen. Aufgestiegen ist er zumindest insofern, weil der 16-Jährige aus Waldsachsen Ende der vergangenen Saison von einer 125-ccm-Zweitakt- auf eine 250-ccm-Viertaktmaschine umgestiegen ist und den ADAC MX Youngster Cup sowie die MX2-DM bestreiten wollte. "Das wäre in diesem Jahr sicherlich sehr hart geworden, doch durch die Rennpause habe ich sogar noch mehr Zeit, mich an das größere und schwerere Bike zu gewöhnen.", rang Lukas Fiedler der momentanen Situation etwas Positives ab. Einschränkend fügte er jedoch hinzu: "Als Racer will man sich natürlich immer messen und Rennen sind ja im Endeffekt das, was einen weiterbringt."

Die entstandene freie Zeit nutzte Lukas Fiedler auch zur körperlichen Vorbereitung. Denn muskelmäßig muss der Motocrosser für die große 250er-Maschine noch etwas zulegen, dessen ist er sich bewusst. Daher ärgerte sich der Gymnasiast auch nicht sonderlich über die vielen schulfreien Tage. "Das hat schon gepasst", meint er dazu nichtssagend vielsagend.

Für das erste Oktober-Wochenende hatte der MSC Thurm wieder einen Lauf zur Deutschen Meisterschaft geplant, doch ist dieser Termin inzwischen kaum zu halten, wie MSC-Clubchef Jörg Fiedler erklärt: "Das wird sehr schwierig. Die Zuschauereinnahmen würden bei einem teuren Prädikatslauf definitiv fehlen und wären nicht zu kompensieren."

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