Trotz Absage: Marathon-Paar läuft weiter

Anett und Jörg Poller vom SV Vorwärts Zwickau müssen nach ihrer zehnwöchigen Vorbereitung auf den Hannover-Marathon umplanen. Der Blick geht dabei schon ins neue Jahr.

Zwickau.

Wirklich überraschend kam die Absage des für Ende April geplanten Hannover-Marathons in dieser Woche für Anett und Jörg Poller nicht. "Es war abzusehen, dass der Lauf in der jetzigen Situation um das Coronavirus nicht stattfinden wird. Die Enttäuschung hält sich deshalb in Grenzen", sagt der 52-jährige Bäcker aus Wilkau-Haßlau, der sich mit seiner Frau seit Ende Dezember zielstrebig auf das Rennen vorbereitet hatte.

Um die sechs Stunden waren die Pollers pro Woche auf Achse und haben Hunderte Kilometer auf dem Muldendamm in Richtung Crossen und Mosel abgespult. "Die Absage ist schade, weil Hannover in diesem Jahr unser Wettkampf-Highlight sein sollte. Aber die Erde dreht sich auch ohne das Rennen weiter. Es gibt im Moment Wichtigeres", sagt Anett Poller. Die 47-jährige Krankenschwester gibt dennoch zu: "Für den Moment fehlt einem der letzte Tick an Motivation." Dennoch steht für sie außer Frage, dass weiter trainiert wird.

Die Absage wird dennoch eine Lücke in die Laufstatistik des sportlichen Pärchens reißen. Denn in den vergangenen fünf Jahren haben die für den SV Vorwärts Zwickau startenden Sportler immer einen Lauf über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern gemeinsam in Angriff genommen. Anett Poller war dabei zu Beginn ein ganzes Stück schneller als ihr Mann und legte beim Oberelbemarathon in 3:26 Stunden eine glänzende Premiere hin. Im Vorjahr liefen die beiden nach 3:54 Stunden Hand in Hand beim Gutenberg-Marathon in Mainz ins Ziel. "Da waren wir sehr zufrieden mit uns", sagt Jörg Poller.

Für das Ehepaar ist das regelmäßige Laufen und Sporttreiben längst nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. "Das Training tut uns einfach gut und steigert das Wohlbefinden", erzählt Jörg Poller. Den Starts bei Marathonläufen wie in Prag (2018) oder am Bodensee (2017), als insgesamt acht Läufer des SV Vorwärts dabei waren, kommt dabei aus seiner Sicht eine besondere Rolle zu. "Dieser Moment, wenn man über die Ziellinie läuft und sich die lange Vorbereitung gelohnt hat, das ist einfach unbeschreiblich", schwärmt er. "Deshalb wird es Ende April ein komisches Gefühl sein, wenn man weiß, heute wäre der Wettkampf gewesen", ergänzt seine Frau.

Doch gehadert wird nicht. Schließlich wollen die Pollers so lange wie möglich jedes Jahr einen Marathon laufen und dabei auch so lange wie möglich unter der magischen Vier-Stunden-Marke bleiben. 2020 wird daraus zwar nichts mehr werden, da das Paar im Sommer traditionell aufs Rennrad umsteigt. Doch für nächstes Jahr ist die Suche nach einem geeigneten Termin und Lauf schon voll im Gange. "Wir hoffen, dass dann längst wieder Normalität eingekehrt ist und überlegen, ob wir in Hannover einen zweiten Anlauf nehmen, in Bonn laufen oder uns ein ganz anderes Rennen aussuchen. Es gibt ja noch viele schöne Marathons im Frühjahr", sagt Jörg Poller.


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