Turnerin trotzt Rückschlägen

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Lea Quaas ist ein großes Talent. Die noch 15-Jährige trainiert am Bundesstützpunkt Chemnitz, wo sie zuletzt auch schwere Enttäuschungen verkraften musste.

Werdau.

Egal, wohin ihr Weg als Leistungssportlerin noch führen wird: Die Erlebnisse, die Turnerin Lea Quaas aus Werdau in ihrem jungen Leben schon hatte, kann ihr keiner mehr nehmen. Da waren zum Beispiel die Teilnahmen an Länderkämpfen in Kanada, Frankreich oder in der Schweiz. "Das Größte für mich waren 2019 meine Starts bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Ungarn und bei den Olympischen Jugendspielen in Aserbaidschan. In beiden Wettkämpfen bin ich mit der deutschen Mannschaft Achte geworden", berichtet Lea Quaas, die seit fünf Jahren am Bundesstützpunkt Chemnitz trainiert.

Vor den Olympischen Jugendspielen in Baku hatte die junge Turnerin aus dem Werdauer Stadtteil Leubnitz ein richtiges Abenteuer zu bestehen. Eigentlich sollte sie in der aserbaidschanischen Hauptstadt gar nicht an den Start gehen. Doch dann brach sich ihre Teamgefährtin Emma Malewski vom TuS Chemnitz-Altendorf einen Zeh. In einer Hauruck-Aktion sprang Lea Quaas in die Bresche. "Am Vorabend meines 14. Geburtstages bin ich allein nach Baku geflogen, um den Platz von Emma einzunehmen", erzählt die Werdauerin.

Mit sechs Jahren hatte sie bei Germania Werdau mit dem Turnen begonnen. Schon nach wenigen Monaten wechselte das hochtalentierte Mädchen zum Talentestützpunkt von Lok Zwickau. "Dort habe ich anfangs zweimal pro Woche trainiert, dann dreimal, viermal und fünfmal", beschreibt Lea das immer höhere Pensum. Bald war klar: Sie hat das Zeug, um an den Bundesstützpunkt Chemnitz zu wechseln. Nach erfolgreichem Probetraining war es 2016 soweit - Lea besuchte ab der fünften Klasse das Chemnitzer Sportgymnasium. "Ins Internat wollte ich aber noch nicht", sagt die 15-Jährige. Also mussten Mama und Papa als Chauffeure ran. Zwei Jahre lang fuhren sie die Tochter morgens von Werdau nach Chemnitz und holten sie abends wieder ab. Dabei kamen locker 120 Kilometer pro Tag zusammen.

Der enorme Aufwand lohnte sich. Lea Quaas turnte sich unter den Fittichen von Trainerin Gabi Frehse nach oben. Was sie drauf hat, zeigte sie auch bei den Deutschen Jugendmeisterschaften Ende vergangenen Jahres im baden-württembergischen Berkheim. Dort konnte sie in der Altersklasse 15 gleich vier Medaillen abräumen: Gold am Boden, jeweils Silber im Mehrkampf und beim Sprung sowie Bronze am Barren. "In Anbetracht der damaligen Umstände war dieses Abschneiden umso höher einzuschätzen", sagt Leas Mutter Constanze Quaas.

Was war passiert? Unmittelbar vor den Titelkämpfen hatten Weltmeisterin Pauline Schäfer und 13 weitere aktuelle bzw. ehemalige Turnerinnen öffentlich schwere Vorwürfe gegen Trainerin Frehse erhoben. Diese soll unter anderem psychische Gewalt gegen Sportlerinnen ausgeübt haben. Daraufhin wurde die Trainerin suspendiert. "Sie war mit nach Berkheim gefahren, durfte dann aber schon nicht mehr in die Halle, um uns zu betreuen", erinnert sich Lea Quaas.

Die Vorwürfe gegen ihre Trainerin, die inzwischen vom Olympiastützpunkt entlassen wurde, machten ihr schwer zu schaffen. "Als ich davon erfuhr, war ich sehr geschockt und habe geheult. Das alles kam völlig überraschend", sagt die Werdauerin. "Ich will Gabi als Trainerin wieder haben", fügt sie ausdrücklich hinzu. Schließlich könne sie das, was Gabi Frehse vorgeworfen wird, in keiner Weise nachvollziehen. "Sie ist zwar manchmal streng, hat mich und meine Trainingsgefährtinnen aber immer fair behandelt", betont Lea.

Auch ihre Mutter kann die Entlassung der Trainerin nicht fassen. "Gabi Frehse ist ein herzensguter Mensch. Dass es eine lautere Ansage gibt, ist ganz normal im Leistungssport", sagt Constanze Quaas. Auch ihre Tochter brauche dies ab und an. "Gabi Frehse hat sich unserer Meinung nach nichts zu Schulden kommen lassen. Wir können das gut einschätzen, weil mein Mann und ich schon oft das Training in der Halle beobachtet haben", erklärt Constanze Quaas.

Ihre Tochter musste derweil noch einen weiteren Rückschlag verkraften. Kurz nach dem Verlust der Trainerin zog sich Lea eine Verletzung zu. "Ich hatte eine Entzündung im Schultereck-Gelenk und ein Knochenmark-Ödem im Schlüsselbein", berichtet die 15-Jährige. Fünf Monate lang war sie weitestgehend außer Gefecht gesetzt. Jetzt kämpft sie sich im Training langsam wieder heran. Denn Lea Quaas, die gegenwärtig von Bundesnachwuchstrainerin Claudia Schunk in Chemnitz betreut wird, hat große Ziele. "Ich will 2024 bei Olympia in Paris starten", nennt sie ihr wichtigstes Vorhaben.

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