Vom perfekten Tag mit dem Vierer

Nach Gold und Silber bei der Junioren-WM: Nicolas Heinrich über eine Rekordfahrt und ein verlorenes Finale

Zwickau.

Erst Gold und Weltrekord mit Deutschland in der Mannschaftsverfolgung, dann Silber im Einzel - für Bahnradfahrer Nicolas Heinrich vom ESV Lok Zwickau hätte die Junioren-WM in Frankfurt/Oder kaum besser laufen können. Mit dem 17-Jährigen, der in Chemnitz trainiert und die zwölfte Klasse des Sportgymnasiums besucht, führte Monty Gräßler folgendes Interview.

Freie Presse: Herzlichen Glückwunsch zu dieser starken WM! Mal ehrlich: Wie viel hätten Sie darauf gesetzt, dass Sie die EM-Bilanz (Gold im Einzel, Bronze mit dem Team) in Frankfurt sogar noch toppen können?

Nicolas Heinrich: Gute Frage. Wir wussten natürlich, was wir drauf haben. Wir konnten aber die Leistungen der anderen Nationen, wie zum Beispiel der Australier, nur schlecht einschätzen. Es ist deshalb auch nach wie vor schwer, die richtigen Worte dafür zu finden, das ganz große Ziel erreicht zu haben.

Was war die größere Überraschung? Dass das Team nach Bronze bei der EM nun sogar den Titel eingefahren hat? Oder dass es im Einzel erneut ein deutsch-deutsches Finale gab?

Es fühlt sich auf alle Fälle wunderbar an, dass beides funktioniert hat. Fakt ist, dass für mich zuerst ganz klar der Fokus auf der Teamverfolgung lag. Nach der Europameisterschaft in Gent haben wir alle richtig gut weiter trainiert, um bei der Heim-WM das Optimum rauszuholen. Ich glaube, im Nachhinein kann man sagen, dass wir im Vierer den perfekten Tag erwischt haben.

In der Tat: Mit 3:58,79 min ist in der Teamverfolgung über 4000 m ein neuer Junioren-Weltrekord herausgekommen, an dem noch dazu mit Pierre-Pascal Keup ein zweiter Fahrer des ESV Lok Zwickau beteiligt war. Hat man das unterwegs im Gefühl, dass es so eine Fabelzeit werden kann?

Man spürt natürlich nach den ersten Runden, dass es richtig gut rollt. Und das beflügelt einen zusätzlich. Aber die Zeit an sich bekommst du erst beim Blick auf die Anzeigetafel mit. Das war ein Moment voller Emotionen und innerer Bestätigung. Weltmeister mit Weltrekord - das ist einfach das Größte, was man bei den Junioren erreichen kann.

Am Tag darauf kam Platz 2 im Einzelrennen über 3000 m dazu. Die Frage dazu ist nicht originell, aber sie drängt sich auf: Überwiegt die Freude über Silber oder hadern Sie auch etwas damit, Gold verpasst zu haben?

Im ersten Moment ist man sicher ein bisschen enttäuscht. Aber schon mit etwas Abstand sagst du dir: Hey, dass wie bei der EM zwei Deutsche im Finale standen, ist für das Team schon mal sensationell. Es war ja auch zu Beginn des Tages so, dass ich nicht wusste, wie viel Kraft noch da ist. Und im Finale war Tobias (Buck-Gramcko aus Göttingen/d. R.) eben den Tick besser. Am Ende ist es einfach cool, dass wir beide ein Trikot geholt haben, er bei der WM und ich bei der EM.

Das klingt alles sehr nüchtern und reflektiert bei Ihnen. Sind Sie eher der sachliche Typ?

Im ersten Moment habe ich die Freude schon richtig rausgelassen. Und es macht mich natürlich auch stolz, so viele Glückwünsche aus der Heimat aufs Handy zu bekommen. Aber ansonsten bleibe ich ja der gleiche Mensch wie zuvor und will einfach weiter an meinen sportlichen Zielen arbeiten.

Sie haben schon nach der EM gesagt, dass Sie 2024 bei Olympia im deutschen Vierer fahren wollen. Bundestrainer Tim Zühlke hat Ihnen in Frankfurt für den Winter erste Einsätze im Weltcup in Aussicht gestellt. Ist das der nächste Schritt?

Es ist auf alle Fälle das nächste Ziel. Ob es dieses Jahr schon wird, kann ich im Moment nicht sagen. Die Männer fahren in der Einzelverfolgung ja einen Kilometer mehr. Da muss man sehen, was so geht. Aber ich denke, der Weg stimmt.

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