Fußball
Machtkampf um Profistrukturen im Frauenfußball geht weiter

Neue Jobs, mehr Geld, größere Stadien – der Machtpoker zwischen DFB und Clubs geht in die nächste Runde. Was hinter den Kulissen wirklich auf dem Spiel steht.

Frankfurt/Main.

Der Knall im Dezember war gewaltig, das gegenseitige Vertrauen schwer zerrüttet. Nach dem öffentlich eskalierten Streit zwischen Clubs und Deutschem Fußball-Bund (DFB) um die Professionalisierung des Frauenfußballs kehren beide Seiten am Montag in Frankfurt zurück an den Verhandlungstisch. Im Ringen um Macht und Millionen soll doch noch ein gemeinsames Joint Venture entstehen. 

Der Deutschen Presse-Agentur liegen Entwürfe vor, die veranschaulichen, wie die Zukunft der Bundesliga-Fußballerinnen ausschauen könnte. Oder zu platzen droht, falls die Einigung ausbleibt. Die wichtigsten Fragen vorab:

Wer sitzt am Verhandlungstisch?

Der im Dezember gegründete Ligaverband - er vertritt die Interessen der 14 Erstligisten - schickt eine neunköpfige Gruppe. Neben den bisher aus dem Männerfußball prominenten Chefverhandlern um Axel Hellmann (Vorstandsprecher Eintracht Frankfurt), Jan-Christian Dreesen (Vorstandschef FC Bayern München), Oliver Leki (Finanzvorstand SC Freiburg) und Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry zählen auch Katharina Kiel (Eintracht Frankfurt), Florian Zeutschler (SGS Essen) und Veronica Saß (FC Bayern) dazu. 

Kiel als Präsidentin, Saß (1. Vizepräsidentin) und Zeutschler (2. Vizepräsident) bilden die Spitze des Ligaverbandes. Zwei weitere Club-Vertreter runden das Aufgebot ab. Für den DFB verhandeln federführend Generalsekretär Holger Blask und Schatzmeister Stephan Grunwald.

Was steckt hinter der Idee des Joint Ventures?

Einigen sich DFB und Ligaverband trotz verfahrener Lage, entstünde als Joint Venture die Frauen-Bundesliga GmbH, kurz: FBL GmbH. Die wäre schon vom 1. Juli an dafür verantwortlich, Kernthemen der Liga wie Vermarktung oder Nachwuchsförderung kräftig anzukurbeln. In der FBL GmbH hätten Ligaverband und DFB je drei Sitze, eine zentrale Aufgabe des Sechser-Gremiums wäre es, die Geschäftsführung zu berufen. 

Finanzier ist der DFB: Knapp über 100 Millionen Euro sagte der Verband für die nächsten acht Jahre zu. Etwa die Hälfte flösse direkt an die Clubs, die andere in das Gemeinschaftsunternehmen. Weitere rund 25 Millionen Euro über denselben Zeitraum soll die 2. Liga erhalten, die der DFB in vier bis fünf Jahren in die FBL integrieren will.

Worüber wird gestritten?

Vor allem ist offen, wer in der angedachten Partnerschaft was zu bestimmen hat. Nach dpa-Informationen geht es um eine Liste von 20 Punkten und die Frage, bei welchen der DFB mitbestimmt und bei welchen die Liga praktisch durchregieren dürfte. Beim Verband herrscht die Meinung vor, dass es angesichts der 100-prozentigen Joint-Venture-Finanzierung nur logisch sei, auf Mitspracherechte zu bestehen.

Club-Verantwortliche argumentieren, insbesondere die Vereine müssten die konkreten Maßnahmen vor Ort finanzieren - und gehen für die gesamte Liga von Ausgaben über mehrere hundert Millionen Euro aus. "Wenn die Vereine so viel investieren, dann ist es auch klar, dass sie am Ende die Stimmenmehrheit haben sollten. Das ist einer der ausschlaggebenden Punkte in den Verhandlungen mit dem DFB", sagt etwa Jennifer Zietz, Geschäftsführerin von Union Berlin. 

Auch inhaltlich ist trotz detailreicher Professionalisierungspläne längst nicht alles ausverhandelt. Nicht umsonst wird so hart um die Macht gerungen. Die große DFB-Sorge: Ohne Vetorecht könnten die neuen Standards wieder geschliffen werden.

Was ist beim Mindestgrundgehalt geplant?

Nahezu unstrittig: Kommt das Joint Venture, wird ein Mindestgrundgehalt von 3.000 Euro (brutto) eingeführt. Die Maßnahme sei "ein entscheidender Schritt hin zum Berufsbild 'Profifußballerin'", heißt es in dem – auch Zweitligisten vorliegenden – Entwurf für die dann neu zu erfüllenden Richtlinien des Bundesliga-Lizenzierungsverfahrens. Aktuell verdient eine Bundesliga-Fußballerin durchschnittlich zwar rund 4.500 Euro, einige Spielerinnen liegen aber noch deutlich darunter.

Wie würde sich der Trainer- und Betreuerstab verändern?

Profibedingungen, sprich Vollzeitstellen, müssten die Clubs schrittweise auch für Co- und Torwarttrainerinnen sowie Spielanalysten und Sportpsychologen schaffen. Die Betreuung durch Ärztinnen und Physiotherapeuten soll den Plänen zufolge ebenso ausgebaut werden wie der Club-Apparat insgesamt. Jeder Erstligist bräuchte jeweils in Vollzeit einen Sportlichen Leiter, Teammanager, Social-Media-Manager und "Fan-Gewinnungs"-Manager. Auch müssten Ernährungsberater und Scouts angemeldet werden.

Welche Vorgaben gäbe es bei der Stadioninfrastruktur?

Die Anforderungen an ein bundesligataugliches Stadion würden gewaltig steigen, statt 2.000 wären künftig über 5.000 Plätze nötig – davon mindestens 300 Sitzplätze, wovon die Hälfte überdacht sein müsste. Es sollen aber Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen gelten, zumindest bis zur Saison 2031/32. Ab dann wäre für jeden Bundesligisten ein Fassungsvermögen von über 5.000 unumgänglich (bei mindestens 2.000 Sitzplätzen). Drainage und Rasenheizung, möglichst klimafreundlich, würden zur Saison 2027/28 Pflicht, Aufsteiger müssten gegebenenfalls Ausweichstadien benennen.

Wie soll die Nachwuchsarbeit besser werden?

"Wir müssen schauen, dass wir diese Talentförderung auf das nächste Level heben", hatte Bundestrainer Christian Wück nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Spanien gefordert, "der Verband plus die Vereine". Ihn dürfte also freuen, dass die Bundesligisten von der kommenden Saison an sogenannte DFB-Talentförderzentren für Juniorinnen führen müssen. Zur Spielzeit 2027/2028 dann sogar Leistungszentren mit strengeren Vorgaben für Personal oder Infrastruktur. Für Aufsteiger gilt in beiden Fällen eine Schonfrist von einem Jahr. Erst mal aber muss sich die FBL GmbH gründen - sonst könnten viele Vorgaben mangels Finanzierung auf der Strecke bleiben. (dpa)

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