Marcel Schrötter: Für den Frühberufenen wird es langsam Zeit

In einem spannenden Moto2-Rennen untermauerte der 26-Jährige seine Ambitionen, ein Motorrad in der Königsklasse zu lenken. Sein dritter Platz auf dem Sachsenring besitzt besonderen Wert.

Hohenstein-Ernstthal.

Bis zur letzten Kurve musste Marcel Schrötter richtig kämpfen. Im rasanten Dreikampf um Platz zwei während der Rundenhatz in der Moto2-Klasse sah der Bayer den Hinterreifen von Brad Binder und spürte Iker Lecuona heftig im Nacken. Bis sich der Spanier in die letzte Kurve legte und auf den Asphalt umkippte. Platz drei für Schrötter hinter dem Briten und dem bereits enteilten Alex Marquez sorgte für Stimmung am Ring. Und der 26-Jährige genoss das Bad in der Menge, fuhr am Feuerwerk und an den Streckenposten vorbei und präsentierte den Fans die deutsche Fahne. "Beim Heim--Grand-Prix aufs Podest zurückzukehren, ist unglaublich. So etwas wünscht man sich", sagte anschließend der zufriedene Marcel Schrötter in die Mikrofone der Journalisten, um gleich danach den unzufriedenen zu Wort kommen zu lassen: "Eigentlich war Platz zwei drin. Eine Runde länger und es hätte vielleicht noch geklappt."

Alles in allem dürfte der KalexPilot aber ein gutes Gefühl mit in die Sommerpause nehmen. Nach starkem Auftakt in seine sechste Moto2-Saison mit Rang drei in Katar, Platz fünf in Argentinien und Rang zwei samt Pole-Position in den USA war er in den vergangenen Wochen verletzungsbedingt in ein Tief gerutscht. Wie sich später herausstellte, quälte er sich in Jerez mit einem doppelten Mittelfußbruch um die Kurven, verlor als 15. in der WM-Wertung an Boden und kämpfte auch in den folgenden Rennen in Le Mans (8.), Mugello (8.), Barcelona (7.) und Assen (8.) mit den Folgen der Verletzung am Schaltfuß. "Hinzu kamen neue Hinterreifen. Auch hier am Sachsenring sind wir noch auf der Suche gewesen. Bis eine halbe Stunde vor dem Start wussten wir nicht, welcher Vorderreifen mir am besten hilft. Alle fahren den weichen, den es mittlerweile gibt. Aber ich tendiere immer wieder zum harten, weil er mir mehr Stabilität gibt. Letztlich haben wir uns für die sichere Variante entschieden", beschrieb Schrötter die Reserven in der optimalen Abstimmung des Motorrads. Immerhin kletterte der Mann aus Landsberg am Lech mit dem Sachsenring-Podest auf die sechste Position in der WM-Wertung. Mit 97 Zählern liegt er nun 39 Punkte hinter dem Tagessieger und neuen Spitzenreiter Alex Marquez zurück.

Schrötters Teamkollege Tom Lüthi rutschte auf Position zwei ab, auch weil er seine Siegchance einbüßte, als er Xavi Vierge im Kurvenduell von der Piste schubste. Lüthi kassierte dafür eine Strafrunde fernab der Ideallinie und kam als Fünfter an. Auf der Ehrenrunde nahm der Schweizer den spanischen Sturzpiloten Lecuona, der frustriert zu Fuß in Richtung Ziel stapfte, auf seinem Motorrad mit in die Boxengasse.

Marcel Schrötter bleibt so oder so der aktuell beste deutsche Pilot. Und er glaubt, dass er sein Potenzial noch nicht ausgereizt hat. Aus Trainingsläufen mit seinen MotoGP-erfahrenen Freunden Jonas Folger und Jack Miller weiß er, dass er auch ein großes Motorrad in der Königsklasse gut steuern kann. Die MotoGP ist aus deutscher Sicht momentan bis auf spontane Einsätze von Testfahrer Stefan Bradl wie an diesem Wochenende verweist. "Die Königsklasse bleibt mein Traum. Das will jeder Motorradsportler. Klar ist mit 26 nicht mehr so viel Zeit dafür. Aber es haben auch andere, ältere Piloten, den Sprung noch geschafft", meinte Marcel Schrötter.

Johann Zarco ist ein Beispiel, der mit 27 in die MotoGP aufgestiegen ist. Der Franzose war aber zuvor zweimal Weltmeister in der Moto2. Ein großes Problem in Deutschland ist, genügend Sponsoren für ein Team in der Königsklasse zu bekommen. Schrötter will sich aber eine Teilnahme keineswegs erkaufen. "Ich möchte mir den Platz mit Leistung verdienen", sagte er. Ein dritter Rang am Sachsenring hilft da sicher als Empfehlung. Dass er mit 26 Jahren in Eile ist, leuchtet ein. Zumal er in seiner Rennkarriere eher als Frühberufener gilt. Mit drei Lenzen bestritt er sein erstes Rennen, mit neun war er bereits deutscher Juniorenmeister, mit 16 Europameister in der 125-ccm-Klasse. 2008 und 2009 gewann er die Internationale Deutsche Meisterschaft. Nun hofft er auf seine beste WM-Saison, die bisher mit Platz acht aus dem Vorjahr zu Buche steht. Und wenn es nebenbei noch mit dem ersten Grand-Prix-Sieg klappt, wäre Marcel Schrötter dann sicher voll und ganz zufrieden.

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