Marcus Burghardt: So fährst du nicht mal zum Bäcker

Der Radprofi erlebt aktuell eine schwierige Saison. Kurios mutet an, wie der gebürtige Zschopauer nach einer Krankheit nun doch noch seine elfte Tour de France anpeilt.

Samerberg/Zschopau.

Der gebürtige Erzgebirger Marcus Burghardt leistet seit Jahren wertvolle Helferdienste für einzelne Radstars: Für Ex-Weltmeister Peter Sagan im aktuellen Rennstall Bora-hansgrohe zum Beispiel oder 2011, als er für den späteren Tour-de-France-Sieger Cadel Evans (BMC) im Wind fuhr. In diesem Jahr rollte es für den langen Sachsen krankheits- und verletzungsbedingt noch nicht optimal: Das Dilemma begann im Januar während des Höhentrainings in der Sierra Nevada. Burghardt zog sich mit neuem Schuhwerk eine Blase zu. "Ich bekam Fieber, musste in die Klinik und Antibiotika nehmen, war zehn Tage weg vom Fenster", spricht der Familienvater von einer Blutvergiftung, die ihm den Saisoneinstieg verhagelte.

Mitte März sollte es dann soweit sein. Bei der Rundfahrt Tirreno-Adriatico legte der Zschopauer, der im bayerischen Samerberg wohnt, los. Doch der Deutsche Meister von Chemnitz 2017 musste nicht lange warten, da bereitete der andere Fuß Probleme. Ein Überbein schmerzte ebenso wie die Achillessehne. Burghardt schnitt seinen Schuh an der Ferse auf und bestritt mit einem Tape die Klassiker Mailand-Sanremo (64.), Gent-Wevelgem (69.), die Flandern-Rundfahrt (84.), Scheldepreis (104.), Paris-Roubaix (24.), Amstel Gold Race (51.) und Lüttich-Bastogne-Lüttich (101.). "Doch mit Radfahren hatte das nicht viel zu tun. So fährst du nicht mal zum Bäcker", erinnert sich der 35-Jährige: "Im Wettkampf gewöhnt man sich ja an die Schmerzen, aber für das nötige Training war die Verletzung schlecht."

Inzwischen greift der Radprofi auf ein älteres Schuhmodell zurück und vertraut einer ganz speziellen Heilung. "Ich habe die schmerzenden Stellen mit Penatencreme versorgt und Wollsocken zum Schlafen darüber gezogen", erzählt er. Ob die Methode Wunder gewirkt hat, weiß Burghardt nicht. In jedem Fall ist er nun schmerzfrei und hat die Tour de France (ab 6. Juli) wieder im Blick. Es wäre die elfte Tour seiner Karriere. Zuvor muss er seine Form bei der heute beginnenden Tour de Suisse unter Beweis stellen. Je nach Auftragslage seines Rennstalls entscheidet sich, ob er die Rundfahrt vorzeitig verlässt, um nochmal ein Höhentraining in Levigno einzuschieben.

Auf einen Termin freut sich Marcus Burghardt schon jetzt: die Deutsche Meisterschaft vor Heimpublikum auf dem Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal. Ob er dort sein Meisterstück von 2017 wiederholen kann, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall wird er seinem Arbeitgeber helfen, dass im dritten Jahr das Meistertrikot bei Bora-hansgrohe bleibt. Die Chancen stehen nicht schlecht. Der Zwickauer Ex-Profi Jürgen Werner vergleicht den bayerischen Rennstall bereits mit der früheren Streitmacht vom Team Telekom (später T-Mobile).

Critérium du Dauphiné

Der französische Radprofi Julian Alaphilippe hat in seinem Heimatland die sechste und längste Etappe des 71. Critérium du Dauphiné gewonnen und damit bereits seinen zehnten Saisonsieg gefeiert. Der Bergkönig der vergangenen Tour de France setzte sich am Freitag nach 229 Kilometern ganz knapp vor seinem österreichischem Mit-Ausreißer Gregor Mühlberger vom deutschen Team Bora-hansgrohe durch. Dritter wurde Alessandro De Marchi aus Italien.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Brite Adam Yates, der mit dem Hauptfeld ins Ziel kam. Bora-Profi Emanuel Buchmann ist als Siebter bester Deutscher. (dpa)

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