Misstöne bei Italiens Bewerbung um Winterspiele 2026

Sala will sich nicht in die Organisation einbringen

Nur einen Tag nach der offiziellen Bestätigung einer italienischen Bewerbung mit Cortina, Mailand und Turin um die Olympischen Winterspiele 2026 gibt es erste Misstöne. Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala reagierte pikiert auf das Auswahlverfahren und betonte, dass seine Stadt sich nicht mehr an einer möglichen Ausrichtung beteiligen werde als unbedingt nötig.

Seine Gemeinde sei vom Nationalen Olympischen Komitee CONI beim Entwurf eines Masterplans nicht eingebunden worden, so Sala. "Wir werden nur die Stadien und Austragungsorte zur Verfügung stellen, werden uns aber nicht in die Organisation der Spiele einbringen", schrieb Sala an den CONI-Präsidenten Giovanni Malago.

Zu Fall bringen will Mailand die Bewerbung aber nicht. "Auch wenn unser Wunsch auf eine eigene Kandidatur nicht erfüllt wurde, akzeptieren wir die Entscheidung des CONI und unterstützen die italienische Kandidatur mit Cortina und Turin. Und das, obwohl es mehrere offene Fragen gibt", sagte Sala.

Italien plant für eine Ausrichtung der Spiele in acht Jahren mit verhältnismäßig geringen Investitionskosten in Höhe von 376,15 Millionen Euro in die sportliche Infrastruktur. Am kostspieligsten wäre der Bau einer neuen Bobbahn in Cortina. Zum Großteil sollen bereits bestehende Skianlagen in Trentino sowie in der Valtellina-Region und in Sestriere nördlich von Turin genutzt werden.

In Mailand sind Curling, Eishockey, Shorttrack, Eisschnelllauf und Eiskunstlauf vorgesehen. Die Eröffnungsfeier soll im San-Siro-Stadion der Mode-Metropole stattfinden. In Val di Fiemme nahe Cortina sind die Austragung der Wettbewerbe im Skispringen und in der Nordischen Kombination geplant. Der Masterplan wird nun von der italienischen Regierung geprüft.

"Die gemeinsame Kandidatur von Cortina, Mailand und Turin ist ein innovativer und mutiger Beschluss", sagte Malago, der die drei Städte von der Bündelung ihrer anfangs getrennt vorgelegten Kandidaturen überzeugt hatte. Die gemeinsame Kandidatur wird von der Regierung um Premier Giuseppe Conte gestützt. Eine Bürgerbefragung ist derzeit nicht geplant.

Die Entscheidung über den Gastgeber der Winterspiele und der Paralympics 2026 fällt am 10. September des kommenden Jahres auf der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) - die ausgerechnet in Mailand stattfindet.

Nachdem Anfang Juni die Schweiz mit der Stadt Sion abgesprungen war, zog sich vor einem Monat Österreich mit der Kandidatur von Graz/Schladming zurück. Übrig geblieben sind neben Italien noch vier mögliche Kandidaten: Calgary, Sapporo, Stockholm und Erzurum in der Türkei.

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