Nach Fehlstart noch ins Ziel gerettet

Handball-Zweitligist BSV Sachsen Zwickau musste für den Klassenerhalt hart arbeiten und lange zittern. Doch Trainer-Rückkehrer Norman Rentsch sieht viel mehr Potenzial.

Zwickau.

Vorbei. Eine harte, nervenaufreibende Saison 2018/19 in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen ist für den BSV Sachsen Zwickau Geschichte. Norman Rentsch ist froh darüber: "Irgendwie ging es zuletzt nur noch ums Überleben, um die Saison rumzubekommen", sagt der Trainer. Und seine Mannschaft hat "irgendwie überlebt". Als Tabellenvierzehnter beendete der BSV am vergangenen Sonntag das Spieljahr, wobei der Klassenerhalt bereits vorher feststand. Da der TV Nellingen sich aus der Bundesliga zurückzieht, einen Neustart in der 3. Liga anvisiert, und der DJK Trier (Rang 16) den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat, gibt es mit dem Tabellenfünfzehnten HSG Gedern/Nidda nur einen sportlichen Absteiger.

Auf einem Abstiegsplatz stand der BSV auch Ende Dezember 2018, als Rentsch das Ruder vom glücklosen Rüdiger Bones übernahm. Dessen Bilanz nimmt sich mit sechs Punkten aus zwölf Partien bescheiden aus. Sein Nachfolger holte aus 18 Punktspielen 15 Zähler. "Damit kann man grundsätzlich zufrieden sein. Aber zu Hause haben wir unsere Hausaufgaben nicht so erledigt, wie wir sie hätten lösen können", sagt Rentsch. Nur zweimal konnte der BSV unter der Regie des 39-Jährigen in eigener Halle gewinnen.

Die Gründe für die Zittersaison, das spielerische Auf und Ab, sind sicher vielschichtig, der Fehlstart unter Bones nur einer davon. "Mein erster Ansatz in den ersten ein, zwei Monaten war, Mentalität und Emotionen, etwa in der Kabine oder auf dem Feld, reinzubekommen. Das hat länger als gewünscht gedauert. Aber dann sind wir an einen Punkt gekommen, wo es die Mädels verstanden haben, dass sie nur unter diesen Grundvoraussetzungen gut Handball spielen können", verrät Rentsch. Am besten geht das natürlich mit voller Kapelle. Doch gleich in seiner ersten Partie als Chef musste er auf Rückraumschützin Katarina Pavlovic verzichten. Die Kroatin hatte sich den Mittelfuß gebrochen und fiel für die gesamte Rückrunde aus. "Das war ein enormer Rückschlag für die Gefahr aus der zweiten Reihe", erklärt der Coach.

Die leidigen Verletzungssorgen zogen sich wie ein roter Faden bis zum Saisonende hin. Den Ausfall von wichtigen Spielerinnen wie etwa Petra Nagy oder Nadja Bolze konnte der BSV qualitativ nicht auffangen. Auch quantitativ ging das Team - in einer Partie beklagten die Zwickauerinen sieben Verletzte - streckenweise auf dem Zahnfleisch. "Der Kader ist gerade nicht konkurrenzfähig. Aber die Mädels haben mit Mentalität und Disziplin dennoch viel herausgeholt und richtig gute Spiele gemacht", sagt Rentsch - und wagt gleich einen Blick voraus: "Wenn wir diese Mentalität und Disziplin, gepaart mit Qualität, als Mannschaft auf die Platte bekommen, dann werden wir in der nächsten Saison eine gute Rolle spielen." Helfen sollen dabei auch vier Neuverpflichtungen.

Überhaupt arbeitet der verheiratete Familienvater aus Bockau bereits wieder auf das Kommende hin - als Trainer und als Geschäftsführer. "Die Doppelfunktion war von meiner Seite her Bedingung, weil ich den nächsten Schritt machen möchte. Ich möchte mit den nötigen Kompetenzen Dinge umsetzen, die ich in sechs Jahren in Zwickau, in Leipzig und in Dortmund erfahren habe", argumentiert Rentsch, der im Januar zum zweiten Mal in Zwickau anheuerte. Von Dezember 2011 bis Juni 2014 betreute er die BSV-Damen schon einmal, bevor er beim Bundesligisten HC Leipzig als Trainer unterschrieb. 2017 musste der Deutsche Rekordmeister jedoch Insolvenz anmelden. Zuletzt stand der ehemalige Rückraumspieler bei Bundesligist Borussia Dortmund an der Linie. Der Vertrag wurde aus persönlichen Gründen im September 2018 aufgelöst.

Jetzt also wieder Zwickau. Einen Verein, den Rentsch wegen seiner grundsoliden Arbeitsweise über Jahre hinweg, seiner Bodenständigkeit und Zuverlässigkeit schätzt. "Ich glaube, hier hat jeder immer pünktlich sein Gehalt bekommen", sagt er. Aber der Vater zweier handballspielender Söhne glaubt eben auch, dass viel mehr Potenzial im BSV Sachsen Zwickau steckt. Dass der Verein das Image der grauen Maus ablegen kann. Dass er nicht nur überleben, sondern auch zulegen und sich entwickeln kann. "Es braucht eine neue Vision, eine neue Zielsetzung, die vielleicht hochgesteckt ist. Aber an ihr kann man sich ausrichten und neues Interesse bei Fans und Sponsoren wecken", meint Norman Rentsch. Begeisterung schwingt in seiner Stimme mit, wenn er sagt: "In zwei, drei Jahren möchte ich schon da oben mitspielen, möchte sehen, wie weit es geht. Und ich bin froh, dass der Vorstand in Person von Sylvia Wössner mitzieht."

Klingt nach einem ehrgeizigen, spannenenden und ambitionierten Projekt, welches die Westsachsen in den nächsten Jahren angehen möchten. Gerade nach einer schlechten Saison, in der längst nicht alles nach Wunsch lief. Vorbei. In Kürze steht erst einmal die Abschlussfahrt nach Mallorca an.

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