Nach Marchionne-Tod: Vettel sagt Medientermine ab

Der viermalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hüllt sich am Tag nach dem Tod des langjährigen Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne in Schweigen. Wie Vettels Sprecherin dem SID bestätigte, hat der 31-jährige Heppenheimer seine Medienrunde am Donnerstag abgesagt.

Der Automobil-Weltverband FIA teilte wenig später mit, dass aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" der zweite Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen und Teamchef Maurizio Arrivabene von der Teilnahme an den offiziellen Pressekonferenzen am Donnerstag beziehungsweise Freitag freigestellt wurden.

Überhaupt trug Vettels Rennstall am Donnerstag öffentlich Trauer. Im Fahrerlager des Hungarorings hing die Ferrari-Fahne am Motorhome der Scuderia auf Halbmast, Teammitglieder trugen Trauerflor. Auch die Overalls der Fahrer sollen beim Großen Preis von Ungarn (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL) mit Trauerinsignien versehen werden.

An der Mailänder Börse ist der Kurs der Ferrari-Aktie derweil auf den tiefsten Wert seit Oktober 2017 gefallen. Nach der Nachricht, dass der Italo-Kanadier Marchionne am Mittwoch im Alter von 66 Jahren im Zürcher Universitätskrankenhaus verstarb, verlor der Anteilsschein der Motorenschmiede aus Maranello zwei Prozent an Wert.

Viele Formel-1-Teams erfuhren erst nach der Anreise nach Budapest vom Tod des früheren Ferrari-Chefs. Zahlreiche Mitstreiter und Konkurrenten würdigten Marchionne für seine Verdienste um Ferrari, die Formel 1 und die Automobilindustrie.

Das Ferrari-Team erklärte am Mittwochabend, man fühle sich "privilegiert, mit einem mutigen Anführer wie Sergio Marchionne zusammengearbeitet zu haben, einem Mann von enormer Menschlichkeit und Intelligenz."

Piero Ferrari, Sohn des legendären Firmengründers Enzo Ferrari und Aktionär des Autobauers, verglich Marchionne mit seinem berühmten Vater: "Auch er zeigte in den härtesten Momenten immer große Menschlichkeit."

Unter dem neuen Führungsduo John Elkann und Louis Carey Camilleri steht die Scuderia vor richtungsweisenden Wochen. Rein sportlich gilt es bald zu entscheiden, wer in der kommenden Saison das zweite Formel-1-Cockpit neben Sebastian Vettel bekommt. Die Entscheidung fällt wohl zwischen dem derzeitigen Stammpiloten Kimi Räikkönen (38/Finnland) und Ferrari-Junior Charles Leclerc (20/Monaco), der eine starke Rookie-Saison beim Kundenteam Sauber fährt.

Marchionne hatte nach Komplikationen infolge einer Schulter-Operation seit Anfang Juni im Koma gelegen. Der Topmanager, der Fiat vor dem Bankrott gerettet und den Autobauer 2014 mit Chrysler fusioniert hatte, litt laut italienischen Medien zudem an Lungenkrebs.

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