Nach Sturz war Medaillentraum vorbei

Weltmeisterin Pauline Schäfer hat bei der EM in Glasgow die erhoffte Medaille an ihrem Paradegerät verpasst. Die Ursachenforschung war schwierig, doch die Chemnitzern gab sich schnell kämpferisch.

Glasgow.

Ein Stöhnen ging durch die Halle, die Weltmeisterin war vom Schwebebalken abgestürzt. Ausgerechnet beim von ihr kreierten "Schäfer" (Seitwärts-Salto mit halber Drehung) rutschte Pauline Schäfer ab und musste damit im Finale am Sonntag alle Medaillenträume begraben. Am Ende blieb beim Triumph von Olympiasiegerin Sanne Wevers aus den Niederlanden Rang sechs. Nur rund zehn Minuten später hatte sich die Gerätkünstlerin vom TuS Chemnitz-Altendorf wieder gefangen und konnte sogar ein wenig lächeln.

"Auch eine Weltmeisterin kann Fehler machen", meinte die 21-Jährige in der Mixed- Zone. Sie sei ihren Schäfer-Salto einfach ein bisschen zu hektisch angegangen. Und die Nervosität, die jeden Auftritt auf dem schmalen Grat begleite, die hatte sie natürlich auch gespürt. Vielleicht habe aber auch ein kleiner Wasserfleck, der von Vorturnerin Nina Derwael beim Präparieren aufgesprüht wurde, beim Scheitern nachgeholfen. Dieser habe beim Drüberlaufen und -springen die Schweißbänder an ihren Füßen nass gemacht und womöglich zum Abrutschen bei der sowieso nicht einfachen, weil blinden Landung geführt. Aber die alleinige Schuld sah sie nicht bei diesen Bedingungen.

Ihre Trainerin Gabi Frehse sah das schon ein wenig anders. "Ab kommendem Jahr ist es verboten, das Gerät einzusprühen. Und man darf auch nicht vergessen, Pauline ist im Moment die einzige Turnerin, die dieses schwierige Element anbietet", räumte die Chemnitzerin ein. Sie sah jedoch mit Blick auf die WM andere Reserven: "Pauline war in konditioneller Hinsicht nicht gut genug vorbereitet."

So recht erklären konnte sich Pauline Schäfer, die 2015 am EM-Schauplatz in Schottland schon einmal Bronze bei der WM geholt und 2018 in Montreal dieses Ergebnis mit Gold getoppt hatte, sich das Missgeschick allerdings nicht. Im Training hat das Element geklappt. Und als im Vorkampf die anderen zwei Gefährtinnen gleich mehrmals vorzeitig vom Gerät mussten, hatte sie selbst sich noch schadlos gehalten. Dass sie im Gegensatz zur WM als Letzte an das Gerät musste, spielte ebenso keine gravierende Rolle. "Ich nehme es, wie es kommt. Und wenn ich das nächste Mal als Letzte auf den Balken muss, werde ich es eben besser machen", gab sie sich kämpferisch. Entsprechend zog Pauline Schäfer auch keine negative EM-Bilanz. Grundsätzlich sei ihre Leistung nicht schlecht gewesen.

"Das kann schon mal passieren", meinte Bundestrainerin Ulla Koch zum Missgeschick, auch wenn damit die beste Medaillenchance dahin war. Zuvor hatte die Stuttgarterin Kim Bui bei ihren achten EM im Finale am Stufenbarren als Vierte mit 14,20 Punkten ihren zweiten EM-Podestplatz nach 2011 knapp verpasst. "Ich werde das jetzt verarbeiten, morgen geht die Sonne wieder auf", tröstete sie sich, räumte aber ein: "Ein vierter Platz tut immer weh." Sarah Voss aus Köln, die mit drei Abstürzen in der Qualifikation mitverantwortlich für das Verpassen des Teamfinals der Riege war, konnte über Platz vier im Sprung-Wettbewerb strahlen.

Nach dem Rückflug und ein paar entspannten Tagen im Kreis der Familie im Saarland wird Pauline Schäfer an ihren Trainingsort Chemnitz zurückkehren und genauso wie bisher weitermachen. Mit dem Arbeiten an den Geräten für die bereits als erste Olympiaqualifikation zählenden WM im Oktober in Katar, aber auch abends für das Abitur, das sie weiterhin anstrebt. Insgesamt wollen die Trainerinnen mit ihren Schützlingen dann auch nochmal intensiv darüber reden, was in der Vorbereitung auf Großereignisse noch verändert werden kann. Balkenspezialistin Carol-Angela Orchard, die schon mehrfach unterstützte, wird zur WM-Vorbereitung aus Toronto kommen, um vor allem die Abläufe zu stabilisieren. Der Nachwuchs müsse in Zukunft mehr gefordert werden. Und Steigerungen sind auf alle Fälle in Sicht, wenn die erfahrenen und international bereits erfolgreichen Turnerinnen wie Sophie (Chemnitz) sowie Elisabeth Seitz und Tabea Alt (beide Stuttgart) nach ihren verletzungsbedingten Fehlen wieder zum Team gehören.

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