Nicht alle Wünsche erfüllen sich

Bei den Deutschen Meisterschaften der Eisschnellläufer in Inzell buchte der Chemnitzer Nico Ihle das anvisierte Ticket für die ersten Weltcups. Auf ein Missgeschick hätte er jedoch gern verzichtet.

Inzell/Chemnitz.

Obwohl nicht alles wie erhofft lief, nahm Nico Ihle gestern gut gelaunt die Rückreise von Inzell ins heimatliche Lichtenstein in Angriff. Der Eissprinter von der Chemnitzer Skategemeinschaft hatte nur eine Medaille und nicht wie erhofft zwei Plaketten im Gepäck. Zunächst sicherte er sich am Freitag über 500 Meter seinen insgesamt 13. Titel bei Deutschen Meisterschaften - zeitgleich (35,18 s) mit Joel Dufter (Inzell). Es war sein sechster auf dieser Distanz in Folge, wobei er vom eigenen Gefühl her die Nase vorn hatte. Aber auf nationaler Ebene gibt es kein Fotofinish. Der Sachse nahm das jedoch überhaupt nicht tragisch, zumal er sich mit seinem Kontrahenten ein packendes Duell, von dem jeder profitierte, geliefert hatte.

Auf der doppelten Distanz passierte Nico Ihle gestern ein Missgeschick. Er schaffte zwar über 1000 Meter mit 1:09,1 Minuten die zweitbeste Zeit hinter dem Bayern (1:08,47), doch die Siegerehrung fand ohne ihn statt. "Ich bin in der vorletzten Runde in eine Rille gelaufen, habe so die Bahn verlassen. Ich wusste sofort, dass ich disqualifiziert werde. Aber ich habe bis zuletzt um ein bestmögliches Ergebnis gekämpft", beschrieb der mehrfache Weltcupsieger die entscheidende Situation.

Prompt fiel natürlich diese erwartete Entscheidung, doch der Ärger verflog bald. "Für mich wieder ein richtig gutes Rennen. Wie schon über die 500 Meter war ich zu diesem Saisonzeitpunkt so schnell noch nie unterwegs. Ich bin insgesamt sehr zufrieden mit den Ergebnissen", resümierte Nico Ihle. Etwas ärgerlich empfand er nur, dass keine weitere Medaille zu seiner umfangreichen Sammlung hinzukam. Zudem zeigte er sich enorm erleichtert, dass alles insgesamt so gut geklappt hat. Denn vorher herrschte auch etwas Unsicherheit. "Da wir erstmals selbst unsere Trainingspläne aufstellen, ist es gut zu wissen, dass es im Wettkampf so funktioniert", fügte der 32-Jährige hinzu. Er und sein Bruder Denny ziehen seit Beginn dieser Saison ihr Übungsprogramm nach eigenen Vorstellungen durch. Klaus Ebert, ihr langjähriger Coach in Chemnitz, hatte sich nach den Winterspielen von Pyeongchang in den Ruhestand verabschiedet. Als Ratgeber blieb er dem Duo erhalten.

Für Nico Ihle gab es dann im Anschluss an die Titelkämpfe auch das erhoffte Happy End. Er wurde in das deutsche Team berufen, dass die ersten beiden Weltcups Ende des Monats in Japan bestreitet. "Der Grundstock ist gelegt. Darauf will ich nun aufbauen, mich weiter steigern. Denn ich brauche immer einige Rennen", blickte er voraus.

Leider wird ihn sein Bruder auf die Reise ins ferne Asien nicht begleiten können. Denny Ihle gewann zwar über 500 m die Bronzemedaille, doch mit 35,82 s verfehlte er die Normzeit um drei Zehntelsekunden. "Klar sind meine Gefühle gemischt. Ich hätte es zu gern geschafft, da wir auch drei Startplätze besitzen. Aber ich lief Saisonbestleistung, konnte mich wie bei jedem der bisherigen drei Testrennen erneut steigern. Und es fehlten nur Zentimeter", meinte der 33-Jährige und blieb zuversichtlich. Denn wenn der Bruder in zwei Wochen erstmals in dieser Saison international um Meriten kämpft, will er bei einem Wettkampf in Erfurt eine weitere Qualifikationschance für die folgenden Weltcups nutzen. Denny Ihle bedauert nur, dass sich ihre Wege deshalb trennen. Aber die Hoffnung ist groß, dass diese Phase nur kurz dauert.


Claudia Pechstein mit 37 Titeln nun alleinige Rekordhalterin 

Claudia Pechstein hat ihr Titelkonto bei deutschen Meisterschaften auf 37 Erfolge aufgestockt. Gestern gewann die 46-Jährige in Inzell auch die 5000 Meter sowie den Massenstartlauf. Schon tags zuvor hatte sie sich mit ihrem Erfolg über 3000 Meter zur alleinigen Rekordmeisterin gekrönt.

Die Berlinerin freute sich über diesen weiteren Coup: "Es ist etwas Besonderes, wenn man Geschichte schreibt. Und das in meinem Alter. Den Rekord dürften nicht mehr viele übertreffen."

Vor diesem Winter hatte Claudia Pechstein in der Rangliste mit der Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann, die inzwischen als Trainerin in Inzell dabei war, noch gleichauf gelegen (je 34 Titel). Über 5000 Meter war es Pechsteins siebenter Titel in Serie: Seit 2012 ist sie auf dieser Distanz bei nationalen Meisterschaften unbesiegt.

Die fünffache Olympiasiegerin ging dabei nach einer schwierigen Vorbereitung an den Start. "Operation im Mai wegen Thrombose. Und vor drei Wochen konnte ich aufgrund der Rückenbeschwerden kaum laufen. Ich habe mich in München einen Spezialbehandlung unterzogen", verriet sie.

Die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft klärte gestern Abend auch eine lange offene Personalfrage und ernannte den Münchner Matthias Kulik zum Sportdirektor. Der Posten war nach Auflösung des Vertrages von Robert Bartko seit März 2018 vakant. Kulik arbeitet schon seit 2008 für die DESG als Leistungssportreferent Shorttrack. dpa

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...