Olympia-Macher: Gleicher Zeitplan, gleiche Arenen auch 2021

Olympia-Gastgeber Japan ruft wegen des Coronavirus den Notstand fürs ganze Land aus. Doch die Organisatoren der auf 2021 verlegten Spiele wie auch das Internationale Olympische Komitee zeigen sich unbeirrt.

Tokio (dpa) - Japan muss wegen des Coronavirus den Notstand über das ganze Land verhängen, doch die Olympia-Macher bereiten unbeirrt die ins kommende Jahr verlegten Spiele in Tokio vor.

Sie sollen dem gleichen Zeitplan folgen wie die eigentlich für diesen Sommer geplanten Spiele, beschlossen die Koordinierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees und Japans Organisatoren in einer Sitzung am 16. April. Drängenden Fragen von Journalisten, was passieren soll, falls die Pandemie bis dahin doch nicht unter Kontrolle ist, wich der Präsident der IOC-Koordinierungskommission, John Coates, aus. Man werde weiter den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO folgen, sagte Coates bei einer auf dem Videodienst YouTube abgehaltenen Online-Pressekonferenz in Tokio.

Die Sommerspiele in Tokio sollten eigentlich vom 24. Juli bis 9. August ausgetragen werden, waren aber wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben worden. Neuer Eröffnungstermin ist der 23. Juli 2021. Einen genauen Fahrplan für die Organisation und Austragung der Spiele wollen die Olympia-Organisatoren bis Mai vorlegen.

Dabei werde der Fokus auch auf die Reduzierung von Kosten gelegt, die durch die Verschiebung entstehen. Coates sprach von «erheblichen» Kosten. Derzeit prüfe das IOC den genauen Umfang. Den Sportverbänden sicherte er in der Corona-Krise finanzielle Unterstützung zu. «Wir werden nicht abwarten und zusehen, wie die internationalen Verbände kollabieren. Wir werden ihnen helfen», sagte Coates.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte jüngst in einem Interview der «Welt am Sonntag» gesagt: «Für uns, das IOC, werden sich Zusatzkosten von mehreren Hundert Millionen Dollar ergeben, das lässt sich jetzt schon sagen.» Auch die Olympia-Verantwortlichen in Japan wollen Kosten sparen. «Wir werden die Dienstleistungen bei den Spielen in allen Bereichen überprüfen», sagte der Chef des japanischen Organisationskomitees, Toshiro Muto. Tokios Organisatoren würden bei den Kostensenkungsmaßnahmen «sehr streng» vorgehen. Manche Experten schätzen die Zusatzkosten auf drei bis sechs Milliarden Dollar.

Die insgesamt 43 Wettkampfstätten sollen zwar wie ursprünglich geplant auch im nächsten Jahr genutzt werden. Hierzu laufen jedoch komplizierte Gespräche mit den teils privaten, teils öffentlichen Eigentümern. «Wir haben noch keinerlei Ergebnis hierzu», sagte Muto. Das gleiche gilt für das olympische Dorf. Man bitte die elf Bauunternehmen, dieselben Gebäude wie ursprünglich geplant auch 2021 nutzen zu dürfen, doch liefen die Beratungen noch, sagte Coates.

Der Funktionär zeigte sich überzeugt, dass Japan angemessene Maßnahmen gegen das Coronavirus bei den Olympischen Spielen ergreifen werde. Bisher breitet sich das Virus dort jedoch so aus, dass Regierungschef Shinzo Abe sich am Donnerstag veranlasst sah, den bislang nur für Tokio und einzelne andere Provinzen geltenden Notstand auf das ganze Land auszuweiten. Zuvor hatte es immer deutlichere Kritik an Japans Umgang mit der Krise gegeben.

Die Regierung habe durch das spärliche Testen die Fallzahlen lange Zeit kleingehalten und zu spät und zu wenig Maßnahmen gegen die Ausbreitung angeordnet, kritisieren Mediziner und internationale Beobachter. Bis zum Donnerstag stieg die Zahl bestätigter Infektionen in Japan auf inzwischen mehr als 9400, mehr als 190 Menschen starben.

Zu Spekulationen, die Spiele könnten wegen der weiteren Ausbreitung des Coronavirus auch 2021 nicht stattfinden, äußerte sich Bach zuletzt nicht konkret. «Die oberste Priorität bleibt natürlich die Gesundheit der Athleten und aller an den Spielen Beteiligten sowie die Eindämmung des Virus. Daran werden wir uns auch in allen zukünftigen Entscheidungen orientieren», sagte er. Eine Verlegung ins Jahr 2022 sei aus Sicht des Gastgebers Tokio nicht denkbar gewesen.

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