Snowboarderin Jana Fischer (l) freut sich auf ihre dritten Winterspiele.
Snowboarderin Jana Fischer (l) freut sich auf ihre dritten Winterspiele. Bild: Peter Kneffel/dpa
Wintersport
Olympia-Team steht: Über "goldene Eisbahn" in die Top 3?

Der DOSB präsentiert seine Mannschaft für die Winterspiele in Mailand und Cortina. Der Chef de Mission spricht über Ambitionen und Hoffnungsträger - und hadert mit der Berechnung der Quotenplätze.

München.

Von Gänsehaut und einem Kribbeln sprach Olaf Tabor. "Drei Meilensteine" gebe es auf dem Weg zu Olympischen Winterspielen, sagte der Vorstand Leistungssport des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): den ersten Besuch vor Ort, die Einkleidung und eben die Nominierung. Zweieinhalb Wochen vor der Eröffnung der Spiele in Italien steht das deutsche Team nun - weitgehend auf jeden Fall. Mit mindestens 183 Athletinnen und Athleten und großen Ambitionen reist es zu dem Event in Mailand und Cortina d'Ampezzo vom 6. bis 22. Februar. Möglicherweise gibt es auch noch ein, zwei Nachrücker.

Ziel sei es, unter die besten drei Nationen zu kommen, sagte Tabor. "Wir sind und bleiben eine Sportnation", erklärte der Chef de Mission. Er sehe großes Potenzial in der Mannschaft und hoffe auf eine ähnliche Ausbeute wie vor vier Jahren. In Peking hatten die Deutschen damals 27 Medaillen geholt; zwölfmal Gold, zehnmal Silber und fünfmal Bronze. Wie schon 2018 in Pyeongchang waren sie im Medaillenspiegel damit Zweiter hinter Norwegen geworden. 

Und diesmal? Das deutsche Haus in Cortina müsse ein "Sehnsuchtsort" für die Sportlerinnen und Sportler sein, meinte Tabor. Er hoffe, dass man alle Medaillengewinner dort begrüßen könne - und sei es aufgrund der großen Entfernungen zwischen den Wettkampfstätten auch mal einen Tag später. 

Hoffnung auf "goldene Eisbahn"

Besonders große Hoffnungen ruhen wie gewohnt auf den Bob- und Rodelstars. "Wir gehen davon aus, dass wir in Cortina die eine oder andere Medaille gewinnen und die Eisbahn für uns eine goldene Eisbahn werden könnte", sagte Tabor. Auch in der Nordischen Kombination gehören die Deutschen zu den Favoriten. Zudem hoffe er auf die eine oder andere Überraschung, meinte der 54-Jährige. Er verwies auf das grandiose Comeback von Top-Snowboarderin Ramona Hofmeister, die sich nach monatelanger Verletzungspause zuletzt mit gleich zwei Weltcup-Siegen im Parallel-Riesenslalom zurückgemeldet hat.

Olaf Tabor ist Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams in Italien.
Olaf Tabor ist Chef de Mission des deutschen Olympia-Teams in Italien. Bild: Peter Kneffel/dpa

Dass die Winterspiele auf europäischem Boden stattfinden und dadurch auch Familien und Freunde einfacher anreisen können als zuletzt, soll die deutschen Medaillenjäger zusätzlich beflügeln. Sie freue sich, "viele bekannte Gesichter zu sehen", sagte Snowboardcrosserin Jana Fischer, die schon 2018 in Südkorea und 2022 in China dabei war - dort coronabedingt vor vier Jahren allerdings ohne Zuschauer.

Mailand liege ja quasi "vor der Haustür", sagte Eishockey-Profi Fabio Wagner vom EHC Red Bull München. Es sei eine "große Ehre, Deutschland vertreten zu dürfen" und eine "tolle Herausforderung", dass diesmal auch die Stars aus der nordamerikanischen Topliga NHL wieder dabei sein werden.

Quotenregelung sorgt für Härtefälle

85 Frauen und 98 Männer gehören bisher zum Team Deutschland, 48 davon zu den beiden Eishockey-Mannschaften. Bei den alpinen Skirennfahrern wurde zunächst nur ein Pool nominiert, die genauen Namen folgen erst noch. Hintergrund ist die geringe Anzahl an Quotenplätzen, die sich womöglich aber noch leicht ändert. "Ich bin nicht glücklich über diese Situation. Ich glaube, das ist auch für die betroffenen Athletinnen und Athleten unglücklich, weil sie warten müssen", so Tabor. Die Thematik werde weiter für Diskussionen sorgen.

Wie erwartet nicht dabei ist unter anderem Skisprung-Star Karl Geiger, der die nationale Norm nicht erfüllt hat. Für die Rodel-Weltmeister im Doppelsitzer Paul Gubitz und Hannes Orlamünder gab es keinen Startplatz mehr.

Fahnenträger-Duo wird noch ermittelt

Ihre Kleidung für das Saisonhighlight nahmen die deutschen Olympia-Starter in den vergangenen Tagen in München entgegen. "Coole Sachen" seien da dabei gewesen, sagte Snowboarderin Fischer. Wer bei der Eröffnungsfeier im altehrwürdigen Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion die Fahne tragen darf, entscheidet sich erst noch. Wie schon bei den vergangenen Spielen werden eine Fahnenträgerin und ein Fahnenträger den Tross gemeinsam anführen.

Der DOSB trifft eine Vorauswahl aus drei Athletinnen und Athleten, über die dann in einem öffentlichen Voting abgestimmt wird. Das Ergebnis soll am 5. Februar verkündet werden - einen Tag vor dem Auftakt des Winter-Highlights. (dpa)

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