Pechvogel lässt sich nicht unterkriegen

Auswahlturner Ivan Rittschik vom KTV Chemnitz muss erneut länger pausieren. Trotzdem hält er an seinem großen Ziel fest.

Chemnitz.

Wie viele Rückschläge kann ein Turner in seiner leistungssportlichen Karriere verkraften? Ivan Rittschik stellt sich diese Frage nicht, sondern blickt auch in der aktuellen Zwangspause in die Zukunft. "Wenn die Sache ohne Probleme verheilt, werde ich in jedem Fall angreifen, alles versuchen", blickt der Chemnitzer bereits ins kommende Jahr voraus, denn ein Start bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio bleibt weiterhin sein großer Traum. Seit klar ist, was passierte, spielt ein Aufgeben keine Rolle mehr in seiner Gedankenwelt.

"Wäre erneut das Kreuzband kaputt, hätte ich es nie im Leben geschafft. Aber das ist zum Glück intakt", berichtet der 26-Jährige. Am Montag musste er sich in der Berliner Charité von Dr. Tobias Jung zum nunmehr dritten Mal am rechten Knie operieren lassen. "Es wurden beide Menisken genäht, die OP ist gut verlaufen", fügt Ivan Rittschik, der am Donnerstag das Krankenhaus verlassen durfte, hinzu. Vier bis sechs Wochen darf er sich nunmehr nur auf Krücken bewegen, erhält intensive physiotherapeutische Behandlungen.

Die Absage der Deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin schmerzt natürlich weniger als das Verpassen der Heim-WM, die im Oktober in Stuttgart stattfindet. Die nationalen Titelkämpfe gelten bei den Männern als erster Qualifikationswettkampf. Das Missgeschick passierte während des Trainings am 2. Juli beim letzten Sprung. "Bei der Landung hat es ordentlich geknackt, ich konnte mein Knie nicht mehr strecken", schildert der Auswahlakteur, der sich zu jener Zeit auf einem äußerst hoffnungsvollen Weg befand: "Ich war bis dahin sehr gut drauf, wie selten zuvor."

Ivan Rittschik kennt derartige bittere Momente in seiner bisherigen Laufbahn leider zur Genüge. 2012 zog er sich beim Abschlusstraining vor den Deutschen Meisterschaften in Düsseldorf den ersten Kreuzbandriss zu. Nach OP und Zwangspause kämpfte er sich wieder heran, feierte im Frühjahr 2013 sein Debüt bei einer EM. Beim Saisonauftaktwettbewerb im März 2014 passierte das gleiche Malheur. Zunächst wurde damals die Heilung ohne medizinischen Eingriff versucht, doch letztlich musste er im März 2015 erneut unters Messer. Im Januar 2018 folgte dann noch eine Schulteroperation. Dazu kamen kleinere Verletzungen, die für ungeplante Auszeiten in der Vergangenheit sorgten.

Doch "Wanja", der als 13-Jähriger aus seiner Heimatstadt Vilnius über verwandtschaftliche Kontakte an den Bundesstützpunkt nach Chemnitz wechselte, kam mit Vehemenz und Ehrgeiz immer wieder zurück. In Deutschland gilt er als der Turner mit dem besten Fähigkeiten am von vielen ungeliebten Pauschenpferd. An seinem Paradegerät gewann er bisher zwei Meistertitel und weitere Medaillen. Zudem holte der Schützling von Trainer Sven Kwiatkowski im Mehrkampf auf nationaler Ebene zweimal (2017, 2018) Bronze. Sogar das Topereignis war 2016 schon ganz nah. Als das deutsche Team im April in Rio die Olympiaqualifikation schaffte, hatte er mit drei gelungenen Auftritten maßgeblichen Anteil daran. Doch später bei der Nominierung blieb ihm nur die Rolle des Ersatzmannes. Auch bei Ivan Rittschik stirbt die Hoffnung zuletzt ...

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