Rad-DM am Sachsenring: Hitzeschlacht und Badbergparty

Maximilian Schachmann heißt der Deutsche Straßenradmeister 2019. Der Profi setzte sich bei Sahara-Wetter am Sachsenring durch. Auch Lokalmatador Marcus Burghardt hatte Grund zur Freude.

Hohenstein-Ernstthal.

Zum Schluss warteten die Zuschauer nur noch, wie die Stallregie ausfallen würde. Das übergeordnete Ziel des bayerischen Profiteams Bora-hansgrohe war bereits frühzeitig im 181,1 Kilometer langen Meisterschaftsrennen auf dem Sachsenring erfüllt. Denn auch im dritten Jahr bleibt das schwarz-rot-goldene Trikot bei den Bora-Männern, die am Sonntag das 190 Mann starke Feld der Titelkämpfe förmlich zerlegt hatten. Nur 15 Pedaleure erreichten am Ende das Ziel. In den letzten Runden konnten Lokalmatador Marcus Burghardt, Andreas Schillinger und der neue Meister Maximilian Schachmann mit über einer Minute Vorsprung vor dem arg geschrumpften Feld schon mal proben, wenn am zweiten Tag der Tour de France am kommenden Sonntag das Teamzeitfahren in Brüssel ansteht. "Das war letztlich auch für uns überraschend, dass wir so dominiert haben", sagte Schachmann und wollte gar nicht groß über sich reden: "Das ging nur mit einer überragenden Teamleistung."

Allen voran Marcus Burghardt. Der gebürtige Zschopauer überließ als Zweiter dem Teamkollegen am Sonntag gern das Rampenlicht. "Ich hatte ein schönes Jahr im Meistertrikot. Und ich denke, dass es von Max bei der Tour sehr gut repräsentiert wird", sagte Burghardt an seinem 36. Geburtstag. Auf die Frage, die kommen musste, hatte er nur ein müdes Lächeln übrig: "Geschenkt kriegt man ja heutzutage nichts mehr."

Seine Nachfolger, die jungen Radsportler vom RSV Venusberg, hatten ihm aber bereits vor dem Start ein Präsent zum Ehrentag überreicht. Danach hieß es, bei drückender Hitze Schwerstarbeit zu leisten. 14 Trinkflaschen leerte der Lokalheld während des Rennens, das vor allem beim Verlassen und Auffahren auf den Motorrad-Grand-Prix-Kurs in einer engen Passage Gefahren mit sich brachte. "Jedem war bewusst, dass es dort krachen kann. Deshalb bin ich froh, dass alle vernünftig gefahren sind", sagte Schachmann. Der viertplatzierte Nils Politt war angetan von der Atmosphäre, sagte aber auch: "Ein Rundkurs wäre schöner gewesen. Das Rennen hat mir gezeigt: Ich bin für die Tour in Form." Im Zwei-Mann-Team mit Rick Zabel (Katjuscha) sah sich der Kölner ohnehin nur in der Außenseiterrolle gegenüber der siebenköpfigen Bora-Streitmacht. "Da kannst du höchstens reagieren, aber nicht agieren", meinte Politt und hakte das Rennen als gelungene Generalprobe für die Frankreich-Schleife ab.

Für Marcus Burghardt wird es die elfte Tour seiner Karriere. Vor zwei Jahren siegte er noch bei seinem Meisterschafts-Heimspiel in Chemnitz vor Teamkollege Emanuel Buchmann, der diesmal zugunsten des Höhentrainings verzichtet hatte. Im Vorjahr triumphierte im Sprint Pascal Ackermann, der bei einer Massenankunft auf dem Motorrad-Grand-Prix-Kurs am Sachsenring die Bora-Trumpfkarte gewesen wäre. Doch dieses Szenario stand so gut wie nicht auf dem Zettel der deutschen Vorzeigemannschaft im Radsport. "Mir war mir klar, dass es auf diesem schweren Kurs nicht im Zielsprint entschieden wird", meinte Burghardt, bevor er seine Tochter und Ehefrau im Zielareal in die Arme schloss. Und schon gar nicht, wenn drei Fahrer aus einem Team dem Ziel entgegen fahren. ",Schachi' war heute unser Kapitän. Das ist so im Radsport", sagte der Wahl-Bayer.

Während die Profis Stärke und eine gute Form für den Saisonhöhepunkt demonstrierten, blieb für 175 Rennfahrer die Ziellinie unerreicht. Aufgrund der Streckenführung mit dem Hin- und Rückweg auf einer Straße wurde aus Sicherheitsgründen eine relativ geringe Karenzzeit von zwei Minuten zur zusätzlichen Erschwernis für so manchen Amateurfahrer. Aber auch sie werden die Meisterschaft in guter Erinnerung behalten. Am Badberg, wo 1960 bei der WM Radsportgeschichte geschrieben wurde, sorgten viele Fans und Radsportler aus der Region für Partystimmung. Bei Musik vom DJ, kalten Getränken und großer Begeisterung für die Asphaltritter ließ es sich in der Hitze aushalten. Auch wenn sie von Runde zu Runde weniger Fahrer zu Gesicht bekamen.


Brennauer im Spurt nicht zu schlagen 

Gebürtige Allgäuerin holt zweiten Titel nach 2014 

Gegen den Spurt von Lisa Brennauer war kein Kraut gewachsen und die Titelträgerin im Ziel völlig überwältigt. "Ich freue mich mega über den Straßentitel, nachdem ich mir im Zeitfahren mehr ausgerechnet hatte", sagte die 31-Jährige, nachdem sie am Freitag im Kampf gegen die Uhr Bronze geholt hatte. Auf dem Sachsenring setzte sich die in Kempten geborene Fahrerin im Sprint einer sechsköpfigen Spitzengruppe durch und holte sich den zweiten Straßeneinzeltitel nach 2014. "Das Finale war mir eigentlich auf den Leib geschnitten. Es war aber auch ein anspruchsvoller Kurs. Für mich war die Strecke sicherlich schwer, aber nicht zu schwer", sagte die Dame vom Team WNT-Rotor Pro Cycling Team. Auf den Plätzen folgten Lisa Klein (Team Canyon) und Vorjahresmeisterin Liane Lippert (Sunweb Woman)

Das Rennen über etwas mehr als 100 Kilometer hatten Punkt 8 Uhr 74 Damen in Angriff genommen, wobei schon in der zweiten Runde die ersten Sportlerinnen dem Tempo nicht mehr folgen konnten. Am Ende waren es 23 Fahrerinnen, die das Ziel erreichten. Das Finale bestand aus drei Runden, die auf dem Grand-Prix-Kurs gefahren wurden. "Da ging es immer wieder hoch runter, es gab zahlreiche Attacken. Dabei hat meine Teamkollegin Kathrin Hammes für mich sehr viel Arbeit geleistet", sagte Brennauer.

Für das thüringisch-sächsische maxx-solar-Lindig-Team lief es auch gut. Leider kollidierten in der vorletzten Runde Romy Kasper und Beate Zanner vom maxx-solar-Team und stürzten. "Das ist sehr schade, denn Beate war gut drauf. Aber ich klage darüber nicht, denn so ist Radsport", sagte Teamchef Bert Dressel aus Chemnitz. Immerhin setzten sich seine Schützlinge gut in Szene. Carolin Schiff wurde zwei Sekunden hinter der Siegerin Sechste. (kbe)


Wasserschwämme, Dusche, Regenschirme als Sonnenschutz 

Von 11 bis 15 Uhr nicht der Sonne aussetzen und Bewegung meiden: Die Empfehlung des Wetterdienstes war für die Pedalritter der Deutschen Meisterschaften nur schwer umsetzbar. Knapp 40 Grad Celsius herrschten an der Strecke rund um den Sachsenring, auf dem in besagtem Zeitraum die Männer ihren Titelträger ermittelten.

Laut Rettungsleitdienst Zwickau wurden keine hitzebedingten Vorfälle in Verbindung mit der Radmeisterschaft vom Veranstalter gemeldet.

Der BDR hatte die Öffnungszeiten des Buffets, das kurzfristig in den Motorrad-Grand-Prix-Kurs integriert wurde, verlängert. Doch für richtige Abkühlung sorgte das freilich nicht. Thomas Lienert vom Team RU Wangen stöhnte schon vor dem Start: "Da strengt schon das Warten in der Sonne bei der Einschreibung an."

Nach dem Damenrennen wurde im Zielbereich der Krankenwagen angefordert, da eine Fahrerin offenbar einen Hitzekollaps erlitten hatte.

Am Badberg wurden den Athleten Wasserschwämme gereicht. Mindestens ein Anwohner stellte Fahrern, die vorzeitig ausgestiegen waren, seine Dusche zur Verfügung. Die Zuschauer suchten sich schattige Plätzchen. Regenschirme dienten nicht selten als Sonnenschutz.

Aus welchem Holz Radprofis geschnitzt sind, sagte der neue Meister nach dem Rennen. Max Schachmann: "Klar war es ziemlich heiß. Aber es ist auch keiner vom Rad gefallen und gestorben." Nur gut so ... (tp)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...