Mainz-Trainer Urs Fischer blickt auf das Spielfeld der Alten Försterei.
Mainz-Trainer Urs Fischer blickt auf das Spielfeld der Alten Försterei. Bild: Soeren Stache/dpa
1. Bundesliga
Rückkehr des Urs': Mainzer Hoffnungen trotz Tor-Schmerz

Ein emotionales Remis für Urs Fischer: Mainz bringt Union mit seinen Prinzipien ins Wanken, doch der ersehnte Befreiungsschlag misslingt. Warum für die 05er trotzdem Hoffnung bleibt.

Berlin.

Union Berlins Medienchef Christian Arbeit erfüllt seine Aufgaben grundsätzlich mit viel Liebe zum Detail. Urs Fischer nicht versehentlich aus alter Gewohnheit den Platz des Heimtrainers auf dem Pressepodium zuzuteilen, war für ihn der schwerste Job nach dem 2:2 gegen den FSV Mainz 05, wie er mit einem Augenzwinkern verriet. 

So hängte Fischer seine Trainingsjacke über den Griff eines Fotografenkoffers und stand bei der Analyse eines recht dramatischen Unentschiedens in dem engen Raum im Stadion an der Alten Försterei diesmal links von Arbeit und nicht wie früher rechts. Die Ordnung war gewahrt am Ende des Tages, der für die Mainzer vom Abstiegskampf und für die Berliner vom Fischer-Rückkehr-Hype dominiert war.

Alle, die es mit den Mainzern halten, dürften erleichtert zur Kenntnis genommen haben, was der für die Rheinhessen noch recht neue Coach nach seiner emotionalen Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, wo er lebenslangen Kultstatus genießt, zum Besten gab. 

Fischers Worte bleiben gleich

Das klang sehr ähnlich dem, was Fischer auch als Union-Coach gut fünf Jahre lang immer wieder gepredigt hatte und zu großen Erfolgen führte. Die Grundbegriffe lauten immer noch: "Kontrolle", "Prinzipien" und "Arbeit". Damit soll der Tabellenletzte die Trendwende im Bundesliga-Abstiegskampf schaffen. 

"Logisch" ist auch ein Wort, das Fischer immer noch gerne und oft benutzt. "Logisch", dass die Dramaturgie der Partie ihm nicht gefiel. "Normalerweise sollte man, wenn man hier einen Punkt mitnimmt, zufrieden sein, das sind wir heute aber nicht ganz. In unserer Situation wären drei Punkte besser gewesen", sagte Fischer. 70 Minuten ging sein Plan auf. Er ärgerte Union mit Union-Mitteln, die natürlich Fischer-Mittel sind. Kompakt und eklig spielten die Mainzer. 

Nadiem Amiri (l.) und Benedict Hollerbach (r.) trafen für Mainz in Berlin.
Nadiem Amiri (l.) und Benedict Hollerbach (r.) trafen für Mainz in Berlin. Bild: Soeren Stache/dpa

Die Tore von Nadiem Amiri (30.) und Benedict Hollerbach (69.) reichten aber nicht, weil Union das tat, was Fischer einst in Berlin-Köpenick predigte: Nicht aufgeben. Wooyeong Jeong (77.) und Marin Ljubicic (86.) sorgten für das späte Remis. "Heute tut weh", stellte Amiri kurz und bündig fest. 

Wichtiges Duell mit Heidenheim

Ein Punkt, der dritte unter Fischer im dritten Bundesliga-Spiel war zu wenig. Und hilft doch ein bisschen, weil Hauptkonkurrent 1. FC Heidenheim gegen den 1. FC Köln auch 2:2 spielte und Vorsprünge hergab. Am Dienstag kommt es für die Mainzer nun zum direkten Duell. Dann kann mit einem Sieg zumindest mal Platz 18 abgegeben werden. 

Natürlich war die Partie bei Union für Fischer mehr als ein Auswärtsspiel im Abstiegskampf. Mehr als fünf Jahre hatte er den Club als Coach geprägt, von zweiter Liga bis zur Champions League. "Natürlich war es ein toller Tag. Ich habe viele Leute getroffen, mit denen ich erfolgreich zusammengearbeitet habe", sagte der 59-Jährige. Jetzt müssen aber Erfolge in Mainz her. Man müsse "noch ekliger" werden, forderte Kapitän Silvan Widmer. Logisch. (dpa)

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