"Rund um Zschopau ist eines WM-Laufs würdig"

Edward Hübner gehört zu den wenigen Deutschen in der Enduro-WM. Der Sachse geht sein Heimrennen dieses Wochenende mit gemischten Gefühlen an und klagt über das Niveau der Deutschen Meisterschaft.

Zschopau.

Edward Hübner wählt seine Worte mit Bedacht. Leise, fast ein wenig schüchtern spricht er in sich hinein. Aber das, was der 27-Jährige sagt, sitzt: "Entweder ganz oder gar nicht - ich will gegen die Besten der Welt fahren. Wenn ich bloß noch in Deutschland fahren könnte, würde ich aufhören", sagt der Enduro-Pilot aus Penig, der in diesem Jahr zum ersten Mal in der WM startete und nach dem letztem Rennen auf dem 9. Gesamtrang seiner Klasse landete.

Auch bei Rund um Zschopau heute und morgen hat der Sachse ein klares Ziel: "Hier rechne ich mir gute Chancen aus, das Championat zu gewinnen." Das bedeutet, dass er nicht nur in seiner Motorradklasse die Nase vorn haben will, sondern übergreifend den Tagessieg. Genau das war ihm mit seiner kleineren Maschine in diesem Jahr in der Deutschen Enduro-Meisterschaft (DEM) nicht gelungen.

Zwar dominierte er die E1-Klasse, aber im Championat rangiert er drei Veranstaltungen vor Saisonende auf dem dritten Platz. "Bei der WM sind die Tests so gebaut, dass man mit einem kleinen oder einem großen Motorrad gewinnen kann. Dadurch ist das Fahrerische entscheidend", erklärt Hübner, den alle nur Eddie rufen. "Hier in Deutschland ist das Problem, dass das Fahrerische nicht mehr überwiegt: Wenn du ein größeres Motorrad hast, hast du bessere Chancen." Der als anspruchsvoll berüchtigte Kurs im Erzgebirge sei eine Ausnahme. "Rund um Zschopau ist eines WM-Laufs würdig - bei den anderen Veranstaltungen ist es häufig nur gehobenes Hobbyniveau."

Sein Teamchef Harald Sturm, selbst Welt- und viermaliger Europameister auf MZ, kennt den Ehrgeiz seines Schützlings. "Er steht sich damit manchmal selbst im Weg", meint der 61-jährige Erzgebirger. Er stimmt mit Hübner überein, dass die Konkurrenz mit den größeren Motoren in der DEM Vorteile hat - aber: "Wer ganz nach oben will, muss auf jedem Boden, mit allen Gegebenheiten klarkommen."

Dass Hübner den Weg bis an die Weltspitze findet, war vor zehn Jahren noch undenkbar. Mit 15 Jahren fing er mit dem Motorsport an. "Meine Eltern hatten die Mittel nicht. Erst als ich in die Lehre reingekommen bin und den einen oder anderen Euro selbst verdient habe, konnte ich anfangen", berichtet der KTM-Pilot. Mit seinem 9. Platz in der WM ist er zufrieden, hofft aber, sich im nächsten Jahr mit der gesammelten Erfahrung steigern zu können. "Vor Jahren war ich noch nicht so effektiv, habe viel gelernt. Manchmal muss man sich zurückhalten und woanders Zeit gutmachen. Wenn man jung ist, ist man verrückt."

Von diesen Erfahrungen will er auch morgen auf der Strecke rund um die Erzgebirgsstadt profitieren. Ein Wochenende, das er nicht komplett genießen kann: "Es macht schon Spaß: Die vielen Menschen, die Atmosphäre - Zschopau ist einzigartig. Aber ich fahre lieber weit weg. Das Heimspiel ist immer mit zusätzlichem Druck verbunden. Da ist es schwer, den Kopf freizubekommen." Vier bis fünf Jahre will Hübner noch in der WM fahren. Sein Ziel: das Podium. Und danach? Auch zu seinem Abgang gibt er eine klare Ansage: "Wenn ich aufhöre, dann höre ich auf und fahre nicht hier und da noch ein Rennen."

Rund um Zschopau 2015 - Zwei Neuerungen und ein Rekord

Zum ersten Mal wird bei Rund um Zschopau der Prolog heute Abend vom ehemaligen MZ-Neuwerk, jetzt Gelände der Firma Klädtke Metallverarbeitung, in Hohndorf gestartet. Der Parcours führt durch einen Rohbau und die umliegenden Freiflächen. Der Veranstaltungsrekord wurde dieses Jahr mit mehr als 400 Anmeldungen geknackt. Weil diese Anzahl jedoch schlicht zu hoch ist, musste der Veranstalter, der MSC Rund um Zschopau, 50 Interessenten absagen.

Die Strecke ist traditionell ein Rundkurs um Zschopau. Die geplante Rundenlänge beträgt knapp 90 Kilometer. Der als sehr anspruchsvoll geltende Kurs hat einen Geländeanteil von rund 80 Prozent. Neu im Vergleich zum Vorjahr ist der Enduro-Test bei Weißbach.

Strecke: Fahrerlager und Parc Fermé am alten MZ-Werk, Sonderprüfung 1: Crosstest am Skihang Zschopau, Streckenabschnitt unter der Hochspannung in Börnichen, Auffahrt am Steinbruch Truschbach in Waldkirchen, Streckenabschnitt "Under the bridge" in Zschopau, Felsen-Auffahrt in Weißbach, Sonderprüfung 2: Endurotest 1 Areal rund um die Motocross-Strecke Weißbach, Yamaha-Auffahrt "Weberhang" in Venusberg/Ortsteil Spinnerei, Sonderprüfung 3: Endurotest 2 Steinbruch Venusberg, Yamaha-Auffahrt Teufelsberg in Scharfenstein.

Zeitplan: Freitag, 19 Uhr Start des Prologs; Samstag, 8 Uhr Start der Wertungsprüfungen auf dem Markt in Zschopau, 20 Uhr Siegerehrung aller Klassen im MZ-Altwerk.

Der Eintritt für beide Tage kostet 10 Euro, Tagesticket nur für Sonnabend 5 Euro. Kinder bis 12 Jahre frei.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...