Sachsenring-Grand-Prix: 2020 gestrichen, 2021 sicher

Der diesjährige deutsche Lauf in der Motorrad-WM ist ersatzlos abgesagt worden. Veranstalter ADAC appelliert an die Fans und die sächsische Landesregierung.

Hohenstein-Ernstthal. Der ADAC bemühte sich, die bittere Pille für die Fans des Sachsenring-Grand-Prix möglichst erträglich zu machen. In der schriftlichen Stellungnahme des Veranstalters am gestrigen Mittwoch steht kein Wort von einer Absage. Man habe mit dem W-Rechteinhaber Dorna entschieden, "den Motorrad-Grand-Prix in diesem Jahr auszusetzen und das Rennen im Sommer 2021 auszutragen".

Auf die Zukunft des Sachsenring-GP habe die Verschiebung keine Auswirkungen, versicherte der ADAC. Man befinde sich seit dem vergangenen Jahr mit der Dorna in Gesprächen, um den bis einschließlich 2021 laufenden Vertrag zu verlängern. Selbst in der Coronakrise lägen die Verhandlungen nicht auf Eis, erklärte Thomas Voss, Motorsportchef des ADAC, in einer telefischen Pressekonferenz am Mittwochnachmittag.


Die Dorna und der Weltverband FIM strichen am Mittwoch neben dem Sachsenring auch die Rennen in den Niederlanden (28. Juni) und Finnland (12. Juli). Die drei Veranstaltungen sind die ersten Grands Prix, die wegen der Corona-Pandemie ersatzlos abgesagt wurden. Bisher verlegte die Dorna die Rennen.

Vor zwei Wochen, als die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August beschlossen hatten, hatte der ADAC noch gehofft, den Sachsenring-Grand-Prix im Herbst nachholen zu können. Die Unsicherheiten, wie es nach dem 31. August weitergeht, wären aber zu groß gewesen, meinte Voss: "Wird das Verbot verlängert? Dürften überhaupt alle Teams und Fahrer anreisen? Hätten wir aufgrund von möglichen Einschränkungen alle Zuschauer reinlassen dürfen? Um Planungssicherheit zu haben, mussten wir schweren Herzens diesen Schritt gehen."

Über einen Grand Prix ohne Zuschauer, so wie es die Formel 1 derzeit plant, diskutierten auch die Verantwortlichen des ADAC und der Dorna - allerdings nur kurz, berichtete Voss: "Der Sachsenring-Grand-Prix lebt von den Fans. Ein Geisterrennen macht keinen Sinn." Finanziell wäre der Sachsenring ohnehin eine schlechte Wahl für einen WM-Lauf vor leeren Rängen: Als nicht permanente Rennstrecke verursacht der Aufbau und die Vorbereitungen auf dem Traditionskurs deutlich mehr Kosten als anderswo.

Den Motorsportfan mag die Aussicht auf volle Tribünen im nächsten Jahr trösten. Für zahlreiche, durch die Coronakrise ohnehin gebeutelte Unternehmen der Region rund um die Strecke ist das nur bedingt ein Trost. Denn die Einnahmen, die zehntausende Zuschauer und der WM-Tross seit 22 Jahren in die Kasse spülen, fallen dieses Jahr einfach weg. "Ich schätze, dass der Verlust für die Region insgesamt im zweistelligen Millionenbereich liegen wird", meinte Peter Weidinger, Vorstandsmitglied für Sport beim ADAC Sachsen.

Wie hoch die Verluste für den ADAC aufgrund der Absage ausfallen, konnte Voss noch nicht beziffern. "Es ist nichts, was uns gefährdet", unterstrich er. Dennoch appellierte er an Fans und Politik. "Die Gespräche mit der Dorna für eine Vertragsverlängerung waren bereits sehr weit. Aber jeder weiß, dass die Finanzierung des Grand Prix schwierig ist. Umso mehr sind wir auch wegen der Coronakrise nun auf die Fans angewiesen." Die regionalen Veranstalter wie der ADAC finanzieren sich maßgeblich aus Zuschauereinnahmen. Voss kündigte außerdem Gespräche mit der Landesregierung an: "Es würde sehr helfen, wenn der Freistaat sich zum Sachsenring-Grand-Prix bekennt und ihn finanziell unterstützt - so wie er es mit anderen Sportveranstaltungen macht."sesi

Karten für den Sachsenring-Grand-Prix 2020 bleiben für nächstes Jahr gültig. Fans, die Tickets zurückgeben möchten, können sich telefonisch über eine Hotline (03723/8099111) oder per E-Mail (info@sachsenring-event.de) an den ADAC wenden. Mehr Informationen hier.


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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    harzruessler1911
    30.04.2020

    Meines Erachtens die beste Lösung.
    Einerseits wegen der Planbarkeit und da sicher keiner an solche einem Event im kalten, regnerischen Herbst teilnehmen möchte.
    Meine Tochter hat auch zwei Karten, über den MotorGP Ticketdienst GooTickets gekauft, ursprünglich für 2019. Da der Termin allerdings mit einem Urlaub des Begleiters zusammenfiel, fragte man an ob eine Möglichkeit bestünde diese als Guthaben für 2020 zu hinterlegen , da keine Versicherung bestand.
    Tatsächlich, kümmerte sich der zuständige Kundendienst für den deutschprachigen Raum, excellent und individuell um die Anfrage, besonders eine Frau Gamer, welcher wir an dieser Stelle noch einmal Danke sagen möchten und hoffen , dass sie nach wie vor in dem Bereich tätig ist.Man hinterlegte uns den Ticketpreis als Guthaben, ausgenommen der Bearbeitungsgebühr von 19€, was aber absolut korrekt war, so dass nun für 2020 die Tickets erworben werden konnten.
    Die aktuelle Situation konnte keiner voraus sehen, durch die äußerst kundenfreundliche Bearbeitung durch Frau Gamer und ihrem Team, hat man sich natürlich einen Vertrauensvorschuss unserseits verdient, so dass unsere Tochter nicht auf eine Rückzahlung besteht , sondern die Möglichkeit für 2021 in Anspruch nimmt.
    Selten solch eine Kundenbetreuung erlebt, welche einen Fehler des Kunden so super bearbeitet hat und sich nicht mit horrenten Umbuchungs- und Strafzahlungen, wie man es oft bei Reise oder Flugbuchungen erlebt, bereichern will.
    Ich hoffe Sie dürfen den Namen der Dame mit veröffentlichen, in einer offiziellen Bewertung für GooTickets bei Trustpilot gab es auf jeden Fall kein Problem diesbezüglich. Vielleicht schafft der Beitrag auch etwas Vertrauen bei anderen Fans und Kunden.