Sachsenring-Grand-Prix: Freistaat hilft Veranstalter mit 270.000 Euro aus

Die Zahlungsfähigkeit der Sachsenring-Rennstrecken-Management-GmbH (SRM) wäre ohne die Unterstützung des Freistaats Sachsen gefährdet. Unterdessen zeigt man sich zuversichtlich, dass die Motorrad-WM auch künftig in Hohenstein-Ernstthal steigt.

Dresden/Hohenstein-Ernstthal.

Der Freistaat Sachsen hat den Veranstalter des deutschen Motorrad-Grand-Prix, die Sachsenring-Rennstrecken-Management-GmbH (SRM), vor finanziellen Schwierigkeiten gerettet: Das Kabinett gab am Dienstag nach Informationen der "Freien Presse" bis zu 270.000 Euro frei, um die Zahlungsfähigkeit der SRM aufrechtzuerhalten. Regierungssprecher Ralph Schreiber bestätigte dies auf Nachfrage.

Die Regierung begründet ihr Eingreifen mit der unterplanmäßigen Entwicklung bei den Ticketverkäufen. 193.355 Zuschauer hatten vor einem Monat den Motorrad-Grand-Prix besucht. Die Marke, um das Rennwochenende rentabel zu veranstalten, liegt bei 200.000 Besuchern. 2017 hatte die SRM nach eigenen Angaben einen Verlust im hohen sechsstelligen Bereich, nachdem die Besucherzahlen auf 164.801 gesunken waren. "Durch den Kabinettsbeschluss wird die Zahlungsfähigkeit weiterhin gesichert. Wir haben zwar die angestrebte Marke nicht erreicht, dennoch war der Grand Prix 2018 ein Schritt in die richtige Richtung", sagte SRM-Geschäftsführerin Nadin Pohlers.

Der sechsstellige Betrag soll zunächst als Darlehen zu marktüblichen Zinsen gewährt werden. Sachsen will aber bei der Europäischen Union beantragen, dass es die finanziellen Mittel als Beihilfe an die SRM weiterreichen kann. Dann müsste der Veranstalter die Summe nicht zurückzahlen. Allerdings ist eine staatliche Beihilfe nur unter bestimmten Kriterien möglich. Der Freistaat Sachsen argumentiert, dass der Sachsenring von hoher Bedeutung für die Region und Ostdeutschland allgemein sei. Falls die EU die staatliche Beihilfe nicht absegnet, muss die SRM das Geld bis zum
30. September 2019 zurückzahlen.

Unterdessen ist weiter unklar, ob in den nächsten Jahren überhaupt ein Sachsenring-Grand-Prix steigt. Der ADAC, Lizenznehmer des WM-Laufs, hatte im Mai den Vertrag mit der SRM gekündigt. Bisher konnte man sich nicht auf einen neuen Kontrakt einigen. Ein Treffen gab es seit dem Rennen vor einem Monat nicht, telefonisch wurden aber Gespräche geführt. "Die Vertragsverhandlungen laufen. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir zu einer Einigung kommen", sagte Pohlers.

Vor dem Grand Prix Mitte Juli war die Stimmung in Hohenstein-Ernstthal deutlich schlechter. Der ADAC hatte im Mai den ursprünglich bis 2021 laufenden Fünfjahresvertrag gekündigt, da die SRM nicht die geforderten Bürgschaften für das Rennen 2019 vorweisen konnte. Eine Woche bevor die weltbesten Motorradpiloten auf dem Traditionskurs ihre Runden drehten, hatte man aus der Zentrale des Automobilclubs öffentlich die nächste Eskalationsstufe gezündet. Man werde die Gespräche mit "anderen Rennstrecken intensivieren".

Seit dem Grand Prix ist es aber ruhig geworden. Dabei gibt es viele offene Fragen an den ADAC: Ist die Suche nach einer Alternative beendet, nachdem der Chef des internationalen WM-Vermarkters Dorna, Carmelo Ezpeleta, ankündigte, der Deutschland-GP werde zu 99,9 Prozent in Hohenstein-Ernstthal stattfinden? Wann muss der ADAC eine Strecke für 2019 angeben? Erwägt man eine Absage, sollte man sich nicht mit der SRM einigen? Oder übernimmt der ADAC Sachsen die Rolle des Veranstalters, wie in den Jahren 1998 bis 2011? Die schriftliche Antwort eines Sprechers auf die Anfrage der "Freien Presse" fallt kurz aus: "Es gibt in dieser Angelegenheit aktuell keinen neuen Sachstand, wir arbeiten weiter intensiv daran, dass die MotoGP auch zukünftig in Deutschland zu Gast ist."

Dass sich die SRM trotz der am Dienstag bekannt gewordenen Unterstützung inzwischen in einer besseren Verhandlungsposition befindet als in den Monaten zuvor, soweit will die Geschäftsführerin nicht gehen. "Wir schätzen unsere Position als sehr gut ein. Ob sie besser ist als vor dem Grand Prix, ist schwierig zu beurteilen", meinte Pohlers, fügte aber an: "Natürlich ist unsere eigene Situation besser, weil wir als SRM eine erfolgreiche Veranstaltung organisiert haben, weil die Zuschauer gezeigt haben, dass sie hinter uns stehen. Auch die Teams und die Offiziellen der WM betonten: Der Grand Prix gehört an den Sachsenring."

Um in den nächsten Jahren wieder mehr als 200.000 Fans anzulocken, stimmt sich Pohlers bereits mit dem in den Startlöchern stehenden Investor ab. Der Investment-Manager Matthias Moser will 75 Prozent der SRM übernehmen. Moser steigt frühestens am 1. Oktober ein, wenn das neue Geschäftsjahr der SRM beginnt. Es gibt aber zwei Bedingungen für eine Übernahme: Zum einen braucht die SRM grünes Licht von den Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten, zum anderen muss der neue Vertrag mit dem ADAC unterschrieben sein.

Die Lokalmatadore beim ADAC-GT-Masters-Wochenende

Bei den ADAC-GT-Masters geht am Sachsenring wieder das vogtländische Team Yaco-Racing an den Start. Die Schweizerin Rahel Frey und der Plauener Philip Geipel pilotieren einen Audi R8 LMS. "Der Kurs gilt auch als Audi-Strecke, daher sind wir optimistisch", sagte Frey.

In der Serie ADAC-TCR-Germany (TCR) hat der ADAC Sachsen ein eigenes Team am Start (Honda). Einer der Piloten ist der Chemnitzer Dominik Fugel. Der sächsische Routinier Steve Kirsch (Renault) hofft, die technischen Probleme der bisherigen Saison in den Griff zu bekommen. Im Porsche-Carrera-Cup fährt zudem Toni Wolf aus Schönbrunn mit.

Zeitplan: Freitag, ab 11.25 Uhr: Freie Trainings TCR, Spezial-Tourenwagen-Trophy, GT-Masters, Porsche-Carrera-Cup. Sonnabend, 9 Uhr: Zeittrainings TCR, Spezial-Tourenwagen-Trophy, GT-Masters, Porsche-Carrera-Cup; 12.45 Uhr: Rennen TCR, Spezial-Tourenwagen-Trophy; 15 Uhr: Rennen GT Masters; 16.30 Uhr: Rennen Porsche-Carrera-Cup; 17.15 Uhr: "Meet the Drivers" ("Triff die Fahrer") in Fahrerlager 2. Sonntag, 9 Uhr: Zeittrainings GT-Masters, Spezial-Tourenwagen-Trophy; 11.40 Uhr: Rennen Porsche-Carrera-Cup, 13.05 Uhr: Rennen GT-Masters; 14.45 Uhr: Rennen TCR; Spezial-Tourenwagen-Trophy.

Das Ticket für das gesamte ADAC-GT-Masters-Wochenende auf dem Sachsenring kostet 35 Euro, Tagestickets 25 Euro. Für Kinder unter zwölf Jahren ist der Eintrag frei. Freitags ist der Eintritt für alle frei. (sesi)

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1Kommentare
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  • 1
    2
    746770
    14.08.2018

    Ich sehe nicht ein, dass die Rettung des Sachsenrings zum wiederholten Male mit meinen Steuergeldern passiert.
    Der nimmersatte ADAC und die Dorna setzen jedes Jahr neue Daumenschrauben an, um Maximalprofit zu erzielen.
    Zum Ausgleich sollten die Nutznießer wie Wirtschaft, Hoteliers/Gastgewerbe und auch die Zuschauer zur Kasse gebeten werden.



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