Sächsische Rivalen, Unfälle und Chaos

Bei den Rennen der ADAC-GT-Masters auf dem Sachsenring verfehlten die beiden Lokalmatadore ihr Ziel. Auch, weil sie sich im ersten Lauf zu nahe kommen. Nach dem zweiten Rennen verlässt am Sonntag nur ein sächsischer Pilot zufrieden seine Heimstrecke.

Das Rennen von Marvin Kirchhöfer (links) und Philip Geipel (rechts) endet sonnabends vorzeitig. Auch Marcus Pommer (vorn) ist von der Kollision betroffen.
Philip Geipel - Audi-Pilot aus Plauen
Marvin Kirchhöfer - Corvette-Pilotaus Leipzig
Toni Wolf.

Für Sie berichtet: Sebastian Siebertz

Dicke Freunde werden Marvin Kirchhöfer und Philip Geipel wohl nicht mehr. Gleich in der ersten Kurve des ersten Laufs der ADAC-GT-Masters auf dem Sachsenring rauschten die beiden Sachsen in der Liga der Supersportwagen mit ihren Boliden ineinander. "Der Kirchhöfer drückt mich einfach raus", meinte der Audi-Pilot aus Plauen zu der Szene, die das Rennen für ihn und seine Fahrerpartnerin Rahel Frey mit einem Schlag beendete. "Die Corvette kommt aus dem Nichts: Ich war im Zweikampf mit einem anderen Auto, ich sehe sie ganz spät im Rückspiegel."

Der Leipziger konnte noch sieben Runden weiterfahren, dann musste er die Corvette jedoch wegen eines Unfallschadens abstellen. Zudem wurde der 24-Jährige von der Rennleitung um zehn Startplätze zurückversetzt, musste als 31. in den zweiten Lauf gehen. "Ich fand das völlig daneben", ärgerte sich Kirchhöfer, der mit seinem Cockpit-Kollegen Daniel Keilwitz immerhin noch auf Rang sieben fuhr. "In der Regel steht: Wenn ein Auto mit der vorderen Stoßstange auf der Höhe des anderen Autos ist, muss man Platz lassen. Das hat er nicht gemacht, sondern mich innen in die Wiese gedrängt. Die Ausrede, dass er mich nicht gesehen hat, kann ich nicht gelten lassen. Aber jeder sieht die Situation so, wie er es sehen mag."

Bereits vor einem Jahr waren die beiden Sachsen am Sachsenring nicht einer Meinung. 2017 war Geipel mit Kirchhöfers damaligen Fahrerpartner Indy Dontje kollidiert. "Derjenige, der das verursacht hat, sollte sich schämen", hatte Kirchhöfer geschimpft. Geipel war bestraft worden, hatte sich aber ungerecht behandelt gefühlt.

Dass die Offiziellen dieses Wochenende zu ihren Gunsten urteilten, nutzte Geipel/Frey recht wenig. Rennen eins endete im Kiesbett, und der Unfall von Sonnabend wirkte sich auch auf den zweiten Lauf aus. Die Schweizerin versemmelte sonntags das Zeittraining und das Duo vom vogtländischen Yaco-Racing-Team ging als 34. und damit letztes ins Rennen. "Rahel hatte wegen der Kollision kein Vertrauen ins Auto", nahm Geipel seine Fahrerpartnerin in Schutz. "Wenn in den Hochgeschwindigkeitspassagen am Sachsenring nicht alles passt, hast du das Gefühl, du fliegst bis ins Zentrum von Hohenstein-Ernstthal - dadurch kam das Ergebnis zustande."

Als der Audi nach dem Wechsel von Frey auf Geipel im Rennen am Sonntag plötzlich auf Rang 16 auftauchte, sah es kurz nach einem versöhnlichen Wochenende für die Vogtländer aus. Doch Geipel kassierte eine Durchfahrtsstrafe, weil der Audi R 8 beim Fahrertausch nicht die erforderlichen 70 Sekunden stand. "Wegen eines Software-Fehlers wurde uns auf dem Display die falsche Zeit angezeigt, und ich bin zu früh gefahren", erklärte der 31-Jährige frustriert, nachdem man mit dem Ausfall und Rang 20 das Heimrennen beendet hatte. "Wieder ein punktloses, enttäuschendes Wochenende."

Nicht nur für die Sachsen waren die Läufe turbulent. Am Sonnabend fuhr das Duo Timo Bernhard/Kévin Estre als Erster über den Zielstrich. Ob sie den Sieg behalten, war am Sonntag unklar. Am Porsche hatten die Regelhüter im Qualifikationstraining am Sonnabend einen Klebestreifen am Heckflügel als Regelverstoß geahndet und das Duo disqualifiziert. Bernhard/Estre legten Einspruch ein und starteten unter Vorbehalt von der Pole Position. Der Fall soll nun beim Deutschen Motorsport-Bund verhandelt werden.

Sonntag wurde das Rennen wegen zahlreicher Unfälle neu gestartet und danach komplett abgebrochen, zudem wurde dreimal das Safety Car auf die Strecke geschickt. Das Durcheinander war besonders groß, als die Rennleitung das Safety Car während des Fensters für den Fahrerwechsel auf den Kurs beorderte. In der unübersichtlichen Situation setzte sich das Sicherheitsmobil nicht wie üblich vor den Führenden. Mehrere Runden wusste offensichtlich niemand, wie die korrekte Reihenfolge war. Am Ende feierten Elia Erhart/Pierre Kaffer völlig überraschend den Triumph.

"Das war ein ganz schönes Chaos", meinte Kirchhöfer. "Ich wusste überhaupt nicht mehr, ob der Fahrer vor mir eine Runde zurück war oder nicht." Der Leipziger war aber zufrieden mit dem Ausgang eines schwierigen Wochenendes. Außer Kirchhöfer/Kleiwitz punkteten am Sachsenring im Titelrennen nur die neuen Spitzenreiter Mathieu Jaminet/Robert Renauer. Der Leipziger und der Badener gehen in zwei Wochen mit 17 Zählern Rückstand auf die Führenden in die zwei finalen Rennen in Hockenheim. Ein Rennsieg bringt 25 Zähler. "Es wird unglaublich knapp. Wir sind hochmotiviert", sagte Kirchhöfer.

 

Wolf verpasst Podest knapp 

 

Im Porsche-Carrera-Cup hat Toni Wolf (Foto) einen Platz auf dem Podium des Sachsenrings knapp verpasst. Der 19-Jährige aus Schönbrunn war am Sonntag im zweiten Lauf des Wochenendes von Rang vier ins Rennen gegangen, hatte sich eine Position nach vorn gekämpft. Doch sechs Runden vor Schluss musste er nach einem kleinen Fehler den Niederländer Larry ten Voorde vorbei lassen. Im ersten Rennen des Wochenendes landete Wolf auf Rang sechs. (sesi)

 

Ergebnisse

 

ADAC-GT-Masters, Rennen 1: 1. Bernhard (Homburg)/Estre (Frankreich) Porsche, unter Vorbehalt; 2. van der Linde/van der Linde (beide Südafrika) Audi + 4,822 Sek. zur.; 3. Sylvest (Dänemark)/ Schramm (Wümbach) Mercedes + 22,3. Rennen 2: 1. Erhart (Roth)/Kaffer (Bad Neuenahr-Ahrweiler) Audi 1:27:04,975 Std.; 2. van der Linde/van der Linde + 0,317; 3. Schmidt (Schweiz)/Mücke (Berlin) Audi + 0,635; ... 7. Kirchhöfer (Leipzig)/Keilwitz (Villigen) + 9,158; 20. Geipel/Frey (Plauen/Schweiz) + 21,683.

ADAC-TCR-Germany, Rennen 1: 1. Engstler (Wiggensbach) Hyundai 21:2,800 Minuten; 2. Halder (Meßkirch) Honda + 0.985 Sek. zur.; 3. Proczyk (Österreich) Opel + 2,996; ... 9. D. Fugel (Chemnitz) Honda + 8,414; M. Fugel (Chemnitz) + 11,875. Rennen 2: 1. Engsteler 32:55,126; 2. Halder + 1,231; 3. Eberle (Schweiz) + 2,002; ... 17. M. Fugel + 26,103.

Porsche-Carrera-Cup, Rennen 1: 1. Preining (Österreich) 26:37,754 Minuten; 2. Nakken (Norwegen) + 12,649; 3. Zimmermann (Memmingen) + 13,218; ... 6. Wolf (Schönbrunn) +16,265. Rennen 2: 1. Preining 28:05,902; 2. Ammermüller (Rotthalmünster) + 1,139; 3. ten Voorde (Niederlande) + 2,205; 4. Wolf + 3,346.

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