Sainz Vettel-Nachfolger bei Ferrari - Ricciardo zu McLaren

Welche Ausfahrt nimmt Sebastian Vettel? Ferrari bestätigt Carlos Sainz als Nachfolger des viermaligen Weltmeisters ab 2021, McLaren vergibt sein letztes Cockpit an Daniel Ricciardo. Vettel rasen die Optionen in der Formel 1 davon.

Maranello/Woking (dpa) - Sebastian Vettel droht die Formel-1-Sackgasse. Nach dem Aus des viermaligen Weltmeisters bei Ferrari hat das als Kandidat gehandelte McLaren seinen ehemaligen Teamkollegen Daniel Ricciardo ab 2021 verpflichtet.

Die nur wenige Tage vakante Stelle des Deutschen bei der Scuderia erhält wie erwartet der Spanier Carlos Sainz, der wiederum McLaren verlässt. Spekuliert wird seit der Verkündung der Trennung zwischen Vettel und Ferrari, dass der 32-Jährige zum Serienchampion Mercedes wechseln könnte - vorausgesetzt, der Heppenheimer will seine Karriere überhaupt fortsetzen und eine Silberpfeil-Stelle wäre frei.

Die Verträge von Lewis Hamilton und Valtteri Bottas enden beim Dauer-Weltmeister zum Ende dieses Jahres. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hatte schon einen zarten Flirt mit Vettel begonnen. Hamilton könnte Ferrari nun aber nicht mehr als Druckmittel einsetzen. Denn die Scuderia stattete den 25-jährigen Sainz mit einem Vertrag über zwei Jahre bis Ende 2022 aus. Gemeinsam mit Charles Leclerc (22) soll der Madrilene den Traditionsrennstall wieder an die Spitze führen, nachdem diese Mission mit dem Heppenheimer Vettel scheiterte.

Ferrari hatte erst am Dienstag die Trennung von Vettel zum Jahresende bekanntgegeben und präsentierte dann am Donnerstag in Sainz sofort den Nachfolger. Der Sohn von Rallye-Legende Carlos Sainz senior, der seit 2015 in der Formel 1 fährt, konnte bislang zwar noch kein Rennen gewinnen, gilt jedoch als aufstrebender Star. «Ich bin sehr gespannt auf die Zukunft mit dem Team», sagte Sainz, der diese Saison noch bei McLaren unter Vertrag steht.

«Carlos hat bereits fünf Saisons hinter sich und hat sich als sehr talentiert erwiesen. Er hat gezeigt, dass er über die technischen Fähigkeiten und die richtigen Eigenschaften verfügt», sagte Ferraris Teamchef Mattia Binotto in einer Mitteilung. Sainz würde «ideal zu unserer Familie zu passen», betonte der Italiener. Das Team glaube daran, dass das Fahrerduo aus Sainz und dem Monegassen Leclerc «die bestmögliche Kombination sein wird, um die Ziele zu erreichen, die wir uns selbst gesetzt haben», sagte Binotto.

Nach Jahren der Mercedes-Dominanz hofft Ferrari wieder auf einen WM-Titel. Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde in diesem Jahr noch kein Grand Prix bestritten, die ersten zehn Rennen abgesagt oder verschoben. Für den 5. Juli ist der Start in Österreich anvisiert, im besten Falle soll es 15 bis 18 Saisonläufe bis Jahresende geben. Die Teams nutzen die Zeit nun, um sich auf die Zukunft vorzubereiten.

So unterschrieb Vettels ehemaliger Teamkollege Ricciardo (30) bei McLaren einen Vertrag über mehrere Jahre, nähere Angaben machte das Team aus dem englischen Woking jedoch nicht. Das frühere Weltmeisterteam bestreitet das Rennjahr 2021 nun mit Ricciardo und dem Engländer Lando Norris (20). Kein Platz also für Vettel.

«Daniel hat sich als Rennsieger bewährt. Seine Erfahrung, sein Engagement und seine Energie werden eine wertvolle Ergänzung für McLaren und unsere Mission sein, wieder an die Spitze des Feldes zurückzukehren», sagte McLarens deutscher Teamchef Andreas Seidl.

Ricciardo fuhr 2014 gemeinsam mit Vettel bei Red Bull und landete als Dritter im Gesamtklassement zwei Plätze vor dem Hessen, der das Team anschließend in Richtung Ferrari verließ. Dort ist für ihn kein Platz mehr. Noch ist unklar, ob der Heppenheimer seine Karriere fortsetzt.

Ricciardo konnte bislang sieben Grand Prix gewinnen, letztmals 2018 in Monaco. Seit dem vergangenen Jahr fährt er für Renault, schaffte es mit den Franzosen aber noch nicht zu einem Triumph und wird nach zwei Jahren wieder gehen. Für das zweite Cockpit neben Esteban Ocon werden mehrere Kandidaten gehandelt - einer ist Vettel.

Die Frage ist allerdings, ob sich die Franzosen in Zeiten der Corona-Krise einen nicht unbedingt günstigen neuen Star-Piloten gönnen wollen. Ganz abgesehen davon, dass der Deutsche bei Renault noch schwerere Aufbauarbeit als bei McLaren zu leisten hätte. Und wozu sollte Vettel zu einem Team wechseln, das Ricciardo fluchtartig nach nur zwei Jahren wieder verlässt?

Dann muss auch Nico Hülkenberg genannt werden. Für den Emmericher war nach drei Jahren Ende 2019 aber Schluss bei Renault. Nun befindet er sich in einer Auszeit. Eine Variante mit viel Fantasie wäre Formel-1-Rentner Fernando Alonso. Der Spanier wurde mit Renault zweimal Weltmeister, gilt als Ausnahmekönner - aber eben auch als schwieriger Charakter, der ein ganzes Team entzweien kann.

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