Schachmann in Schach gehalten

Der Slowene Matej Mohoric gewinnt die wiederbelebte Deutschlandtour der Radprofis in einem spannendem Duell mit Maximilian Schachmann. Der Berliner setzte alles auf eine Karte und war am Ende nicht enttäuscht.

Stuttgart.

Am Ende war es praktisch nur ein Wimpernschlag, der gestern in Stuttgart über den Ausgang der Deutschlandtour der Radprofis entschied. Nach 737 Kilometern distanzierte der Slowene Matej Mohoric den Kölner Nils Politt, der die letzte Etappe von Lorsch nach Stuttgart gewann und damit seinen ersten Profisieg einfuhr, um gerade einmal sechs Sekunden. Maximilian Schachmann wurde mit zwölf Sekunden Rückstand Dritter.

Der Berliner hatte das Trikot des Gesamtführenden am Vortag an Mohoric verloren, der den Tagesabschnitt von Trier nach Merzig gewonnen und durch die Zeitgutschrift sechs Sekunden Vorsprung vor dem Deutschen hatte. "Es hat mich schon geärgert", zeigte sich Schachmann vor der finalen Etappe kämpferisch. Der 24- Jährige gab im Endkampf alles, konnte das Klassement aber nicht mehr korrigieren. "Auch wenn es nicht mit dem Sieg geklappt hat, bin ich nicht enttäuscht. Ich wollte gewinnen. Und wenn man gewinnen will, muss man was riskieren. Das habe ich getan und den Leuten was geboten", sagte Schachmann, der im zweiten Jahr das Trikot des belgischen Teams Quick Step Floors trägt.

Der Berliner gilt als Paradebeispiel für die Radprofis der neuen Generation. Als Kind probierte es Schachmann zunächst wie so viele Jungs im Fußball. "Da habe ich aber schnell gemerkt, dass dies nicht mein Ding ist", sagte der Zeitfahrspezialist, der auch in den Bergen sehr gut unterwegs ist. Seiner Schwester war es schließlich zu verdanken, dass aus ihm ein Radsportler wurde. " Sie hat damals die Sportart sehr verfolgt und mich dazu bewogen, richtig aufs Rad zu steigen", so Schachmann, der zunächst in Marzahn begann und später als Nachwuchsfahrer 2013 für das Thüringer Energieteam fuhr. Sein größter sportlicher Erfolg war sicherlich sein Etappensieg beim Giro d' Italia 2018. Er gewann in diesem Jahr auch einen Tagesabschnitt bei der Katalonienrundfahrt. Bei der kürzlich ausgetragenen EM holte sich der Berliner Bronze im Zeitfahren.

Die letzte Etappe der Deutschlandtour, mit 207 Kilometern auch der längste Tagesabschnitt, wurde zunächst von zwei Ausreißern bestimmt, die sich zeitig aus dem Staub gemacht hatten. Remy Cavagna (Quick Step Floors) und Vasil Kiryienka vom Team Sky fuhren bis zu sechs Minuten Vorsprung heraus. Zwar hatte Kiryienka als ehemaliger Zeitfahrweltmeister und Giro-Etappensieger mehr sportliche Meriten aufzuweisen als sein Fluchtpartner. Da jedoch Cavagna nur 3:50 Minuten Rückstand auf den Gesamtführenden der Rundfahrt hatte, fuhr er zwischenzeitlich ins Rote Trikot des Spitzenreiters. Doch die lange Fahrt des Duos blieb schließlich nur ein Intermezzo. So richtig zur Sache ging es in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf der Schlussrunde, die zweimal durchfahren werden musste und mit einem giftigen Anstieg sowie einer rasanten und sicherlich nicht ungefährlichen Abfahrt gespickt war. Schachmann und Mohoric ließen sich nicht aus den Augen, zeigten sich im Finale an der Spitze des Feldes. Schachmann suchte drei Kilometer vor dem Ziel sein Heil in der Flucht. "Ich bin voll gefahren, doch 1000 Meter vor dem Ziel tauchte auf einmal Nils Politt wieder vor mir auf. Für den Sprint war ich dann zu platt", schilderte Schachmann die entscheidende Rennphase. Schließlich machte Mohoric mit Platz zwei seinen Triumph perfekt.

Fabian Wegmann ist dem Metier treu geblieben - Gute Erinnerungen an Sachsen

Ex-Radprofi Fabian Wegmann war dreimal Deutscher Meister. Knut Berger sprach mit dem 38-Jährigen über seinen Job bei der Deutschlandtour.

Freie Presse: Sie erlebten bei der Neuauflage der Tour keine ruhigen Tage. Warum?

Fabian Wegmann: Ich bin in die sportliche Leitung der Tour integriert und habe zum Beispiel die Strecke mit geplant und strukturiert. Während des Rennens war es u. a. meine Aufgabe, über den Tourfunk bekanntzugeben, wann welche Materialwagen heranfahren dürfen, um ihre Fahrer zu verpflegen, oder wann Autos zur Spitzengruppe vorfahren dürfen.

Die Deutschland-Tour dauerte nur vier Tage. Welche Aufgaben standen für Sie noch an?

Die Vorbereitungen laufen bereits seit November 2017. So bin ich die Strecke mindestens dreimal abgefahren, danach gab es Absprachen mit der Polizei, um alle Sicherheitsfragen zu klären. Zudem arbeite ich als Sportlicher Leiter beim Eintagesrennen Eschborn-Frankfurt, dass am 1. Mai stattfindet, sowie beim Sparkassen-Münsterland-Giro im Oktober. Während der Tour de France war ich bei der ARD als Co-Kommentator dabei.

Welcher Erinnerungen haben Sie an Chemnitz, das ja schon einmal in die Deutschlandtour involviert war, und die Region Sachsen?

Natürlich nur gute! Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich dort einmal die Erzgebirgsrundfahrt gewonnen habe. Das war 2001. Ich ging damals noch als Einzelstarter an den Start und habe es gepackt, dieses schöne aber auch schwere Rennen zu gewinnen. Vielleicht schaffe ich es in absehbarer Zeit einmal, bei diesem Klassiker als Gast dabei zu sein.

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