Schwanitz gewinnt beim Thumer Werfertag

Mit ihrem Sieg beim traditionellen Werfertag vor heimischer Kulisse in Thum hat Christina Schwanitz mit Blick auf die WM ein weiteres Zeichen gesetzt. Allerdings war dafür zunächst ein Wutausbruch nötig.

Thum.

Fast schien es Christina Schwanitz etwas peinlich zu sein. "Da sind bestimmt einige erschrocken, weil sie mich gar nicht so kennen", meinte die Kugelstoßerin des LV Erzgebirge nach ihre Triumph beim 16. Internationalen Thumer Werfertag. Sie spielte damit auf ihre Reaktion nach dem fünften Versuch an, als der Balken am Ring zu bersten drohte. So heftig hatte die 33-Jährige dagegen getreten, weil es bis dahin überhaupt nicht nach Wunsch gelaufen war. "Aber Emotionen gehören nun mal dazu", schmunzelte die Weltmeisterin, die wenige Minuten später doch noch jubeln durfte. Ihre "Explosion" verwandelte quasi Frust in Freude.

"Ich hatte mich mal kurz nicht unter Kontrolle. Der Wutausbruch hat geholfen", verriet sie. Doch war dieser Tritt mit voller Wucht offenbar nötig, um den Stress der zwei Tage zuvor abzuschütteln. "Ich habe kaum ein Auge zugemacht", berichtete die Ausnahmeathletin über ihren Reise nach Zürich direkt im Vorfeld der Veranstaltung. Zwar weckten die Saisonbestleistung von 19,37 Metern und der damit erkämpfte dritte Platz beim Diamond-League-Finale Stolz und Zufriedenheit, aber den Aufwand war enorm. Nur der Schnappschuss, um den sie während der langen Hinfahrt kurz nach Mitternacht von zwei Zollbeamten gebeten wurde, sorgte für Erheiterung. Zunächst schwante ihr nichts Gutes, als es an der Grenze hieß: "Bitte aussteigen." Aber dann stellte sich heraus, dass die Beamten Christina Schwanitz erkannt hatten.

Es folgten eine lange Weiterfahrt und eine noch längere Rückreise. Am Freitag traf sie erst kurz nach dem Mittag daheim in Chemnitz ein. Die geplante Schlafeinheit fiel dann noch kürzer aus, als erhofft. "Das Gewitter hat mich geweckt", erzählte Christina Schwanitz, wobei das "Heimspiel" trocken blieb. Zum Glück verzogen sich die dunklen Regenwolken gerade rechtzeitig vor dem Beginn. Während in einigen Orten der näheren Umgebung Unwetter herrschte, schien in Thum phasenweise sogar die Sonne. Bis Christina Schwanitz für ihr ganz persönliches Donnerwetter sorgte - und damit Kräfte freisetzte für den letzten Durchgang. In diesem fing die gefeierte Lokalmatadorin die bis dahin führende US-Amerikanerin Jessica Ramsey doch noch ab. 18,99 Meter reichten, um mit einem Zentimeter Vorsprung zu gewinnen.

Tom Walsh, der bei den Männern mit dem Meetingrekord von 22,15 Metern gewann, zeigte sich erneut vom Flair begeistert. "Die Tribünen hier sind so nahe, das hilft der Energie", erklärte der Neuseeländer, der zum dritten Mal im Erzgebirge gewann. Die von ihm geliebte Nähe zu den Fans half letztlich auch Christina Schwanitz, die schwärmte: "Es hat Spaß gemacht vor diesem tollen Publikum." Anfang Oktober in Doha möchte sie nach einer WM-Medaille greifen. Als aktuelle Nummer drei der Welt ist das Ziel, dem die sie alles unterordnet, realistisch. Zwar ist sie bis zur Abreise ins Trainingslager nach Kienbaum vorerst zwei Wochen daheim, doch auch da stehen täglich bis zu zwei Trainingseinheiten an. Danach ist Christina Schwanitz allerdings drei Wochen lang unterwegs. "Das wird hart", sagt die Mutter zweijähriger Zwillinge, die einen Teil der Entwicklung verpasst: "Gerade jetzt machen sie fast jeden Tag große Fortschritte."

An ihre Kinder denkt Christina Schwanitz nach eigenen Angaben übrigens nicht, sobald ein Wettkampf begonnen hat. In Thum waren ihre "Krümel" mit dabei, sodass sie sich danach wieder bald um sich hatte. Auch bei dem Saisonhöhepunkt wird sie im Kopf voll auf die Konkurrenz und die eigenen Abläufe konzentriert sein. Und falls es nicht so läuft wie erhofft, dann kann sich der Balken am Ring wohl wieder auf einiges gefasst machen. "Wie gesagt: Emotionen - egal, ob Frust oder Freude - gehören einfach dazu. Das ist Leidenschaft, sonst wäre ich keine Leistungssportlerin geworden", betonte Christina Schwanitz.

Am Sonntag folgte das Istaf in Berlin. Mit 18,62 m belegte die Chemnitzerin hinter der Kanadierin Brittany Crew (19,28 m) Rang zwei. Damit gelang ihr bei allen drei Auftritten der Sprung aufs Podest - jeweils auf eine andere Stufe.

Istaf in Berlin: Gesa Felicitas Krause knackt Weltbestmarke

Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause hat vor 40.500 Zuschauern beim Berliner Istaf die nächste Bestmarke geknackt. Drei Tage nach ihrem deutschen Rekord in Zürich über 3000 Meter blieb die Doppeleuropameisterin am Sonntag über 2000 Meter Hindernis mit 5:52,80 min fast zehn Sekunden unter der alten Weltbestmarke. Rekorde werden über diese selten gelaufene Distanz nicht geführt. "Ich konnte gar nicht aufhören zu laufen", meinte die 27-Jährige Krause nach dem Sturmlauf noch ganz außer Atem und bedankte sich beim Publikum. "Das ist einfach unglaublich! Ich bin sprachlos, ich bin dankbar."

Weitspringerin Malaika Mihambo verpasste mit 6,99 m die Sieben-Meter-Marke diesmal nur um einen Zentimeter. Die Athletin von der LG Kurpfalz bleibt in dieser Saison aber ungeschlagen.

Speerwerfer Johannes Vetter kommt immer besser in Form: Der Weltmeister aus Offenburg gewann mit 85,40 Metern. Nach harten Wochen überzeugte auch Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko, der mit 2,30 Metern siegte.

Diskuswerfer Christoph Harting wurde mit 60,06 Metern nur Letzter und verließ kommentarlos die Arena. dpa

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