Ski-Adler Richard Freitag landet wieder in der Heimat

Nach gut zwei Jahren in Oberstdorf zieht es Sachsens Vorzeige-Skispringer zurück ins Erzgebirge. Zu Hause, sagt der 27-Jährige, kann er besser abschalten.

Oberwiesenthal.

Der Gedanke war bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Winter in Seefeld schon in seinem Kopf, geredet hatte er damals noch nicht darüber. Nun setzte ihn Richard Freitag in die Tat um. Der Skispringer mit acht Weltcupsiegen und Team-Weltmeister der zurückliegenden Titelkämpfe am Bergisel ist nach gut zwei Jahren in Oberstdorf nach Oberwiesenthal zurückgekehrt. Aktuell wohnt er im elterlichen Haus in Breitenbrunn, trainiert am Fichtelberg bei Heimcoach Tino Haase und hat unter Obhut des neuen Bundestrainers Stefan Horngacher zwei Hauptziele im Visier: Die Vierschanzentournee zum Jahreswechsel und die Skiflug-WM im März in Planica.

"Es ist ja so, dass im Zuge der WM 2021 in Oberstdorf gerade die Großschanze modernisiert wird, dort nicht gesprungen werden kann", erklärte Freitag den Schritt zurück in seine Heimat. Damals hatte er den Standortwechsel mit der starken Trainingsgruppe im Allgäu, in der er täglich gefordert wird, sowie mit reduzierten Reisestrapazen durch die bessere Flughafenanbindung begründet. Beides trifft noch zu, dennoch schaut der 27-Jährige über den Tellerrand und auch über seine aktive Zeit als Skispringer hinaus. Bis Olympia 2022 in Peking läuft grob die sportliche Planung. "Ich sehe auch das Private, wo ich längerfristig bin. Am Ende hat mein Bauchgefühl mit entschieden. Ich habe das Gefühl, dass ich zu Hause besser abschalten kann. Vielleicht ist es so, dass es jetzt meine Aufgabe ist, für eine wachsende Trainingsgruppe am Fichtelberg das Zugpferd zu sein", möchte der Athlet von der SG Nickelhütte Aue seinen langjährigen Förderern im Erzgebirge auch etwas zurückgeben. Nicht auszuschließen ist auch, dass er demnächst nebenher in der Region ein Studium beginnt. "Die zwei Jahre in Oberstdorf waren sicher wertvoll für mich, auch leistungsmäßig. Aber nun ist es eben so, dass ein neuer Abschnitt beginnt", sagte Freitag im Gespräch mit "Freie Presse".

Das bisherige Problem, dass Heimtrainer Tino Haase für das Nachwuchsnationalteam verantwortlich zeichnet und bei Lehrgängen Richard Freitag am Fichtelberg nicht trainieren kann, gibt es nach wie vor. Der Ski-Adler versicherte aber, dass es diese Überschneidungen in den kommenden Monaten nur selten geben wird. Mit Martin Hamann ist zudem ein junger Skispringer im vergangenen Winter in den Dunstkreis der Weltelite geflogen. Hamann kann an Freitags Seite ein echter Trainingspartner sein. Der sächsische Landestrainer Peter Grundig sagte dazu: "Martins positiver Weg zeigt, dass es nach wie vor in Oberwiesenthal möglich ist, einen Skispringer aus unseren Reihen so gut zu entwickeln."

Mit Richard Freitag an der Spitze soll dieses Vorhaben Aufwind bekommen. Richards Schwester Selina bleibt dagegen im Allgäu, wo das Zentrum für Damenskispringen des Deutschen Skiverbandes (DSV) beheimatet ist, wohnen. Die 18-jährige Gymnasiastin will aktuell im Sommertraining die Grundlagen legen, um sich für die Junioren-WM Anfang März 2020 in Oberwiesenthal zu qualifizieren. Die Titelkämpfe des weltbesten Nachwuchses wären für sie dann auch eine willkommene Rückkehr in die Heimat.

Bruder Richard ist planmäßig leicht verspätet in die Vorbereitungen auf den nächsten Winter eingestiegen. Im Frühjahr musste er zunächst einen Bundeswehr-Lehrgang für seinen Arbeitgeber in Warendorf absolvieren. Zwei Sprunglehrgänge mit dem neuen Skisprung-Cheftrainer Horngacher sind bereits in Predazzo und Hinzenbach über die Bühne gegangen. "Es fühlt sich schon ganz gut an, es kommt Struktur in meinen Sprung", beschrieb Sachsens Hoffnungsträger seine Form zum frühen Zeitpunkt.

Vom neuen Chefcoach, den er bereits als Trainer des deutschen Perspektivkaders und als Co-Trainer von Werner Schuster kennt, ist er überzeugt: "Er hat eine klare Linie. Bis auf ein paar trainingstechnische Dinge hat sich jetzt aber nicht so viel geändert", erzählte Freitag. Der gebürtige Österreicher Horngacher musste mit dem verletzungsbedingten Saison-Aus von Olympiasieger Andreas Wellinger, der sich in Hinzenbach beim Aufsprung das Kreuzband riss, gleich zu Beginn seiner Amtszeit einen Rückschlag hinnehmen. Deshalb sollen es nun - wie im Vorwinter bereits praktiziert - andere richten. Die Sommer-Grand-Prix-Serie beginnt am 20. Juli in Wisla und endet am 5. Oktober in Klingenthal. Für den nach Sachsen zurückgekehrten Richard Freitag wird das Finale in der Vogtland-Arena wieder ein echtes Heimspiel werden.

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