Skispringer Martin Hamann: In Lillehammer kam die Leichtigkeit

Der Sachse Martin Hamann will seine starke Saison mit einem guten Ergebnis beim Skifliegen in Planica krönen. Dabei kann er auf Geheimtipps eines früheren Topsportlers bauen.

Chemnitz/Planica.

Martin Hamann holt tief Luft nach der Frage, warum in diesem Winter der Knoten beim Skispringer von der SG Nickelhütte Aue aufging. "Puuhh", pustet der 21-Jährige durch. "Wenn ich das wüsste ..." Zumindest weiß Martin Hamann nun, wie es sich anfühlt, im deutschen Nationalteam einen Weltcup im Ausland zu bestreiten. In Lahti (15.), Oslo (37.) und Lillehammer (61. Qualifikation) durfte der Sachse Erfahrungen auf der großen Bühne sammeln. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen: Das Fundament ist noch etwas wacklig, aber immerhin: Erstmals seit vielen Jahren hinterlässt ein sächsischer Springer die Hoffnung, dass nach der Ein-Mann-Show von Richard Freitag noch etwas nachkommt. "Es war Anfang des Winters in Lillehammer während des Lehrganges mit der B-Mannschaft. Da habe ich plötzlich gespürt, wie ein Sprung funktioniert. Da war diese Leichtigkeit da, die mir immer gefehlt hat", beschrieb Hamann das Schlüsselerlebnis, über das sich auch Coach Bernhard Metzler freute.

Dass Training (mehr Anlauf) und Wettkampf zwei unterschiedliche Schuhe sind, musste Hamann als 61. der Qualifikation jüngst bei der Raw-Air-Tournee auf derselben Schanze im Olympiaort von 1994 bitter erfahren. Der aus Eilenburg stammende Ski-Adler, der am Fichtelberg bei Tino Haase trainiert, war für den erkrankten Vereinsgefährten Richard Freitag eingesprungen. Beim Fliegen am vergangenen Wochenende in Vikersund jedoch konnte der durch den verunsicherten Stephan Leyhe (Fußverletzung) frei gewordene Platz so schnell nicht besetzt werden. Stattdessen sprang Martin Hamann beim Continentalcup (2. Liga) in Zakopane (26./4.).

Nun also wieder die große Bühne beim Weltcupfinale in Planica. Und der Sachse ist nicht nur dabei, sondern mittendrin, wenn ein Großer seiner Zunft die Abschiedsvorstellung gibt. Für Bundestrainer Werner Schuster endet nach elf Jahren eine äußerst erfolgreiche Zeit im Deutschen Skiverband. Allerdings muss Hamann noch eine Hürde überspringen: die Qualifikation am Donnerstag. Bei Finale sind nur die besten 40 anstatt 50 Springer für den Wettkampf startberechtigt. Machbar für den Jungspund, der das Fliegen von seiner Sonnenseite in Oberstdorf kennenlernte. 224 Meter segelte er Anfang Februar im Allgäu, holte seine ersten Weltcupzähler. "Mal sehen, ob ich das nochmal schaffe", frohlockt Hamann, der mit der ehemaligen Langläuferin Lisa Dotzauer liiert ist. Dotzauer? Deren Vater Uwe war 1982 WM-Dritter in der Nordischen Kombination. Und auch wenn Fliegen nicht zum Trainings- oder Wettkampfprogramm der Zweikämpfer gehörte, weiß Martin Hamann: "Den einen oder anderen Geheimtipp kann man sich von einem so erfolgreichen Sportler immer mal holen."

Service: Zeitplan: Finale in Planica: Donnerstag, 11 Uhr: Qualifikation; Freitag, 14.30 Uhr: Einzel; Sonnabend, 10 Uhr: Team; Sonntag, 10 Uhr: Einzel.

Stand: Skiflug-Weltcup: 1. Ryoyu Kobayashi (Japan) 227 Punkte, 2. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) 211, 3. Kamil Stoch (Polen) 207, 4. Stefan Kraft (Österreich) 196.

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