Starken Saisonauftakt mit Weltrekorden gekrönt

Vor 30 Jahren lieferten sich Katarina Witt und Debi Thomas in Calgary ein packendes "Carmen"-Duell um Olympiagold. Davon hat sich die amtierende Titelträgerin bei ihrer neuen Kür inspirieren lassen.

Oberstdorf.

Der Sepplhut, den sie beim Schaulaufen der 50. Nebelhorn-Trophy vom Oberstdorfer Bürgermeister überreicht bekam, stand der jungen Russin recht gut. Doch Alina Sagitowa nimmt mehr mit vom Saisonauftakt aus dem Allgäu als dieses originelle Erinnerungsgeschenk. Die Olympiasiegerin von Pyeongchang hat sich eindrucksvoll auf dem Eis zurückgemeldet.

Alina Sagitowa hatte im Februar eine atemberaubende Vorstellung in Südkorea gezeigt und sich mit makellosen, technisch anspruchsvollen Programmen die olympische Krone gesichert. Die damals noch 15-Jährige bezauberte das Publikum mit faszinierenden Kürvorträgen und verwies damit ihre russische Teamkollegin Jewgenija Medwedjewa auf den Silberrang. Bei den Weltmeisterschaften in Mailand (Italien) reichte es aber nur zu einem enttäuschenden fünften Platz. Den Rückschritt begründete die 16-Jährige aus Ischewsk zum einen mit den vielen offiziellen Pflichtterminen, denen sich die Olympiasiegerin nicht entziehen konnte, und zum anderen mit einem Wachstumsschub.

Doch im Unterschied zu anderen jungen Damen, die sich nach ihrem überraschenden olympischen Titelgewinn vom Wettkampfgeschehen zurückzogen (Oksana Bajul 1994, Tara Lipinski 1998, Sara Hughes 2002, Adelina Sotnikowa 2014), scheut Alina Sagitowa die internationale Konkurrenz nicht. Der Refrain aus ihrem aktuellen Schaulauftitel "Survivor" (Tomb Raider) ist auch ihr Leitmotiv: "Ich werde nicht aufgeben. Ich werde nicht aufhören. Ich werde härter arbeiten."

In Oberstdorf triumphierte Alina Sagitowa mit fast 30 Zählern Vorsprung vor Mai Mihara (Japan). Da das Wertungssystem inzwischen überarbeitet worden ist, hält sie damit auch die Weltrekorde im Kurzprogramm (79,93), der Kür (158,50) und der Gesamtwertung (238,43). "Es war nicht ideal, ich hatte einige kleine Fehler, aber es war ein guter Start", betonte die junge Russin. Sie wollte eigentlich schon bei der Ondrej-Nepela-Trophy in Bratislava antreten, ihr Saisondebüt hatte sich wegen unvollständiger Reisedokumente jedoch um eine Woche verzögert. "Die Teilnahme an der Nebelhorn Trophy war sehr wichtig, um die neuen Programme zu testen", erklärte Sagitowa. Das Kurzprogramm zur Musik "Das Phantom der Oper" (Andrew Lloyd Webber) und die Kür zu "Carmen" (Georges Bizet) kamen bei den Zuschauern prima an.

Die Kür erinnert an das olympische Duell zwischen Katarina Witt und Debi Thomas in Calgary 1988. "Ich habe Katarina Witt beobachtet, wie sie zu 'Carmen' gelaufen ist, und ich habe auch etwas von ihr mitgenommen", räumt die 16-Jährige ein. Darüber hinaus schaute sie sich viele Aufführungen der Oper an. Ihre Choreografin half ihr sehr dabei, in die Rolle der Figur zu schlüpfen.

Alina Sagitowa, die im Unterschied zu Medwedjewa (wechselte nach Toronto zu Brian Orser) weiter unter Eteri Tutberidse trainiert, tritt am 6. Oktober bei den Japan Open in Saitama an. Es folgen die Grand-Prix-Wettbewerbe in Helsinki und Moskau. Ihr Saisonziel: "Spaß haben", lacht die Nebelhorn-Siegerin. "Das Wichtigste ist, erstmal saubere Programme zu laufen, dann kann man über Vierfache nachdenken."

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