Start bei WM noch längst nicht abgeschrieben

Eistänzer Benjamin Steffan vom Chemnitzer EC hat sich mit Jennifer Urban in der nationalen Spitze etabliert. Das Duo visiert ehrgeizige Ziele an.

Oberstdorf/Chemnitz.

Wenn in der kommenden Woche die Eiskunstläufer im weißrussischen Minsk ihre Europameisterschaften austragen, kann Benjamin Steffan die Entscheidungen nur aus der Ferne beobachten. Da Deutschland im Eistanzen einen Startplatz besitzt, erhielten diesen die aktuellen nationalen Meister Shari Koch und Christian Nüchtern. Trotzdem besitzt der der Kufenkönner vom Chemnitzer EC die Hoffnung, dass er mit seiner Partnerin Jennifer Urban noch zur WM Mitte März nach Japan reisen kann. Obwohl das Duo bei der Meisterschaft hinter Katharina Müller und Tim Dieck auf Platz drei gesetzt wurde, besteht diese Möglichkeit.

"Da wir drei Paare sehr eng beieinander liegen, soll es noch einen internen Ausscheid geben", berichtete Benjamin Steffan, der in Oberstdorf bei Rostislav Sinicyn trainiert. Stetige Unterstützung gibt es dabei wie für alle Kontrahenten von Bundescoach Martin Skotnicky, der in seiner langjährigen Karriere unzählige Teams aus verschiedenen Ländern in die Weltspitze geführt hatte. Und wenn der 71-Jährige nach einer Bewertung sein Veto bei den Preisrichtern einlegt, darf man seiner Kompetenz vertrauen. Das passierte bei der DM nach dem Kurztanz, als er sein Unverständnis über die Punktzahl von Urban/Steffan äußerte.

Trotz der zweitbesten Kür, die sogar das Fachmagazin "Pirouette" als die "spektakulärste mit taktgenauen Highlights" bewertete, blieb es bei Bronze - mit äußerst knappen Abständen nach vorn. "Mit unserer Leistung warten wir zufrieden, hatten deshalb etwas mehr erhofft. Wir bekamen von vielen Leuten auch ein sehr gutes Feedback", meinte der 23-Jährige, der am vergangenen Wochenende Geburtstag feierte. "Zunächst waren wir ein bisschen enttäuscht. Aber inzwischen nehmen wir das Ergebnis als zusätzliche Motivation, arbeiten hart weiter", fügte der Sachse während eines Besuchs in der sächsischen Heimat hinzu. Positiv kam hinzu, dass dem Paar nach zwei vierten Plätzen nicht nur erstmals der Sprung auf das Podest gelang, sondern auch die größten Steigerungen - gegenüber der DM 2018 um 40 Punkte, der Nebelhorn-Trophy im September um 26 Zähler.

Jennifer Urban und Benjamin Steffan laufen dabei erst die dritte Saison gemeinsam. Während der Grundausbildung bei der Bundeswehr 2016 lernten sie sich näher kennen. Da beide in jener Zeit auf Partnersuche waren, einigten sie sich, es einmal zu versuchen. Bei einem Athletiklehrgang in Berlin probierten sie erstmals zusammen und kamen auf Anhieb bestens miteinander klar. "Das war die richtige Entscheidung. Wir verstehen uns gut. Und Jennifer ist genauso verbissen wie ich", erzählte Benjamin Steffan. Ihm fiel es auch nicht schwer, sich in Oberstdorf einzuleben. Zuvor hatte er auch einige Monate in Zürich beim Ex-Chemnitzer Alexander Gazsi - während seiner aktiven Zeit mit Nelli Zhiganschina auch ein Schützling von Sinicyn und Skotnicky - trainiert, doch die Liaison mit der Schweizerin Sandrine Hofstetter ging wieder in die Brüche.

Benjamin Steffan kam auf untypische Weise zum Eistanz, denn als Junge spielte er Eishockey. Während eines freien Laufens sprach ihn Kunstlauftrainerin Monika Scheibe wegen eines Wechsels an. Da gleichzeitig seine Schwester Leah-Magdalena anfing, ging er mit in die Eistanzgruppe von Übungsleiterin Annerose Wetzel (unter ihrem Mädchennamen Baier einst mit Eberhard Rüger erfolgreich: 1970: u. a. EM-Vierte, WM-Sechste). Zunächst war Camilla Barth seine Partnerin, alsbald Leah, mit der er im Nachwuchs über sechs Jahre die nationale Spitze mitbestimmte. Sie beendete jedoch 2015 ihre Laufbahn, was für den Bruder kein Thema war. Mit Jennifer visiert er nun auch international ehrgeizige Ziele. "Wie wollen alles mitnehmen, was möglich ist", sagt Benjamin Steffan. Und vielleicht erfüllt sich ein Wunsch sogar noch in diesem Winter ...

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