Sven Köhler: "Gespannt, wie sich das anfühlt"

VfB-Trainer spricht vor dem Regionalligaderby über Chemnitzer Stärken, Auerbacher Nöte und seine Gedanken bei der Rückkehr

Chemnitz.

370 Partien bestritt er als Spieler für die Himmelblauen, als Cheftrainer auf der Bank saß Sven Köhler bei seinem Heimatverein nur 54-mal. Als ihm der damalige Sportliche Leiter Steffen Ziffert im Frühjahr 2017 ein "vergiftetes" Angebot machte, bei dem zwar Köhler, nicht aber sein Co-Trainer Ulf Mehlhorn einen neuen Vertrag erhalten sollte, lehnte der gebürtige Freiberger aus Loyalität zu seinem Freund ab. Nach einem Jahr ohne Job ist der 52-Jährige seit Saisonbeginn Trainer beim VfB Auerbach, der am Samstag (Anstoß 14.05/live im MDR) zum Regionalligamatch in Chemnitz aufkreuzt. Vor dem Derby sprach Thomas Scholze mit Sven Köhler.

Freie Presse: Am Sonnabend werden Sie das erste Mal seit Ihrem emotionalen Abschied am 20. Mai 2017 wieder im CFC-Stadion auf der Trainerbank sitzen. Ein besonderer Tag?

Sven Köhler: Ich denke schon. Mich verbindet viel mit dem Club und diesem Stadion. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlen wird.

Haben Sie sich mit dem unschönen Ende beim CFC inzwischen arrangiert?

Das Geschehen hat mich emotional mitgenommen, ich war vor allem menschlich sehr enttäuscht. Aber das ist nun über ein Jahr her, irgendwann muss da mal ein Haken ran.

Sie wären damals gern CFC-Trainer geblieben - mit Ulf Mehlhorn als Assistenten?

Auf jeden Fall. Aber man muss auch seine Arbeit als Trainer selbstkritisch reflektieren. Heute würde ich einige Dinge anders handhaben.

Zum Beispiel?

Bei Disziplinlosigkeiten eher und härter durchgreifen. Ich habe leider viel zu spät mitbekommen, was hinter meinem Rücken alles gelaufen ist. Das zweite Jahr beim CFC hat meiner Reputation als Trainer schwer geschadet, trotz eines unter diesen Bedingungen letztlich ordentlichen Abschneidens mit Platz acht in der Liga und dem Sachsenpokalsieg.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie als Coach des VfB Auerbach ins Spiel?

Wir treffen auf den Tabellenführer, sind klarer Außenseiter. Wir wollen unsere bestmögliche Leistung abrufen. Wenn dann auch noch das Ergebnis passt - umso besser. Wir haben in Erfurt und Altglienicke sehr ordentliche Auswärtsspiele gezeigt, jeweils einen Punkt mitgenommen. Aber der CFC ist schon noch eine andere Nummer.

Überrascht es Sie, dass diese fast komplett neu zusammengestellte CFC-Mannschaft so einen perfekten Saisonstart hingelegt hat?

Nein. Es steckt viel Qualität in diesem Kader. Dennis Grote und Daniel Frahn haben mindestens Drittliganiveau, Fabian Müller und Niklas Hoheneder ebenso. Jakub Jakubov war in der Vorsaison einer der besten Regionalligatorhüter, Rafael Garcia ist stark, Dejan Bozic trifft ins Tor. Auch von Tobias Müller halte ich viel. Das ist ein stabiles Gerüst.

Ist Chemnitz jetzt Aufstiegskandidat Nummer eins?

Man sollte dem Team nicht diesen Druck aufbürden. Zwei Drittel der Mannschaften der Liga trainieren in dieser Saison unter Profibedingungen. Der direkte Aufstieg ohne zusätzliche Qualifikationsspiele lockt, viele Vereine schielen - zumindest heimlich - auf diesen ersten Platz. Wir sind da eine der wenigen Ausnahmen. Beim VfB gehen die meisten Spieler arbeiten, das Training in Auerbach beginnt 17 Uhr.

Der VfB ist schon Anfang Juni in die Vorbereitung gestartet. Weil Ihnen langweilig war?

Weil vier Wochen Urlaub ausreichend sind, die Spieler bei fünf oder sechs Wochen Ferien zu viel von der Substanz verlieren, die sie ein Jahr lang aufgebaut haben. Und als neuer Trainer ist es auch nicht schlecht, etwas mehr Zeit zu haben, alle richtig kennenzulernen.

Wie stark ist der VfB?

Wir haben im Sommer wichtige Spieler verloren: Lukas Novi nach Erfurt, Philipp Kötzsch nach Bischofswerda. Alexander Mattern ist jetzt wegen seines Studiums nach Schweden umgezogen. Daniel Tarczal, der im Winter aus Pribram gekommen ist und in der Rückrunde ein absoluter Stabilisator und Garant für den Klassenerhalt war, fehlt wegen einer Knieverletzung. Genau wie derzeit Marc-Philipp Zimmermann. Das ist schon eine komplizierte Situation, die die Mannschaft aber bislang gut gemeistert hat.

Wird sich der VfB noch einmal personell verstärken?

Wir suchen einen Mann fürs zentrale Mittelfeld. Da haben in der Vorsaison Tarczal, Kötzsch und Mattern gespielt. Der Markt, den wir bei der Suche bearbeiten können, ist aber wie unser Budget ziemlich klein. Auch Spieler aus Tschechien zum VfB zu locken, ist nicht so einfach.

Fünf Punkte aus vier Spielen sind sehr gut, weniger als erwartet ...

Das ist eine gute Ausbeute. Wir sind ja gleich zum Auftakt beim 1:4 gegen den BFC böse erwischt worden, könnten nach dem Programm der ersten Wochen auch mit nur einem Zähler dastehen.

Was sind die mittel- und langfristigen Ziele mit dem VfB?

Für uns geht es nur um den Klassenerhalt, mehr als Regionalliga ist in Auerbach in absehbarer Zeit nicht drin. Das gibt das Vogtland nicht her.

Was sind Ihre Zukunftspläne als Trainer?

Ich möchte gern noch einige Jahre in diesem Job arbeiten. Das mache ich jetzt in Auerbach so gut wie möglich. Man hofft immer auf lukrative Angebote aus einer höheren Liga. Aber wann und ob überhaupt eines kommt, weiß man nicht.

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