Titelverteidiger erneut auf dem Podest

Die zuvor hochgehandelten deutschen Speerwerfer gingen dank Johannes Vetter nicht ganz leer aus. Der entthronte Titelverteidiger holt Bronze.

Doha.

Johannes Vetter hat die deutschen Speerwerfer vor einer medaillenlosen WM-Pleite bewahrt. Zwei Jahre nach seinem Gold-Triumph gewann er am Sonntagabend in Doha die Bronzemedaille. Der 26-jährige Offenburger konnte aber im Finale mit 85,37 Metern nicht glänzen. In der Qualifikation warf der deutsche Rekordhalter noch 89,35 Meter - mit dieser Weite wäre er erneut Weltmeister geworden.

Dabei waren die deutschen Speerwerfer als Favoriten angereist. Es schien nur die Frage zu sein, ob Titelverteidiger Vetter, Olympiasieger Thomas Röhler oder Andreas Hofmann der goldene Wurf gelingt.

Den weitesten Wurf in einem schwachen Wettbewerb schaffte Anderson Peters aus Grenada mit 86,89 Metern. Der Weltjahresbeste Magnus Kirt gewann Silber mit 86,21 Metern, obwohl sich der Este im sechsten Versuch an der Schulter verletzte und nicht weitermachen konnte. Der Mainzer Julian Weber belegte mit 81,26 Meter Platz sechs.

Für Johannes Vetter war die Vorbereitung auf die WM alles andere als optimal gewesen. "Ich versuche in diesem schwierigen Jahr, aus Sch... Gold zu machen", lautet deshalb sein Motto. Es wurde nun Bronze. Immer wieder stoppten ihn Verletzungen. Erst plagten ihn Rückenschmerzen, dann verletzte er sich an den Adduktoren und und danach machten sich bei dem athletischen Kraftprotz Probleme mit dem Fuß bemerkbar. Ein abgesplittertes Knorpelstück im linken Stemmbein behinderte die WM-Vorbereitung erheblich, sogar eine Absage der Reise nach Doha stand zur Debatte.

"Es wurde mir von vielen geraten, aber letztlich haben wir uns dagegen entschieden", meinte Vetter sichtlich froh. Nach der WM wird er sich am Fuß operieren lassen, um beschwerdefrei in die Vorbereitung für die Olympischen Spielen 2020 in Tokio gehen zu können.

Trotz aller Handicaps hatte der gebürtige Dresdner die Qualifikation für das Finale stark gemeistert- auf Anhieb mit 89,35 Metern. Eine Weite die Hoffnung machte. "Ich bin angelaufen und habe draufgehalten", berichtete Vetter, der bei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in London mit 89,89 Metern triumphiert hatte.

Alle Hoffnungen erfüllten sich für die deutschen Asse indes nicht. Denn nach der Qualifikation waren von dem Quartett eben nur Vetter und Weber übrig geblieben. Mit Thomas Röhler hatte sich in der Qualifikation immerhin der Olympiasieger von Rio de Janeiro verabschiedet, mit Andreas Hofmann der Vizeeuropameister. Und der Mannheimer, der nur 80,06 m zustande brachte, war am Sonnabend auch dermaßen angefressen, dass er wortlos an den Journalisten vorbeirauschte.

Röhler begründete seine schwachen 79,23 Meter so: "Speerwerfen wird von Nuancen bestimmt. Technische Fehler haben es nicht möglich gemacht, dass ich die Qualifikationsweite heute geworfen habe. Der Fehler ist bei mir selbst zu suchen", zeigte sich der Jenaer enttäuscht. Dessen Zweijahresplan ist klar auf die Spiele in Tokio 2022 ausgerichtet, weshalb er diese Saison im Training auch viel experimentierte. Das ging offenbar zu Lasten der Technik: "Definitiv, Timing war ein Problem diese Saison. Und wenn man sich bei sich selbst nicht so sicher ist, dann fällt es auch schwer, das innerhalb dreier Versuche zu projizieren", meinte Röhler.


Ein Zentimeter entscheidet

Einen dramatischen Verlauf nahm das Kugelstoßen der Männer. Bis zum Beginn des sechsten und letzten Durchgangs führte der Neuseeländer Tom Walsh mit 22,90 Metern das Feld an, dann kam Joe Kovacz (Foto). Der US-Amerikaner wuchtete die Kugel auf 22,91 Meter. Angestachelt davon, legte Landsmann Ryan Crouser ebenfalls 22,90 Meter nach und übertrumpfte Walsh noch dank des besseren zweiten Versuchs. Der Leipziger David Storl hatte die WM wegen Rückenproblemen abgesagt.

Mutaz Essa Barshim, der umjubelte Sieger im Hochsprung, bekam seine Medaille erst einen Tag später überreicht. Nach einer technischen Panne musste die für den späten Freitagabend geplante Zeremonie verschoben werden. Laut Weltverband IAAF streikte das Soundsystem im Khalifa-Stadion. Als die drei Medaillengewinner zur Ehrung bereit standen, war die Arena schon fast leer. Volksheld Barshim ist in Doha geboren.

Die deutsche Sprintstaffel hat die erhoffte Medaille verpasst. Das Quartett mit Lisa-Marie Kwayie, Yasmin Kwadwo, Jessica-Bianca Wessolly und Gina Lückenkemper belegte über 4x-100-Meter in 42,48 Sekunden den fünften Platz. Die Deutsche Meisterin Tatjana Pinto war wegen einer Knieverletzung schon im Vorlauf nicht dabei. WM-Gold gewann Jamaika.

Christopher Linke, WM-Vierter über 20 km Gehen, hat sich vehement dagegen ausgesprochen, dass Gehen oder Marathon von der WM ausgegliedert werden. Der Vorschlag war nach den nächtlichen Hitzewettkämpfen aufgekommen. Der Potsdamer verwies auf frühere Weltmeisterschaften bei ebenfalls hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit und sagte: "Man muss sich darauf einstellen, man kann sich darauf einstellen. Ich habe mich hier draußen jeden Tag besser gefühlt."

Offizielle Besucherzahlen haben die Organisatoren erstmals am Sonntag präsentiert. Ausverkauft war die WM-Arena nur beim Hochsprung-Sieg von Barshim am Freitag mit 42.000 Zuschauern.Die geringste Auslastung gab es mit 7266 besetzten Sitzplätzen am dritten Tag. Am zweiten Tag kamen 11.342 Fans. Für Montag bis Donnerstag weist die Statistik eine steigende Resonanz von 16.500 bis 31.700 Besuchern auf. (tt/dpa)

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