Tour-Revanche im Mini-Format

Nach zehn Jahren Pause feiert die Deutschlandtour der Radprofis ihr Comeback. Um den Osten macht die Rundfahrt diesmal einen Bogen: Das soll aber nicht so bleiben.

Koblenz.

Zum ersten Mal stehen sie sich nach der Tour de France wieder in einem Rennen gegenüber: Geraint Thomas vom Team Sky, der Triumphator des weltgrößten Rad-Etappenrennens, und Tom Dumoulin (Sunweb), der im Juli in Paris auf Gesamtrang zwei einkam. Doch dieses Mal treten die Fahrer nicht drei Wochen in die Pedale, sondern satteln nur vier Tage auf. Beide Pedaleure gehören zum vorläufigen Starterfeld der Deutschlandtour, die morgen in Koblenz gestartet wird und nach 737 Kilometern durch Süddeutschland am Sonntag in Stuttgart zu Ende geht. Dass die Streckenführung der wiederbelebten Rundfahrt um den Osten einen Bogen macht, hat mehrere Gründe. "Zunächst sind wir natürlich davon abhängig, welche Städte sich als Etappenort bewerben. Schließlich müssen sich diese finanziell beteiligen", sagt Toursprecherin Sandra Schmitz und ergänzt: "Außerdem ist es bei nur vier Etappen wenig dienlich, große Transfers einzubauen."

Ob die Streckenführung den Sprintern oder mehr den Klassikerfahrern liegt, bleibt abzuwarten. Die topografischen Herausforderungen halten sich in Grenzen. Auf jeden Fall kann der Gesamtsieger etwas mehr als 6100 Euro mit nach Hause nehmen. Ein Tagessieg spült immerhin noch 3000 Euro in die Mannschaftskasse. Insgesamt gibt es Preisgelder von reichlich 58.000 Euro zu verdienen. Das Feld umfasst 132 Fahrer aus 22 Mannschaften, 11 von ihnen sind sogenannte World- Teams der höchsten Kategorie. Die deutsche Fahne halten dabei unter anderem Marcel Kittel und Rick Zabel vom Team Katusha sowie André Greipel und Marcel Sieberg, die gemeinsam für das belgische Team Lotto Soudal strampeln, hoch. Im Aufgebot der deutschen Mannschaft Bora-hansgrohe steht zudem der Zschopauer Marcus Burghardt. Die genaue Startliste wird heute Abend veröffentlicht. Fest steht: Tobias Nolde vom SV Burgstädt bestreitet als 19-Jähriger eine seiner bisher größten Herausforderungen. Er fährt für das Team Heizomat- rad-net.de und trainiert am Chemnitzer Stützpunkt bei Steffen Haslinger.

Die Deutschlandtour erlebt 2018 nach zehn Jahren Pause ein Comeback. Ohnehin ist die Historie der Radsportveranstaltung, die in ihrer ursprünglichsten Form 1911 zum ersten Mal ausgetragen wurde, immer wieder von längern Pausen geprägt. Zuletzt rollte das Peloton von 1999 bis 2008 über deutsche Straßen. Dabei hatten auch die Radsportfans in der Region die Möglichkeit, die Fahrer hautnah zu sehen. Am 3. Juni 2003 passierte die Tour auf dem Weg von Dresden nach Altenburg die Stadt Chemnitz, wo eine Sprintwertung ausgefahren wurde. Die Etappe wurde jedoch überschattet vom Tod des französischen Radprofis Fabrice Salanson, der am Morgen des 3. Juni leblos in seinem Zimmer gefunden wurde. Spätere Untersuchungen ergaben, dass er an einem plötzlichen Herztod gestorben war und Doping oder Epo in diesem Fall keine Rolle gespielt hatten.

Am 6. Juni 2004 stand Chemnitz Kopf, als auf dem Theaterplatz der Ehrenstart für die abschließende Etappe nach Leipzig vollzogen wurde. Am Vortag endete die Königsetappe auf dem Fichtelberg. Doch ab 2009 teilte die Tour vorübergehend das Schicksal von Friedensfahrt, Sachsentour oder Bayernrundfahrt, die im Zuge der Radsport- Dopingskandale und der damit verbundenen Flucht von Sponsoren und Fernsehpartnern aus dem Wettkampfkalender verschwanden.

Nun erfolgt mit Hilfe eines potenten ausländischen Veranstalters der Neustart. Denn bei der Organisation und Durchführung der Deutschlandtour laufen alle Fäden bei der Gesellschaft zur Förderung des Radsports, dem deutschen Tochterunternehmen des Tour-de-France-Veranstalters Amaury Sport Organisation, zusammen. Das Unternehmen hat die Lizenz für die Deutschlandtour in den kommenden zehn Jahren erworben. Wie Sandra Schmitz mitteilte, sei es denkbar, das derzeit einzige Profi-Etappenrennen auf deutschem Boden künftig auf sechs Etappen aufzustocken. Schmitz: "Wir streben dabei an, das Rennen weiterhin im August in der Woche nach den Hamburg-Cyclassics auszutragen."

Deutschland-Tour 2018

1. Etappe: Koblenz - Bonn 157 km (23. August), 2. Etappe: Bonn-Trier 196 km (24. August), 3. Etappe: Trier-Merzig 177 km (25. August), 4. Etappe: Lorsch - Stuttgart 208 km (26. August). Fernsehen: Die dritten Programme SR, HR, WDR und SWR übertragen Donnerstag und Freitag von 15.30 bis 16.50 Uhr, ZDF: Samstag 15.30 Uhr bis 16.50 Uhr, ARD: Sonntag: 15.40 bis 17.25 Uhr. Eurosport täglich.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...